Gilles Senn: «Ich hätte noch viel mehr zeigen können»
Es ist ein lustiges Bild, das sich zum Abschluss des Trainings am Mittwochmorgen im Rahmen des Prospect Camps des Nationalteams in Cham bietet. Der 1,95 m grosse Senn muss in voller Goalie-Montur auf dem Eis Purzelbäume schlagen. Das gehöre nach einer Niederlage dazu. «Bei mir sah es nicht so filigran aus, aber der Wille war da», sagt der 24-Jährige schmunzelnd.
Ein deutlich bessere Figur machte der ehemalige HCD-Goalie in seiner ersten Saison in Nordamerika beim AHL-Team Binghamton Devils, dem Farmteam der New Jersey Devils, die ihn 2017 als Nummer 129 gezogen hatten. Und zwar eine solch gute, dass er bei seinem Team zum «Rookie des Jahres» gekürt wurde. «Es ist eine schöne Wertschätzung», erklärt Senn.
Zu Beginn überfordert
Dabei missriet ihm der Start gründlich. In den ersten beiden Ernstkämpfen für Binghamton kassierte er nicht weniger als neun Gegentore. Er benötigte Zeit, um sich an das kleinere Eisfeld, die anderen Winkel, die anderen Wege zu gewöhnen. Zwar lief es ihm im Training und den Trainingsspielen nach seinem Gefühl gut, «dennoch war ich im ersten 'richtigen' Spiel etwas überfordert. Es war vom Speed her nochmals etwas anderes.»
Er hatte jedoch sehr gute Leute um sich herum, die ihm halfen. «Sie sagten mir, dass es kein Problem sei, wenn ich am Anfang Fehler machen würde, ich keine Angst haben dürfe, solche zu machen», so Senn. «Je länger die Saison ging, desto besser lief es mir.» Am Ende betrug die Abwehrquote 90,1 Prozent, in 13 seiner letzten 15 Einsätzen verliess er das Eis als Sieger. Insofern kam der Abbruch der AHL-Saison aufgrund der Coronavirus-Pandemie umso ungelegener. «Ich hätte noch viel mehr zeigen können.»
Das Ziel ist selbstredend die NHL. In dieser Saison konnte er bei den New Jersey Devils immerhin schon zweimal in der besten Liga der Welt schnuppern - einmal spielte er von Anfang an. «Dort ist die Genauigkeit im Spiel schon noch viel höher, und sie schiessen so oft wie möglich aufs Tor, wollen etwas kreieren. Da musst du als Goalie vielmehr dagegenhalten, darfst du nie den Fokus verlieren.» Es sei jedoch in jeder neuen Liga ein Prozess. Mit der Zeit falle es einem leichter, die Spieler zu lesen.