Proteste und Streiks nach schwerem Zugunglück in Griechenland
Am Donnerstagabend gingen einige tausend Menschen in Athen und Thessaloniki auf die Strassen gegangen und protestierten gegen den maroden Zustand der griechischen Bahnen, der ihrer Ansicht nach zum Unglück führte. Autonome schleuderten Brandflaschen auf die Polizei. Die Lage beruhigte sich in der Nacht zum Freitag.
Die Proteste nehmen auch politische Dimensionen an. Konservative und linke Politiker werfen sich in hitzigen Talk-Shows gegenseitig vor, dass ein System ausser Betrieb ist, welches einen Zug stoppt, wenn Gefahr droht, und das somit auch vor menschlichem Versagen schützen soll. Die beiden grossen Parteien Griechenlands - die Konservative Nea Dimokratia und die linke Syriza - hatten das Land in den vergangenen zehn Jahren abwechselnd regiert. Nichts in Sachen Eisenbahnsicherheit sei in die Tat umgesetzt worden, moniert die Eisenbahngewerkschaft.
Zum Unglück kam es in der Nacht zum Mittwoch. Ein Personenzug mit rund 350 Menschen an Bord war wegen einer falschen Weichenstellung auf ein Gleis geraten, auf dem ein Güterzug entgegenkam. Der verantwortliche Bahnangestellte ist bereits wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden. Sein Verteidiger erklärte, sein Mandant habe den Teil der Verantwortung übernommen, die ihm zustehe.