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Die Zecken erklimmen Bündner Berge

Bald ist man nirgends mehr vor Zecken sicher. In Graubünden stossen sie in komplett neue Gebiete vor.

Südostschweiz
05.07.21 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Sie sind unschön anzusehen, stechen und übertragen Krankheiten. In Graubünden gibt es immer mehr Zecken.
Sie sind unschön anzusehen, stechen und übertragen Krankheiten. In Graubünden gibt es immer mehr Zecken.
PIXABAY

Sommerzeit ist Zeckenzeit. Und die kleinen Blutsauger werden jedes Jahr gerissener. Waren sie früher in höher gelegenen Gebieten eher selten daheim, so gibt es heute nur noch wenige Orte in der Schweiz, an denen Naturfreunde vor Zecken sicher sind. Werner Tischhauser ist Zeckenforscher an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Und er weiss, warum sich die Zecken so stark ausbreiten: «Einerseits hat die Klimaveränderung der letzten Jahre etwas damit zu tun.» Wie Tischhauser gegenüber Radio Südostschweiz sagt, brauchen Zecken durchschnittlich vier Grad Celcius, um sich wohlzufühlen. Und genau diese Temperaturgrenze habe sich in den letzten Jahren in die Höhe verschoben, tut es gar noch immer. Andererseits verändere sich auch die Vegetation. «Mit der ansteigenden Temperatur wandern die Zecken automatisch auch in die Höhe», so Tischhauser.

Aber auch veränderte Bewirtschaftung von einzelnen Zonen könne die Zeckenausbreitung begünstigen. Diese Entwicklungen würden zwar über einen längeren Zeitraum geschehen, liefen aber alle darauf hinaus, dass die Zecke mehr und besseren Lebensraum erhalte. Über die letzten 20 Jahre habe der Zeckenbestand pro Jahr jeweils um 15 Prozent zugenommen. Diese Zahl ist jedoch relativ ungenau, da lediglich die Zeckenstiche aufgezeichnet würden, die Zecken in der Schweiz selber können bekanntlich nicht gezählt werden.

Risikogebiet Rheintal

In Graubünden gibt es besonders im Churer Rheintal «gefährliche Ecken», wenn es um Zecken mit Borreliose oder FSME geht, wie Tischhauser sagt. Dort würden besonders viele Menschen von Zecken gestochen und an den beiden Krankheiten erkranken. Zecken seien aber überall verteilt im Kanton. Kurz: «Überall dort, wo die Oberfläche mit Vegetation bewachsen ist.» Sprich, hat es keinen Beton oder Stein, hat es ziemlich sicher Zecken. Auch in höheren Lagen, wie zum Beispiel im Engadin auf über 1500 Meter über Meer sei niemand vor Zecken sicher, erzählt Tischhauser. Er erinnert sich dabei an eine Frau in Zuoz, die in ihrem Garten von einer Zecke gestochen wurde. «Bis 1900 Metern über Meer, beziehungsweise bis zur Waldgrenze, ist es gut möglich, auf eine Zecke zu treffen», sagt der Zeckenforscher. Durch die hohe Wilddichte fänden die Zecken auch auf dieser Höhe genug zu essen. Den Menschen braucht es dazu nicht.

Vor einer Weile hat sich das Südostschweiz-Team übrigens in die hohen Gräser begeben, um Graubünden für Euch etwas zeckenfreier zu machen:

Die Südostschweiz auf grosser Zecken-Mission. ARCHIV

Prävention ist wichtig

Ganz schutzlos sind Menschen den Zecken nicht ausgeliefert. Allerdings hapert es an der Prävention, findet Alexia Cusini, leitende Ärztin für Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Graubünden. «Die Bevölkerung ist zwar gewillt, sich gegen Zecken impfen zu lassen, die Bereitschaft dürfte aber gerne grösser sein.» Sie findet, dass sich eigentlich jede in der Schweiz wohnhafte Person gegen FSME impfen lassen sollte.

Doch auch die Borreliose sei nicht zu unterschätzen. «Es können Infektionen an den Gelenken entstehen oder das zentrale Nervensystem kann angegriffen werden. Das kann bis zu einer Hirnhautentzündung gehen», so die Ärztin. Borreliose könne in der Regel aber gut behandelt werden – mit Antibiotika. Falls sich die Haut auch Tage nach dem Zeckenstich noch immer rötet, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Schützen könne man sich nebst der Impfung am besten mit der Kleidung: «Je weniger unbedeckte Haut, desto besser. Auch ein Spray gegen Zecken kann helfen.»

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Bislang hiess es, dass die unterschiedlichen Erreger in den Zecken zu zahlreich seien, um sie nur mit einem Impfstoff zu bekämpfen. Auch oberhalb von Flims bis 1800 M.ü.M. hatte ein Forschungsteam schon Zecken gefunden. Deshalb gehe ich erst ab 2000 M.ü.M. neben dem Weg. Und Rhäzünser Rhein-Auen keine gute Idee. Vielleicht gibts ja bald einen schlauen RNA-Impfstoff? Immer die schönen Naturfotos im hohen Gras? Borreliose kann auch erst nach 7 Jahren ausbrechen, auch ohne Rötung oder dass man sich daran erinnern würde. Hatte es früher schon zweimal. Wirklich Drecksviecher. Auch beim Rausziehen kann sich die Zecke übergeben. Die Hälfte der Jet-Milliarden in die Zeckenerregerforschung stecken ist keine schlechte Idee. Dann müsste doch etwas rauskommen dabei? Und dieser Beitrag mit Video finde ich auch sehr nötig.

Auf dem Foto sollten Sie erklären, dass das eine vollgesogene Zecke ist. Und daneben eine hungrige abbilden.
Auch der Text könnte informativer sein. Aber das Video von Mario Engi ist Spitze, besser als CSI (Crime Scene Investigation). Bitte mehr von ihm (auch wenn er inzwischen wo anders arbeitet). Die weisse "Fahne" könnte bedeuten, dass man vor den Zecken kapituliert? Yeah, wieso stecken wir die aus meiner Sicht nicht nur sinnlosen sondern kontraproduktiven (gaukelt Sicherheit nur vor) US-Militärjets-Milliarden nicht in einen Feldzug gegen die Zecken, irgendwelche "Mechanismen" würde die hochgejubelte Gentech-/Pharma-/Bioscience-Highesttechnology-Industrie doch finden, oder? Na, ist doch wahr, jetzt rotten wir weltweit DIE ARTEN aus, bloss bei denen, die es echt verdient hätten, schafft die Menschheit das nicht? Denn nur noch mit Schutzanzug (quasi Ganzkörpergesichtsmaske) oder schlechtem Gewissen in die Natur, kanns ja echt nicht sein.
Infos:
https://www.youtube.com/watch?v=KzQU2twO70I
Zudem: Katzen können die Zecken mitschleppen aufs Sofa oder auf Personen, die sie auf den Schoss nehmen, alles schon passiert. Die Badi Obere Au, zumindest das "Wäldchen", ein Zecken-Hotspot?

Lieber Herr Reuss

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern sind immer die wertvollsten - und wenn sie noch dazu positiv ausfallen zu kreativen, eigenen Formaten, freut das gleich doppelt. Mehr Wertschätzumg kann man nicht erfahren.

Ich arbeite mittlerweile oder doch schon seit einiger Zeit (sie vergeht wie im Flug) tatsächlich anderswo; aber wer weiss, vielleicht ergibt sich ja trotzdem mal wieder eine Gelegenheit, für etwas Unterhaltung mit einer kleinen Produktion zu sorgen. Ich wäre jedenfalls zu haben - neben und nicht während meiner eigentlichen Arbeit natürlich. :)

Liebe Grüsse, war schön von Ihnen zu lesen!

Mario Engi

Guten Abend Herr Klöti
Im Volksmund ist fälschlicherweise oft von einem «Biss» die Rede, doch der Begriff Zeckenbiss ist wissenschaftlich nicht korrekt. Die Parasiten haben einen Stechrüssel. Sobald die Zecken eine optimale Einstichstelle gefunden haben, schneiden sie die Haut auf, stechen mit dem Stechrüssel in das Gewebe und beginnen Blut zu saugen. 
Trotz aller Blutrünstigkeit einen schönen Abend! 

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