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Wie Miró die Kunst popularisierte

Im Kulturforum Würth in Chur hat gestern die Ausstellung «Joan Miró – Peintre-poète» ihre Tore geöffnet. Im Mittelpunkt der Schau steht das grafische Werk des spanischen Künstlers.

Südostschweiz
17.09.10 - 02:00 Uhr
Zeitung

Von Valerio Gerstlauer (Text) und Theo Gstöhl (Bilder)

Chur. – Rar sind die Künstler, deren Stil beinahe jedermann auf Anhieb erkennt und die im Volksempfinden das Bild der modernen Kunst prägen. Einer dieser wenigen Künstler heisst Joan Miró (1893-1983). Die ungeheure Popularität hat der Spanier nicht zuletzt seinem umfangreichen grafischen Werk zu verdanken, das grosse Verbreitung und Eingang in viele private und öffentliche Sammlungen fand. Der vergleichsweise günstige Preis der Grafiken dürfte das Seine zu dieser «Streuung» und Präsenz in der Gesellschaft beigetragen haben.Ebenfalls die Grafik steht im Zentrum der Ausstellung «Joan Miró – Peintre-poète», die gestern im Kulturforum Würth in Chur eröffnet wurde. Die Mehrzahl der gezeigten Grafik-Arbeiten kann dabei dem Spätwerk Mirós zugeordnet werden. Ergänzt wird die 40 Werke umfassende Ausstellung durch zwei Ölgemälde, Zeichnungen, Plakate, Buchillustrationen und eine Skulptur. Allesamt stammen aus der Sammlung Würth.

Eine anti-intellektuelle Haltung

Miró sei zweifelsohne einer der bekanntesten Surrealisten, sagt Kuratorin Sonja Klee. Dennoch sei die Bezeichnung «Surrealist» bei Miró unzureichend. Seine Vielseitigkeit lasse dies nicht zu. Trotz aller Vielseitigkeit – zur Grafik entwickelte Miró eine Affinität, die ihn sonst mit keinem Medium verband. Ganz im Sinne seiner ausgesprochen anti-intellektuellen Haltung ermöglichte ihm die Grafik, mit seiner Kunst ein breites Publikum zu erreichen. Wie Miró in einem Brief feststellte, kann die Grafik «unter gesellschaftlichem und menschlichem Aspekt sogar eine grössere Ausstrahlung haben als das Gemälde, denn dies wird immer ein Unikat bleiben, das man andächtig im Museum aufbewahrt». Seine Kunst und die Leidenschaft für diese Technik brachten ihm 1954 an der Biennale in Venedig den Grossen Preis der Grafik ein.Mirós Beliebtheit ist sicherlich nicht nur seiner Produktivität im grafischen Bereich, sondern auch der Farbig- keit und Fröhlichkeit seiner Arbeiten zuzuschreiben. Dabei täuscht diese scheinbare Leichtigkeit über das Ernste, bisweilen Tragische in seinem œuvre hinweg, wie Klee betont. Miró legte von seinem Charakterzug, der in der künstlerischen Arbeit Widerhall fand, schriftlich Zeugnis ab: «Meine Malerei mag als humoristisch und heiter angesehen werden, obwohl ich selbst tragisch bin.»

Die Kunst als Lebensinhalt

Als Sohn eines Goldschmieds 1893 in Barcelona geboren, besuchte Miró zunächst die Handelsschule, wobei er gleichzeitig an einer Kunstakademie studierte. Bereits kurz nachdem er 1910 die Tätigkeit eines Buchhalters aufgenommen hatte, erlitt Miró einen Nervenzusammenbruch. Von da an schlug er endgültig den Weg eines Künstlers ein. 1921 bezog er in Paris ein Atelier und fand wenige Jahre später Anschluss an die surrealistische Gruppe um André Breton. Der Durchbruch gelang Miró 1928 an einer Ausstellung in Paris. Im Jahr 1930 entstanden dann die ersten Lithografien. Der Zweite Weltkrieg stürzte ihn in eine finanzielle Krise, nichtsdestotrotz wuchs das Ansehen, das Miró weltweit genoss: 1941 fand im Museum Of Modern Art in New York die erste Retrospektive statt.1956 siedelte Miró nach Mallorca über. Zu diesem Zeitpunkt war seine Kunst bereits fest etabliert – zahlreiche Ausstellungen und Retrospektiven prägten die Folgezeit. Ab 1966 schuf Miró Monumentalskulpturen aus Bronze, die unter anderem in New York, San Francisco und Paris aufgestellt wurden. Seine Vorliebe für die Grafik begleitete ihn bis zu seinem Tod 1983. An der aktuellen Ausstellung in Chur bezeugt dies das Werk «Lapidari» – eine 1981 entstandene Serie von Radierungen.

«Joan Miró – Peintre-poète»: bis 21. März 2011. Kulturforum Würth, Chur. Öffentliche Führungen: 23. September, 28. Oktober, 25. November, 16. Dezember sowie 13. Januar, 24. Februar und 10. März 2011.

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