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«Ich bedaure das unendlich»

Bis zu 80 Tiere werden jährlich von Hunden gerissen. Der Davoser Landammann Tarzisius Caviezel musste am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn der eigene Hund ein Tier tötet.

Kristina
Ivancic
Freitag, 08. Februar 2019, 04:30 Uhr Davoser Landammann droht Anzeige
Tarzisius Caviezel bedauert den Zwischenfall mit seinem Hund.
YANIK BÜRKLI

Es war nur ein kurzer Moment, in dem Tarzisius Caviezel nicht aufmerksam war. Doch er genügte. In dem Moment, als der Davoser Landammann die Leine an seinem Hund wechseln wollte, riss sich dieser los – und sprang davon. Caviezel rannte seinem Hund nach, lief durch den Wald hinunter zur Kantonsstrasse in Davos Clavadel. Er folgte dem Bellen, das er aus der Entfernung hören konnte. Was er als Nächstes sah, machte ihn traurig: Sein Hund – ein Schweisshund – stand neben einem Reh, das im eigenen Blut lag.

Caviezel machte eine Erfahrung, die im Kanton Graubünden nicht wenige Hundebesitzer gemacht haben: Der eigene Hund reisst ein Reh. In einem milden Winter reissen Hunde zwischen 40 und 50 Tiere im Jahr. In einem harten Winter sind es sogar zwischen 70 und 80 Tiere. Und es gilt als Verstoss gegen das Gesetz. 

Hund tut, was er tun soll

«Ich bedaure das unendlich», sagt Caviezel. «Leider kann ich nicht in der Zeit zurückreisen, um das Geschehnis rückgängig zu machen.» Er habe einen Fehler gemacht. Den Fehler, nicht genügend aufmerksam gewesen zu sein. «Ich weiss, dass das eine Anzeige gegen mich zur Folge haben wird. Und dafür trage ich die volle Verantwortung», sagt Caviezel.

Seinem Hund drohen keine Konsequenzen. So muss er etwa nicht damit rechnen, eingeschläfert zu werden. Caviezel sieht denn auch keinen Fehler bei seinem Hund. «Mein Hund hat nichts falsch gemacht. Er hat nur das getan, wozu er ausgebildet wurde», sagt Caviezel. Mit anderen Worten: Sein Hund wurde dazu ausgebildet, die Fährte eines verletzten Tieres aufzuspüren. Und das hat er getan. Deshalb glaubt Caviezel auch, dass das Reh bereits verletzt war.

Die meisten Besitzer werden ermittelt

Wie häufig Tiere von Hunden gerissen werden, hängt unter anderem von der Intensität des Winters ab. Wie Hannes Jenny vom Amt für Jagd und Fischerei erklärt, werden Tiere in einem harten Winter öfter gerissen, da sie weniger mobil sind. Sie sind durch die hohen Schneemengen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Sie halten sich näher an Dörfern auf. Sie sind vielleicht sogar schon ermattet oder verletzt. In solchen Fällen würde es den Hunden leichter fallen, ein Tier zu reissen.

«So etwas kann überall passieren», erklärt Jenny. Und doch sei es eher aussergewöhnlich, dass ein Hund in einem Dorf ein Reh reisst. «Aber es kommt immer mal wieder vor. Gerade in Streusiedlungen», sagt Jenny.

Zwischen 30 und 60 Prozent der Hundehalter können nach einem solchen Vorfall jeweils ermittelt werden. Die Vorgehensweise des Amts für Jagd und Fischerei ist dann immer die gleiche: Das Amt wird aktiv, sucht und ermittelt bestenfalls den Hundebesitzer, erstattet Anzeige. In aller Regel erhält der Hundebesitzer für sein Vergehen dann eine Busse. In welcher Höhe, hält die Staatsanwaltschaft fest. «Es ist nicht immer der gleiche Betrag. Das kommt auf die Umstände an. Etwa darauf, ob es zum ersten Mal geschah oder bereits öfters vorgefallen ist», erklärt Jenny.

An die Leine

Caviezel hat seinen Hund gleich wieder an die Leine genommen, ihn an der Leitplanke festgemacht und das Amt angerufen. «Als der Wildhüter da war, war das Tier aber schon verendet», sagt Caviezel. 

Den Vorfall hat «blick.ch» am Mittwoch publik gemacht. Caviezel wird unter anderem vorgeworfen, er habe seinen Hund nach dem Vorfall geschlagen, dem Reh versucht, das Genick zu brechen. Und er habe seinen anderen Hund ebenfalls nicht an der Leine geführt. Caviezel streitet sämtliche Vorwürfe ab. «Jemand, der so etwas behauptet, hat eine blühende Fantasie. Das muss man sich vorstellen: Wie um alles in der Welt hätte ich das Reh über eine Leitplanke legen sollen? Und wie versucht man dabei einem Reh das Genick zu brechen? Der Journalist hat da schlecht recherchiert», sagt Caviezel. 

Aus einem solchen Vorfall kann laut Hannes Jenny nur eines gezogen werden. Sein Appell geht an die Bevölkerung: Besitzer sollen ihre Hunde an die Leine nehmen. Gerade in Gebieten, wo sich das Amt für Jagd und Fischerei mit Plakaten und Hinweistafeln für den Schutz des Wildes einsetzt.

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1) Dass FDP-Caviezel "alles abstreitet", der BLICK "eine blühende Fantasie habe", finde ich eine Schwei...sshunderei.
Unglaubwürdig.
Denn all diese Details der Vorwürfe saugen sich Dritte kaum aus den Fingern.
Wann sind eigentlich die nächsten WAHLEN in Davos?
https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/tarzisius-caviezel-mit-freude…
Handelszeitung titelt: "Tarzisius Caviezel: Mit Freude auf das Jetzt konzentriert"
Nein! Caviezel war eben gar nicht konzentriert, deswegen ja der ganze Schlamassel.
2) SO schreibt:
"Aus einem solchen Vorfall kann laut Hannes Jenny nur eines gezogen werden. Sein Appell geht an die Bevölkerung: Besitzer sollen ihre Hunde an die Leine nehmen. Gerade in Gebieten, wo sich das Amt für Jagd und Fischerei mit Plakaten und Hinweistafeln für den Schutz des Wildes einsetzt."
Appelle an die Bevölkerung sei "das einzige, was man aus dem Fall lernen könne"?
Wirklich?
Die Strafen sind gemäss Artikel offenbar viel zu tief, da lachen die Hundehalter doch nur, genau wie über mich, wenn ich sie jeweils in der Wildruhezone Foral/Parghera darauf hinwies und dass ein Schild unten am Wald gemäss Stadtrat Chur und Kantonalem Amt jetzt Leinenpflicht konstatiere. Ein Halter, dessen Hund das steile Bord raufrannte, weil er weiter oben Rehe sah, lachte nicht, sondern bellte mich sogar an. Und was sagen diese Absender solcher Schilder oder der Wildhüter? Singemäss in etwa: Wir können nicht überall sein. Na, danke. Aber es soll bloss niemand glauben, die Aufrufe (oder "Strafen") würden viel bewirken.

Herr Wolfgang Reuss, ich finde eine solche Einstellung leicht übertrieben. Sie haben aber Recht und ich bin auch der Meinung, dass der Hund eigentlich dem Halter folgen müsste. Bedenken müssen wir aber, dass es immer noch ein eigenes Wesen ist, keine Maschine mit hundertprozentiger Routine. Zudem hat der Halter hier, wie einige andere auch, sehr vorbildlich es sofort gemeldet, was aus Angst nicht immer alle tun. Bitte nicht alles kriminalisieren, sonst wächst diese Angst noch mehr und es noch schlimmer wird.

Dass der Schweisshund – auf Deutsch übersetzt: Bluthund – "nur" getan habe, wozu er ausgebildet wurde, kann ich nicht akzeptieren, denn egal um welche Sorte Hund es sich handelt: Die allererste und oberste Pflicht jedes Hunde(halters!) ist es, sicherzustellen, dass der Hund UNVERZÜGLICH zum Halter kommt, wenn dieser das Signal gibt. Erst recht muss das für "Profi"hunde gelten.
Insofern sollte obiger Vorfall nicht nur die obligate Strafanzeige sondern eine grundsätzliche Vorbeugungsregelung in der Schweiz nach sich ziehen.

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