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Zwei «halbe» Tunnels – eine verrückte Idee

Nun ist man daran, ins Gotthardmassiv zwei Tunnels mit je zwei Fahrspuren zu planen, damit am Schluss nur die Hälfte benützt werden darf. Ein toller Einfall aus dem Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) mit Doris Leuthard als Vorsteherin scheint das nicht zu sein.

Südostschweiz
Donnerstag, 02. August 2012, 02:00 Uhr Leserbriefe

Aber es ist halt leider so, dass der alte Gotthardtunnel bald ausgedient hat, die Verkehrsbelastung auf den Strassen Jahr für Jahr zunimmt und die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schienen gescheitert ist. Die Aufgabe des Uvek ist es, dafür zu sorgen, dass unser Verkehrsnetz den zunehmenden Verkehrsbelastungen auch künftig gewachsen sein wird. Umso mehr erstaunt eine derart verrückte Idee.

Der vom Volk akzeptierte Alpenschutzartikel versetzt Bundesbern offensichtlich in Bedrängnis. Wer ein bisschen nachdenkt, bemerkt, dass diese vorgeschlagene Variante mit zwei nur halb genutzten Tunnels, nur dem Zweck dienen kann, um später über eine neue Verfassungsbestimmung beide Tunnels zweispurig befahren zu lassen. So gesehen wird das Volk eines Tages diese Entscheidung zu treffen haben. Manchen Bürgern und Bürgerinnen fällt es schwer zu glauben, dass die zukünftige Verkehrssituation mit zwei «halben» Tunnels bewältigt werden soll. Es wird nötig sein, für die Sanierung des alten Gotthardtunnels eine zweite Röhre zu bauen. Aber es ist absolut widersinnig, für Milliarden zwei Tunnels zu bauen und diese dann nicht voll auszunutzen. Für eine zügige Verkehrsabwicklung ein Blödsinn und für den Steuerzahler ein Baubeschiss.

Thomas Caminada, Nussaus

Zum Artikel «Jungfreisinnige blasen zum Angriff auf die Kirchenkassen» in der Ausgabe vom 27. Juli.

Nicht nur die Jungfreisinnigen fanden mit dem Autor einen Gratiswerbeträger für ihr Ansinnen, auch der Journalist stiess wohl auf ein Thema, über das er in dieser Saure-Gurken-Zeit schreiben konnte. Ich spreche von der Unterschriftensammlung zur Initiative zur Befreiung der Unternehmen von den Kirchensteuern. Eine Initiative mit diesem Ziel musste der jungfreisinnige Parteipräsident Thomas Bigliel schon nur deshalb anregen, um seine Identität zu beweisen. Für Freisinnige – zumindest für Junge, in ihrer Identität noch Unsichere – heisst das: «Steuern ablehnen!» Und weil sich in seinem Wissen Kirche auf Kult reduziert, sind deren Steuern abzulehnen.

Besuch der Einsamen, Pflege der Gemeinschaft, Wertschätzung von Behinderten, Einbezug von Randregionen, Aufnahme von Obdachlosen und Asylsuchenden sind nicht in seinem Blickfeld. Würde der Staat das übernehmen, würde Bigliel für ein Referendum gegen solch unnötige Vorhaben Unterschriften sammeln. «Jeder für sich» mag für einen Jungfreisinnigen stimmen, ein behinderter Mittelalterlicher benötigt diese Institution, weil jede Gesellschaft Menschen braucht, die sich für ein solidarisches Leben einsetzen, auch wenn der Zeitgeist dagegen spricht.

Niklaus Schubert, Davos

Zum Artikel «Wenn der 1.-August-Holzstapel verheizt statt verbrannt wird» in der Ausgabe vom 20. Juli.

Daniel Güttinger vom kantonalen Amt für Natur und Umwelt behauptet im Artikel, von Auge könne oft nicht beurteilt werden, ob das alte Holz behandelt worden sei oder nicht, zum Beispiel wisse bei einem alten Stall niemand, ob das Holz nicht einmal einen Anstrich bekommen habe.

In all meinen Jahren (70-jährig) habe ich noch nie einen Stall gesehen, der einen Anstrich irgendwelcher Art bekommen hat. Sollte es trotzdem der Fall sein, hat die Sonne längst das Übel ausgebrannt! Das alte Holz ist dermassen zerfurcht und hart, dass es kaum mit der Säge zu schneiden ist und meines Erachtens kaum Feinstaub freigibt.

Die 1.-August-Feuer schaden der Umwelt wesentlich weniger als die Tausenden Raketen, die jedes Jahr abgebrannt werden. Notabene nicht nur am 1. August, sondern bei jeder festlichen Gelegenheit (Geburtstage, Hochzeiten usw.) wird die Umwelt durch Feuerwerke und deren Feinstaub belastet. Ein Verbot für Feuerwerke wäre angebrachter als eine Verzeigung fürs Abbrennen von Altholz. Werden doch jedes Jahr Menschen von abgebrannten Feuerwerken verletzt oder es entstehen Haus- und Flurbrände.

Maurus Camenisch, Churwalden

Zum Artikel «Simon Camastral, Berufsjäger» in der Ausgabe vom 29. Juli.

Das Jagen von Bündner Jägern auf allen fünf Kontinenten ist kein Ruhmesblatt und hat auch eine gravierende, menschenverachtende Seite. Jäger versuchen immer wieder, sich diese Geschichten schönzureden.

Die meisten Länder, gerade in Afrika und Indien, haben erkannt, dass der Wildtier-Tourismus mit der Kamera sehr viel lukrativer und die Jagd das Hindernis Nummer 1 ist, um Tiere zu sehen. Botswana zum Beispiel hat deshalb die staatlichen Jagdcamps für zehn Jahre eingestellt. Dazu muss auch gesagt werden, dass unsägliches Tier- und Menschenleid durch die Tourismusjagd entsteht. Es werden in privaten Camps Löwen in Käfigen für den Abschuss gezüchtet und mittels Bauchschuss tödlich verletzt, damit die Kopftrophäe erhalten bleibt – sie erwartet also ein grausamer Tod.

Den Ureinwohnern ist in vielen Teilen das Jagen zum Eigengebrauch verboten, und meistens sind Wilderer die Helfer der privaten Campbesitzer, um mit den gut betuchten Jägern kräftig Kasse zu machen. Dass Nashörner sich heute am Rande des Aussterbens befinden, hat mit der neuesten Technologie der Wilderer zu tun. Da sich die Wilderer ebenfalls gut bezahlen lassen von den «Touristenjägern», können sie sich Helikopter, Nachtsichtgeräte, neueste Waffen und so weiter leisten, und so sind Wildhüter in vielen Ländern auf aussichtslosem Posten. Es ist auch heute noch möglich, etwa Nashörner gegen Bares in privaten Camps zu töten, es gibt ganze Trophäenlisten im Internet, auch von geschützten Tieren. Das Geld sehen die Staaten ganz selten. Die Campbesitzer bereichern sich ungestraft. Sie sind meistens reiche Ausländer mit Jagdfieber. Gerade Berufsjäger wie Simon Camastral, die solche Reisen organisieren, sind an der Verbreitung dieser Unarten beteiligt. Es ist eine Blauäugigkeit und ein Selbstschutz zu behaupten, dass die wilden Tiere dadurch gerettet werden könnten.

Bündner Jäger mit solchen Gesinnungen sind auch Befürworter der Sonderjagd, auf welcher unsere Kitze und Muttertiere geschossen werden, die im Winter in die Einstände gehören und nicht aufgehängt am nächsten Baum. Es gäbe auch vom zuständigen Regierungsrat eine ethische Verantwortung gegenüber Menschen im Kanton, denen die Wildtiere mehr bedeuten, als ein kleines Rehkitz auf den Teller zu bringen. Mitgefühl kann nie verwerflich sein, aber eine angekratzte Männlichkeit mit Jagd dauernd beweisen zu müssen, sehr wohl.

Jäger, die im Ausland jagen, sind keine Heger, sondern frönen einem verwerflichen und blutigen Hobby auf Kosten der Einheimischen und der Natur – nicht mehr und nicht weniger.

Marion Theus, Wildtierschutz Schweiz, Davos

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