Dani Peer: Ein eher ungewollter Rücktritt
Lange schwieg der Spieler. Der EHC Chur tat ohnehin dasselbe. Nun hat Dani Peer bestätigt, was vermutet wurde. «Ich kann und werde nächste Saison nicht mehr für den EHC Chur auflaufen», sagt der Stürmer.
Es ist ein Abschied, der schmerzt. Nicht allein deshalb, weil mit Peer ein waschechter Churer, ein Publkumsliebling, die Schlittschuhe an den Nagel hängt. Sondern auch – oder vor allem – deshalb, weil das Karriereende des 39-Jährigen offenbar noch um mindestens ein Jahr hätte hinausgezögert werden können. «Sicher, ich spürte den Körper zuletzt heftiger als früher, und das Sommertraining bestritt ich nicht mehr mit derselben Freude wie in jungen Jahren. Trotzdem ist es nicht so, dass ich nicht mehr für den EHC Chur spielen wollte.»
Was ist passiert? Peer, in Chur wohnhaft, arbeitet wie zu Zeiten, als er Akteur bei Pikes Oberthurgau war, immer noch im Kanton Thurgau. Täglich pendelt der Familienvater – zusammen mit dem Eishockey wurde dies allmählich zuviel. Dies teilte Peer den Verantwortlichen des EHC Chur bereits im vergangenen November mit. Peer begab sich deshalb in Graubünden auf Jobsuche, der Klub, so wurde ihm versprochen, half mit. Doch Peer wurde nicht fündig, «und seitens des EHC Chur habe ich diesbezüglich nie etwas gehört». Peer sagt: «Hätte sich in Chur ein Job finden lassen, würde ich weiterhin für den EHC spielen.»
«Ich habe die NLA-Jahre genossen»
Es ist eine lange Karriere gewesen – und eine, in welcher Dani Peer vieles erlebt hat. Dass es nicht immer Erfreuliches war, ist klar. Schliesslich begann Peer seine Aktivkarriere beim EHC Chur, der während vieler Jahre oft negative Schlagzeilen lieferte. 1996 schaffte Peer, aus dem eigenen Nachwuchs gekommen, den Sprung ins Fanionteam. Nach vier NLB-Saisons gelang der Aufstieg in die NLA. «Wir alle, die Mitspieler und ich, haben die Zeit in der höchsten Spielklasse genossen. Gleichzeitig spürte jeder, dass Chur nicht immer dort oben positioniert sein wird.»
Peer hielt seinem Stammverein vorerst die Treue – und verhalf diesem zur sofortigen Rückkehr zumindest in die zweithöchste Spielklasse. Es war am 4. März 2003, als der EHC Chur in der finalen Best-of-3-Serie nach dem verlorenen Auftaktspiel in der zweiten Partie zu Hause gegen Winterthur 0:3 zurücklag. Die Promotion rückte in weite Ferne. Doch Peer, der sich bei der erfolgreichen Aufholjagd zuvor schon zwei Assists hatte gutschreiben lassen, rettete seine Farben zehn Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit mit seinem Tor zum 3:3 in die Verlängerung. Schliesslich gewann Chur das Penaltyschiessen – mit einem Peer-Treffer – und anschliessend mit 7:1 die dritte Begegnung in Winterthur.
Peer schrieb eine Geschichte, die kein Chur-Anhänger je vergessen wird. Spätestens seit diesem Eishockey-Märchen ist Peer einer der Lieblinge im Hallenstadion. Daran änderte sich auch nichts, als er die Steinböcke verliess. Drei Jahre stürmte er für den EHC Arosa, sieben Jahre für Pikes Oberthurgau. Er blieb jedoch, wie er selbst sagt, stets ein Churer – und er blieb immer in den Herzen der Sympathisanten des EHC Chur. Diese verziehen Peer selbst Tore, die er im Dress gegnerischer Teams gegen «seinen» EHC Chur erzielte.
Offen für Aufgaben im EHC Chur
Auf die Saison 2015/16 kehrte Peer, der in der Amateurliga mehr Skorerpunkte sammelte als er Spiele bestritt, schliesslich in die Bündner Kantonshauptstadt zurück – reifer, älter und immer noch Eishockey-hungrig und -verrückt.
Nun verabschiedet sich Peer, ohne dass es allerdings ein definitiver Abschied sein muss. «Ich werde inskünftig als Fan die Chur-Spiele verfolgen», sagt er. Und nicht nur das. «Ich bin auch offen für Arbeiten im Verein.»