Viele Vögel sind schon ausgeflogen
Wer aktuell in den Himmel schaut, der sieht dort ab und an grössere Vogelschwärme. Dabei handelt sich gemäss Christoph Meier, Leiter der Ornithologischen Arbeitsgruppe Graubünden, mehrheitlich um Staren-Schwärme. «Die Stare brüten bei uns im März und Mai, ziehen dann in den Norden und lassen sich beispielsweise in Holland nieder, um im Oktober wieder zurück in die Schweiz zu kommen. ‹Wenn die Winzer Glück haben, haben sie ihre Trauben bis dann bereits in Sicherheit gebracht›, erklärt Meier. Denn in Obstkulturen oder Weinbergen können Starenschwärme grosse Schäden anrichten. Wenn es den Staren zu kalt wird, würden diese weiter ins Mittelmeergebiet ziehen.
Viele andere Vogelarten haben sich gemäss Meier längst auf den Weg in wärmere Gebiete gemacht. «Der Vogelzug spielt sich von Ende Juli bis im November ab, der Hauptschwerpunkt liegt in den Monaten August und September.» Nur noch wenige Arten sind aktuell in Graubünden oder Glarus anzutreffen.
Bei ihrer Reise Richtung Südwesten schlagen die Vögel ganz verschiedene Routen ein. «Viele Vögel fliegen den Juraketten entlang und dann bei Genf weiter durchs Rhônetal.» Es gebe aber auch Vögel, die bis an den Alpen-Nordrand herankommen und dann am Nordfuss der Alpen entlang ziehen, bevor sie ebenfalls den Weg via Genf einschlagen. Ein kleinerer Teil der Tiere fliegt direkt über die Alpen. «Diese Vögel fliegen vor allem bei schönem Wetter und in beträchtlicher Höhe.» Diese könne man von den Pässen aus beobachten. «Wenn das Wetter schlecht ist, ziehen diese Vögel eher den Talschaften entlang und halten sich an die topografischen Leitlinien.»
Nur gerade ein Drittel der Vögel können bei Tageslicht bei ihrer Reise beobachtet werden, zwei Drittel fliegen gemäss Meier in der Nacht. Ausserdem gebe es solche Arten wie die Greifvögel, die ihre Reise alleine in Angriff nehmen.
Klima hat Einfluss
Was alle Vögel gemeinsam haben: Sie kommen fast immer rechtzeitig in den Überwinterungsgebieten an. Sei dies im europäischen Mittelmeerraum oder auch in Afrika. Festzustellen ist aber laut Meier, dass einige Vogelarten mit kürzeren Routen aufgrund der Klimaveränderung rund zwei Wochen früher als noch vor zehn oder 15 Jahren zurückkommen.