Funker aus Leidenschaft
von Cindy Ziegler
Das Autoradio spielt Ländler. Die Melodien plätschern im Hintergrund, dominant das Rauschen im Vordergrund. Eine Männerstimme. Wieder Rauschen. Eine andere Stimme. Sepp Schlegel zeigt auf ein kleines Gerät unterhalb des Autoradios. «Heiligkreuz. Nicht schlecht bei dieser Wellenlänge», meint er – mehr zu sich selbst. Der Pensionär parkiert das Auto vor einem Einfamilienhaus in Malans und führt durch ein hölzernes Gartentor zu einem Gartenhäuschen, ebenfalls aus sonnenverbranntem Holz gebaut. «Wir bekommen Besuch», sagt Claudio Eugster im Innern in das Funkgerät in seiner Hand. Bleibst du QRV?» Kurzes Rauschen. Dann vom anderen Ende, aus Heiligkreuz: «Ich gehe Stand-by, du rufst einfach».
Sepp, Gaby 66, und Claudio, Schottajoggi 66, sitzen am mit rotem Tuch gedeckten Tisch. Vor sich einen dampfenden Kaffee, Apfelsaft und viele technische Apparaturen. Sie sind – physisch – zusammengekommen, um vom Hobby zu erzählen, das sie verbindet. Das Funken. Es sei eigentlich eine frühe Form von Social Media, befinden die beiden Männer. Schliesslich sei Funken nichts anderes als ein niederschwelliges In-Kontakt-Kommen mit irgendjemandem. «Ich muss mein Gegenüber nicht kennen und kann einfach mal in die Luft ausrufen. Und vielleicht ist da jemand, der mir antwortet», sagt Claudio Eugster, der inoffizielle Präsident der losen Interessensgemeinschaft Funkgruppe Falknis. Es sei immer spannend, wenn man mit jemandem funke und ihn oder sie dann erst später persönlich kennenlerne. «Interessant ist dann, ob das Gesicht zur Stimme passt», sagt Sepp Schlegel lachend. Beide erzählen, dass sich übers Funken langjährige Freundschaften entwickelt hätten. Das sprichwörtlich auf einer Welle sein, sei der eine Aspekt. Das Buchstäbliche, die Technik, der andere.