In Indien nimmt die Zahl wilder Tiger weiter zu
Die Tigerländer - das sind neben Indien auch Russland, China sowie mehrere Länder in Süd- und Südostasien - haben sich darauf verständigt, die Tiere zu schützen. Im Jahr 2010 setzten sie sich in St. Petersburg das Ziel, die Zahl freilebender Tiger bis ins chinesische «Jahr des Tigers» 2022 zu verdoppeln. In Indien gab es im Jahr 2010 nach offiziellen Angaben 1706. Dazu sagte WWF-Tigerexperte Markus Raddey: «Indien hat die Verdopplung zwar nicht geschafft, trotzdem ist die indische Entwicklung eine Erfolgstory ohnegleichen.»
In dem mehrheitlich hinduistischen Indien haben Tiger auch eine religiöse Bedeutung, und der Regierung ist auch die Wichtigkeit von Tigern für den Wildtiertourismus bewusst. Die Tigerjagd wurde in den 1970er Jahren verboten, und Beutetiere werden wegen einer grossen vegetarischen Tradition im Land weniger gejagt als in anderen Ländern. Auch setze die Regierung auf Massnahmen, um Konflikte zu entschärfen. Menschen, die Angehörige oder Nutztiere an Tiger verlieren, werden beispielsweise entschädigt.
Denn mehr Tiger können auch mehr Konflikte mit Menschen bedeuten. Mit der Abholzung von Wäldern liegen menschliche Siedlungen teils sehr nah an den Raubtieren. Weltweit sei das Verbreitungsgebiet des Tigers in den vergangenen 100 Jahren um 95 Prozent geschrumpft, heisst es vom WWF. Dadurch kann es dazu kommen, dass Tiger Menschen oder ihre Nutztiere töten - und Menschen dann teils aus Rache Tiger töten.
Der WWF betont, dass Tigerschutz nur mit Akzeptanz der Anwohner funktioniere. Auch Wilderei ist für Tiger ein Problem: Menschen jagen die Raubkatzen teils illegal - unter anderem, weil Tigerteile in der chinesischen Medizin beliebt sind. Aber auch die Beutetiere der Tiger sind im Visier, was zu Nahrungsknappheit führen kann.