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Ein langer Weg bis zur Bildreportage

Ein langer Weg bis zur Bildreportage

Sasi Subramaniam ist Fotograf bei den «Glarner Nachrichten». Auch in seiner Freizeit ist er oft mit der Kamera unterwegs. In seiner Fotokolumne «Begegnungen» erzählt er jeweils davon.

Sasi
Subramaniam
vor 1 Woche in
Aus dem Leben

Über Eva Oertli will ich seit gut zwei Jahren eine Bildreportage machen. Weil ihre Kunst nicht nur im Glarnerland, sondern in der ganzen Schweiz bekannt ist. Obwohl wir einen Termin vereinbart haben, mussten wir den ersten Versuch verschieben. Eva war doch nicht da. Und leider hat es auch mit dem zweiten Termin nicht geklappt.

Da ich für meine Fotoausstellung im Anna-Göldi-Museum in Ennenda noch vieles vorbereiten musste, bin ich in den letzten zwei Wochen immer an ihrem Atelier vorbeigelaufen. Und dabei habe ich jedes Mal die Künstlerin gesehen. Aber nicht bei der Arbeit. Entweder war sie in einer Pause nach der Arbeit oder mit jemandem im Gespräch.

Eigentlich wäre ihre Auszeichnung mit dem Glarner Kulturpreis in diesem Jahr Grund genug, über meine Protagonistin eine Bildreportage zu versuchen. Aber auch in diesem Jahr habe ich zuerst eine Absage kassiert: Eine Anfrage für einen Fototermin der Zeitung wegen des Kulturpreises hat sie letztlich abgesagt.

Die Ennendaner Steinbildhauerin Eva Oertli ist im Glarnerland, national und international bekannt durch Werke wie die «Caring Hand» am Südende des Volksgartens oder die «Rote Drei» beim Zaunplatz. Wie kann ich mit dieser ausgezeichneten Künstlerin einen Fototermin hinkriegen, wenn es mit Terminen nicht funktioniert, habe ich mich dann gefragt. Deswegen habe ich mir eine neue Strategie vorgenommen, die ich aus Sri Lanka mitgebracht habe.

Weil ich letzte Woche so oder so einen Fototermin in Ennenda hatte, bin ich noch mal bei Eva vorbeigegangen. An dem Tag war sie mit einer jungen Frau im Gespräch. «Hast du in einer halben Stunde Zeit für mich?», habe ich Eva gefragt. Sie sagte zu. Nach 30 Minuten war ich bei Eva und fragte: «Was ist dein aktuelles Werk?»

«Derzeit arbeite ich mit dem kleinsten Modell», antwortete Eva und zeigte mir ein Bonbon. «Ich mache etwas Süsses, wir brauchen in den Coronazeiten so etwas», sagte die Steinbildhauerin. «Züggi» sagt man in Glarus. Ein Züggi, das mich auch fasziniert hat, weil es mit einer Drehung geöffnet werden kann. «Um diese Drehung geht es mir auch. Das ist etwas ganz Simples, eingewickelt, und man zieht und dann geht es auf», erzählte Eva mir weiter. Und ich habe weiter fotografiert. «Arbeitest du immer mit Glarner Steinen?», wollte ich wissen. «Ganz selten. Aber das ist ein ganz gesunder, guter Glarner Stein aus der Linth.»

«Du kannst weiterarbeiten, dann mache ich einige Fotos», sagte ich, weil ich noch weitere Bilder brauchte.

«Für was fotografierst du mich eigentlich?», fragte mich Eva letztlich. «Ich weiss es auch nicht, vielleicht mache ich eine Reportage», antwortete ich. «Okay, schauen wir dann», war die Antwort der Künstlerin. Und so bin ich schliesslich dank einer nicht ganz so spontanen Begegnung doch zu meiner Bildreportage gekommen.

Eva, ich gratuliere dir ganz herzlich zum Glarner Kulturpreis.

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