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Wo die Kreiselkunst punkten kann

Ein Gerüststeinbock, bunt leuchtende Bogen, mehr oder weniger lebende Pflanzen und ein riesiges Nichts – das alles ziert die Churer Kreisel. Die «Schweiz am Sonntag» hat die Kreiselkunst mässig kritisch unter die Lupe genommen.

Südostschweiz
Sonntag, 19. Januar 2014, 01:00 Uhr

Exakt 20 Kreisel sind in Chur zu zählen – nicht alle bestechen aber durch ihr Äusseres

Von Stefanie STuder (Text), Carlo Lardi (Video) und Olivia Item (Bilder)

Jeder auf vier oder zwei Rädern hat es schon erlebt. Der Drang, nach einem langen Arbeitstag endlich in die heimischen vier Wände zu kehren, ist gross. Nur die Lücken, die sich im Kreisel ergeben, sind es nicht. Im schleichenden Feierabendverkehr bleibt aber endlich einmal Zeit zu begutachten, was die Churer Kreisel denn noch ausmacht, als ein mehr oder weniger reibungsloses Ab- und Einbiegen zu ermöglichen. Insgesamt 20 Kreisel sind gemäss einer Liste des städtischen Tiefbauamts in Chur zu zählen. Und ein jeder sieht anders aus. Ob mit Bäumen, Sträuchern, Blumen, Kunstwerken oder einem Brunnen versehen – keiner gleicht dem anderen. Nur lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten.

<strong>Etwa über den Gerüst-Steinbock</strong>, der seit Herbst den Kreisel an der Ring-/ Rheinfelsstrasse ziert (1). Bei einer mässig professionellen Bewertung durch eine Redaktions-Jury konnte die Innengestaltung des mit Baujahr 2013 neusten Churer Kreisels wenig überzeugen. Von insgesamt 15 möglichen Punkten, erhielt das sich auf Valsergranit heroisch aufbäumende Wappentier lediglich 2,6. Allerdings dient es auch weniger der Ästhetik als der Werbung. Die Gerüstbau Tscharner AG feiert damit ihr 20-Jahr-Jubiläum.

Mehr zur Feierlaune trägt der Kreisel bei der IBC an der Ring-/Felsenaustrasse (2) bei. In der Nacht kommt vor den bunt-glühenden Bogen fast schon Discostimmung auf. Und auch der Brunnen auf dem Kreisel bei Chur West (3) leuchtet abends annähernd festlich.

Der hoffentlich nicht geblendete Lenker darf die weiteren Kreisel auf der Ringstrasse getrost ignorieren – jedenfalls aus ästhetischer Betrachtungsweise. Und das sind doch einige: Auf den insgesamt 2,5 Kilometern befinden sich ganze acht Exemplare. Abgesehen von den beiden erwähnten präsentieren sich momentan alle ziemlich trostlos, werden sie doch von zurzeit wenig grünenden Pflanzen verziert. So etwa auch jener bei der HTW an der Pulvermühlestrasse (4). Nur gerade 1,2 Punkte erhält er für seine braunen Hecken und bildet somit das Schlusslicht.

<strong>Zugegeben, eine Bewertung</strong> der Bepflanzung in den Wintermonaten kann nicht sehr vorteilhaft ausfallen. Dass es aber möglich ist, auch in der kalten Jahreszeit zu glänzen, zeigt der Kreisel Rätus-/Sägenstrasse (5). Die Hecken sind auch unter einer feinen Schneeschicht noch grün. In der Kategorie Bepflanzung erhielt der Kreisel deshalb immerhin einen von drei Kreisen. Dicht gefolgt vom Überfahrungsopfer an der Engadinstrasse mit seinen zwei Hecken (6) sowie dem Kreisel bei Masans (7) mit sage und schreibe 13 Bäumen.

Wenig verschönert hätte eine Bepflanzung den Kreisel am Postplatz (8). Ein Miniatur-Friedhof oder hat die Stadt dem Kreiselsepp neben einer Bank noch einen Monolithen gewidmet? Ein noch grösseres Fragezeichen wirft nur der 2010 gebaute Kreisel am Obertor (9) auf. Als «Spiegelei» wurde die ovale Fläche in einem Leserbrief betitelt. Die Stadt Chur begründet, dass sie die Umgebung nicht mit einer auffälligen Gestaltung konkurrenzieren wollte, weshalb das grüne Auge im Innenkreisel entstand. Von der Jury erhielt der Kreisel 6,7 Punkte und steht damit auf dem zweiten Platz.

Und der Sieger des Kreisel-Ratings? Der mit den «Drei Lotos» geschmückte Alexanderplatz (10) mit 9,8 Kreisen. In puncto Kulturwert räumte er sogar alle drei Kreise ab. Dennoch darf Künstler Not Vital nicht zu sehr in die Hände klatschen – nach der Einführung der Begegnungszone 2007 ist der Alexanderplatz gar kein Kreisel mehr.

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