Abkehr vom regionalen Gedanken in der 1. Liga
Ein Blick zurück: Seit dieser Saison gibt es die MSL, die höchste Schweizer Amateurliga mit zwölf Mannschaften und mit dem EHC Chur als einzigen Bündner Vertreter. Je die vier besten Teams aus der West-, Zentral- und Ostgruppe verabschiedeten sich am Ende der vergangenen Saison aus der ursprünglichen 1. Liga. Damit fehlte es in der neu nur noch viertklassigen Spielklasse plötzlich an Teams. Lediglich Yverdon und Meyrin in der Westschweiz sowie Prättigau-Herrschaft und Herisau im Osten waren aufstiegswillig.
Das Kuriosum Reinach
Zum Problem wurde die Zentralschweiz. Dort winkten alle 2.-Ligisten ab, und so blieben – nachdem Bellinzona wieder in die Ostgruppe wechselte – in der 1.-Liga-Gruppe 2 plötzlich nur noch sechs Klubs übrig. Das machte erfinderisch und führte zum Kuriosum, dass der Verband Reinach in die 1. Liga hievte – einen Klub, der bisher der 3. Liga (!) angehörte. Das Resultat: Die Red Lions aus Reinach haben nach 17 Runden bei 24:132 Toren noch keinen einzigen Punkt auf dem Konto. Ende Saison dürfte der Klub aus der vierthöchsten Spielklasse wieder verschwinden.
So weit die Vorgeschichte und der aktuelle Stand der Dinge. Das Ganze ist bei je zehn Mannschaften in der Ost- und Westgruppe sowie gerade mal sieben Teams in der Zentralgruppe völlig unbefriedigend. Also erstaunt es nicht, dass im Amateurbereich nach Änderungen gesucht wurde. Etwas musste geschehen.
Zwei Zwölfergruppen ab 2019/20
Am vergangenen Samstag scheint in Thun an der ordentlichen Versammlung des Nachwuchs- und Amateursportkomitees (NAC) nun eine Lösung gefunden worden zu sein. «Durch die neu ins Leben gerufene MSL und der damit eingehenden Veränderung der Leistungsdichte in der 1. Liga wurde eine Anpassung des Spielbetriebs notwendig», heisst es. Und weiter ist auf der Verbands-Homepage zu lesen: «Der von einer eigens eingesetzten Arbeitsgruppe ausgearbeitete Vorschlag einer überregionalen Liga soll dazu führen, dass wir spätestens ab der Saison 2019/2020 eine stabile und langlebige Situation in der 1. Liga vorfinden.
Das sieht im Detail so aus: Die 1.-Liga- Mannschaften aus den drei Regionen werden bereits ab 2018/19 auf zwei überregionale Gruppen verteilt. Es ist also denkbar, dass im nächsten Winter in einer 13er- und 14er-Gruppe gespielt wird. In einem weiteren Schritt soll gemäss NAC die Grösse der Gruppen ab der Saison 2019/20 dann aber verkleinert werden. Je zwölf Mannschaften sind geplant. Der neue Spielmodus wird zurzeit erarbeitet und bis Ende Januar 2018 kommuniziert.
Die Idee, auf zwei Gruppen umzustellen, war den aktuellen 1.-Liga-Vereinen nicht unbekannt. Nun wurden diese jedoch vor vollendete Tatsachen gestellt. Geäussert haben sie sich bisher aber nicht.
Zwei überregionale Gruppen machen wegen zu wenigen Teams in der Zentralschweiz zwar grundsätzlich Sinn. Andererseits steht der Entscheid im krassen Gegensatz zur ursprünglichen Absicht, die 1. Liga noch mehr zu regionalisieren. Genau das Gegenteil geschieht nun. Die Liga wird überregional. Allerdings dürften dies die Ostschweizer Klubs nicht allzu heftig zu spüren bekommen. Nächste Saison werden höchstens drei oder vier Gegner dazukommen. Das könnten unter anderem Zuchwil, Argovia Stars und (falls es mit der Promotion klappt) Rheintal sein. Die zusätzlichen langen Reisen und Mehrkosten hielten sich demzufolge in Grenzen.