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Wirte trotz Umsatzrückgang zufrieden

Die Bündner Gastronomen sind in der auslaufenden Sommersaison nicht recht auf Touren gekommen: Fast die Hälfte aller Betriebe musste gegenüber dem Sommer 2009 einen Rückschlag hinnehmen. Trotzdem bleiben sie optimistisch.

Südostschweiz
12.10.10 - 02:00 Uhr
Zeitung

Von Hansruedi Berger

Chur. – Der tiefe Eurokurs und die Nachwehen der Wirtschaftskrise sind laut Fluregn Fravi, Geschäftsführer des Branchenverbandes Gastro Graubünden, die Gründe, dass ein Grossteil der Bündner Gastronomie im vergangenen Sommer Abstriche im Vergleich zu 2009 hinnehmen musste. Bei rund 45 Prozent der Gaststätten ging der Umsatz zurück, lediglich ein Sechstel der Betriebe legte gegenüber dem Vorjahr zu. 38 Prozent konnten die Vorjahreszahlen halten. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage von Gastro Graubünden bei über 130 Mitgliedern.Der Rückgang sei allerdings nicht dramatisch, relativiert Fravi das Ergebnis. Denn 2009 sei ein gutes Jahr für den Bündner Tourismus gewesen. Dass die Vorjahreszahlen nicht gehalten werden konnten, sei vor allem auf den drastischen Wertzerfall des Euro zurückzuführen. Ein Aufenthalt in der Schweiz habe sich für Gäste aus den Euro-Ländern um 15 Prozent verteuert, eine Hypothek, die nicht wettzumachen sei, so Fravi.

Äussere Einflüsse

Auch die befragten Betriebe führen den Umsatzrückgang auf äussere Einflüsse zurück, wie die Umfrageergebnisse zeigen. Zwar haben 45 Prozent der Betriebe weniger Umsatz als im Vorjahr erwirtschaftet, doch sprechen nur 16 Prozent von einem schlechten Sommergeschäft. 40 Prozent der Betriebe sind mit der Sommersaison zufrieden, 30 Prozent bezeichnen sie sogar als gut.Viele Gastwirte glauben zu spüren, dass den Gästen das Geld nicht mehr so locker in der Tasche sitzt wie noch vor einem Jahr. 55 Prozent glauben, dass ihre Gäste weniger Geld ausgeben und preisbewusster geworden sind. Für 45 Prozent hat sich in dieser Hinsicht allerdings gegenüber 2009 nichts geändert.Ähnliche Umsatzverluste beim Essen und Trinken geben auch die Hotels an, die bei Gastro Graubünden Mitglied sind. Allerdings mussten 50 Prozent der Betriebe Einbussen bei den Logiernächten hinnehmen. Lediglich rund ein Viertel der Hotels konnte seinen Anteil halten.Für die kommende Wintersaison gibt sich die überwiegende Mehrheit der Bündner Wirte verhalten optimistisch. Drei Viertel der Betriebe glauben, dass die Ergebnisse aus der Saison 2009/10 gehalten werden können. Zehn Prozent erwarten gar eine Umsatzzunahme, während 15 Prozent befürchten, unter den Umsätzen des Vorjahrs zu bleiben.

Mit einem blauen Auge

Auch Fravi rechnet nicht damit, dass die Umsätze weiter fallen werden. Alle Anzeichen würden dafür sprechen, dass die Bündner Gastronomie mit einem blauen Auge aus der Wirtschaftskrise herausgekommen sei. Sorgen bereitet ihm allerdings der Euro. Die Branche habe zwar die massive Abwertung überraschend gut wegstecken können, doch eine weitere Verteuerung des Frankens wäre fatal, so Fravi. Er denkt dabei vor allem an die vielen deutschen Gäste, die immer wieder im Kanton ihre Ferien verbringen. Und neben dem kränkelnden Euro gebe es eben noch einen weiteren Unsicherheitsfaktor: das Wetter. «Spielt Petrus mit, steigen natürlich die Chancen auf eine gute Wintersaison.»

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