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Wie Durich Chiampell das Unterengadin bekehrte

Wie Durich Chiampell das Unterengadin bekehrte

Durich Chiampell – vor 500 Jahren geboren, heute noch bekannt als vielfältige Persönlichkeit. Das Unterengadin und das Münstertal gedenken «ihres» Reformators.

Südostschweiz
vor 10 Jahren in

Am Sonntag, 31. Oktober, hält die evangelische Kirche in Susch zum Gedenken an das Geburtsjahr von Durich Chiampell ein Gedenkgottesdienst. In Anlehnung am damaligen Glaubensdisput werden anschliessend in der Kirche fünf Fragen diskutiert und versucht zu beantworten. Fragen danach, wo der reformatorische Geist von damals geblieben ist, ob die Kirche sich Heute auch erneuern kann und wie sie sich in Zukunft entwickeln soll.

Ein Mann voller Tatendrang

Dieser Mann war einer der Verantwortlichen dafür, dass die gesamte Region, mit Ausnahme der Gemeinden Tarasp und Müstair, im 16. Jahrhundert von der Katholischen zur Evangelischen Kirche wechselte. Durich Chiampell hat aber auch eine der wichtigsten historischen Quellen für Graubünden geschaffen. Und er war einer der Ersten, welcher die rätoromanische Sprache nicht nur gesprochen, sondern auch geschrieben hat.

Reformation auf Romanisch

Durich Chiampell ist 1510 in Susch geboren. Schon als junger Mann hat er sich für die Ideen der Reformation begeistern lassen und wurde Schüler des Reformators Philipp Gallicius, welcher damals von Susch aus in Lavin wirkte. Zusammen mit seinem Vater Chasper Chiampell und Philipp Gallicius war Durich Chiampell auch einer der wichtigsten Vertreter am Glaubensdisput von 1537/38 in der Kirche von Susch, welcher historisch als Initialzündung für die Reformation im Engadin und Graubünden gilt. Da wurden auch gewisse Regeln geschaffen, damit die Reformation ohne zu viel Blutvergiessen verlaufen sollte.Nach diesem Anlass wirkte Durich Chiampell als evangelischer Pfarrer und Reformator in Klosters, Susch, Chur, Zuoz, Madulain, S-chanf, Bergün und Tschlin. Er war auch der Ansicht, dass jeder Mensch die Heilige Schrift selbst lesen können soll, und zwar in seiner eigenen Muttersprache. Darum war er ein eifriger Übersetzer ins Rätoromanische, und mit anderen Reformatoren gehörte er zu den Ersten, welche diese Sprache überhaupt auch zum Schreiben gebraucht haben.

Chiampell prägt Geschichte

In den letzten Jahren seines Lebens, als er als Pfarrer in Tschlin wirkte, hat sich Durich Chiampell einer anderen grossen Aufgabe gewidmet.Er hat recherchiert und in lateinischer Sprache eine Chronik über die Bündner Gemeinden geschrieben, welche heute eine der wichtigsten Quellen der Bündner Geschichte überhaupt ist. Seine Chronik konnte Durich Chiampell vor seinem Tode im Jahr 1582 nicht veröffentlichen, und es ist eher ein Zufall, dass diese unserer Zeit erhalten blieb. Aber 1890 wurde diese dann wieder entdeckt und veröffentlicht. (bt)

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