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Rund um den Bahnhof hat die Polizei am meisten zu tun

Das Coronavirus fordert die Kantonspolizei: In einem Fall wurde eine Patrouille sogar von einem vermeintlich Infizierten bespuckt. Um sich zu schützen, dürfen die Polizisten jetzt schneller zum Pfefferspray greifen.

Ueli
Weber
Montag, 27. April 2020, 06:09 Uhr In Zeiten von Corona
Corona-Brennpunkt Bahnhof: Im Areal des Bahnhofs Glarus und im benachbarten Volksgarten ist es deutlich zu den meisten Einsätzen
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Die meisten Glarnerinnen und Glarner halten sich an die Abstandsregeln, um das Coronavirus einzudämmen. Doch am Bahnhof Glarus und im Volksgarten in Glarus musste die Polizei wiederholt eingreifen, um Menschenansammlungen aufzulösen. Dort kam es «deutlich zu den meisten Einsätzen auf dem Kantonsgebiet», wie Daniel Menzi, Mediensprecher der Kantonspolizei Glarus, sagt. «Dies ist auch aktuell noch so.»

Dass solche Einsätze nicht immer einfach verlaufen, berichtet ein Kantonspolizist in der aktuellen Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Zentralverbandes Öffentliches Personal Schweiz. «Insbesondere das Klientel am Bahnhof Glarus zeigt wenig Verständnis und tritt teilweise sogar bewusst provokativ auf und nutzt die Covid-19-Umstände zu ihrem Vorteil», schreibt der Kantonspolizist. Bei einem «sehr unschönen» Vorfall seien zwei Polizisten bespuckt worden. Der Aggressor habe behauptet, er sei mit dem Coronavirus infiziert. Die beiden Polizisten mussten sich danach über 24 Stunden isolieren, bis die Ärzte nach einem Coronatest des Festgenommenen Entwarnung gaben.

«Situation besser als erwartet»

Polizeisprecher Daniel Menzi bestätigt, dass Kantonspolizisten mit einer Coronavirus-Infektion gedroht wurde. «Bespuckt wurde eine Patrouille glücklicherweise nur einmal», sagt Menzi. «Es kam aber noch zweimal vor, dass straffällig gewordene Personen damit ‘gedroht’ haben, dass sie Covid-19-positiv seien.» In allen Fällen stellte sich laut Menzi nach Tests heraus, dass die Personen negativ waren.

«Die Situation hat sich besser entwickelt als ursprünglich erwartet», relativiert Menzi den in der Aprilausgabe erschienen Bericht. Zu Beginn hätten sich die Leute noch an die Abstandsvorschriften gewöhnen müssen. «Die Bevölkerung hält sich insgesamt gut an die Vorschriften und wir hoffen, dass das auch während der schrittweisen Lockerung so bleibt», sagt Menzi.

«Bei Festnahmen tragen die Polizisten Schutzbrillen, Masken und Handschuhe.»

Die Polizei hat jedoch auf die Vorfälle reagiert. Das Polizeikommando hat beschlossen, dass die Kantonspolizisten schneller zum Pfefferspray greifen dürfen. So sollen sie auf Angriffe und Provokationen reagieren können, ohne sich einer grösseren Ansteckungsgefahr auszusetzen. «Bisher musste davon aber kein Gebrauch gemacht werden», sagt Mediensprecher Menzi.

Doch Körperkontakt lässt sich nicht immer vermeiden, etwa bei einer Festnahme. Bei «einschlägigen Einsätzen» sollen die Polizisten Schutzbrillen, Masken und Handschuhe tragen. Wenn eine renitente Person um sich spuckt, wird ihr eine sogenannte Spuckhaube oder eine Schutzmaske übergezogen.

Die Kantonspolizei Glarus hat zudem spezielle Räume eingerichtet für Einvernahmen und Haftfälle mit Personen, welche positiv auf das Coronavirus getestet wurden oder bei denen zumindest der Verdacht besteht. Auch für Polizisten gibt es Räume, in denen sie sich vorübergehend isolieren können, wenn sie mit einem möglicherweise infizierten Kontakt hatten.

Eingeschränktes Privatleben

Die Einschränkungen des Lebens betreffen die Polizisten auch in ihrem Privatleben, wie der Kantonspolizist in der Zeitschrift für öffentliches Personal berichtet: «Nicht nur der aktuelle Dienstbetrieb und der Umgang mit Klienten ist im Moment etwas schwierig, sondern auch die Beschränkung der sozialen Kontakte, welche allerdings uns alle treffen.» Viele Polizisten pflegten sonst enge Kontakte untereinander oder machten zusammen Sport. «Dies dient oft der Psychohygiene, da schwierige Situationen untereinander besser besprochen und verarbeitet werden können. Dieses Ventil steht zurzeit nur eingeschränkt zur Verfügung», schreibt der Polizist.

 

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