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Vorhang auf für Maria de Buenos Aires

Die Proben für die Tango-Operita «Maria de Buenos Aires» am Theater Chur sind abgeschlossen. Das BT war dabei. Heute Abend geht die Premiere des Astor-Piazzolla-Werkes über die Bühne.

Südostschweiz
Mittwoch, 30. Mai 2012, 02:00 Uhr Theater Chur

Von Cornelius Raeber

Vereinzelt hallen Klavier- und Violinentöne durch das Theater, der Perkussionist sucht noch Töne auf dem Glockenspiel, und andere Musiker besprechen Details der Astor-Piazzolla-Komposition von 1968. Es ist das 676 Nuevo Tango Ensemble Bern, das sich auf die erste Probe mit der gesamten Besetzung einstimmt. Auf der Bühne tanzen derweil gesetzte Damen und Herren, wälzen sich am Boden und wiederholen einzelne Schrittfolgen. Als der künstlerische Leiter und Regisseur der «Maria de Buenos Aires»-Aufführung, Oliver Dähler, die Beteiligten begrüsst, plärren immer noch leise Stimmen aus einem Funkgerät – es herrscht das allgemeine, leicht hektische Vorbereitungsgewusel einer Probe. «Es dauert noch eine Minute, bis die Bühne bereit ist», sagt Dähler und bittet die Akteure um etwas Geduld.

Das Feilen an den Details

Endlich kann das Orchester loslegen. Mit prägnanter Körpersprache gibt Ensemble-Leiter und Bandoneonspieler Michael Zisman die Einsätze für Musiker und Schauspieler – im Halbdunkeln der Bühne hat Jaap Achterberg seinen ersten Auftritt als sprechender Schauspieler, «die definitive Ausleuchtung fehlt aber noch», flüstert Produktionsleiterin Corina Casanova. Nach dem ersten Bild werden die Einsätze besprochen, Achterberg verspricht: «Beim nächsten Mal wird es besser klappen.» Auch die Musiker wollen auf Nachfrage von Dähler noch Änderungen anbringen. «Darf ich etwas mehr Bandoneon auf meinem Monitor haben?» wünscht sich der Schlagzeuger, ein Wunsch, den der verantwortliche Tonmeister Phil Benesch umgehend erfüllt. Schon vor der Probe hat Benesch auf die heiklen akustischen Begebenheiten im Zusammenklang zwischen Orchester, Sänger und Sprechpassagen hingewiesen – von Schwierigkeiten ist allerdings nichts zu hören, der Sound ist schon beim ersten Zusammenspiel weitgehend ausgewogen und transparent.

Piazzolla-Spezialist Zisman

Mit einem Intro des Gitarristen beginnt das zweite Bild der Tango-Operita. Sängerin Aida Albert hat ihren ersten Auftritt als Maria de Buenos Aires, Dähler gibt Anweisungen, und Zisman wünscht sich eine Wiederholung ab Takt 89. Der erst 30-jährige Bandoneonspieler Zisman kennt die Piazzolla-Operita wie seine eigene Westentasche, hat er sie doch schon rund 50-mal aufgeführt. Der argentinisch-schweizerische Doppelbürger spielt in verschiedenen Tangoformationen und hat auch bei vielen Tango-Aufnahmen mit grossen Stars mitgewirkt.

Dementsprechend begeistert über die Zusammenarbeit mit den Zismans (auch Vater Daniel Zisman ist Orchestermitglied) gibt sich Sänger Jose Manzanero, ein Architekt aus Sils im Domleschg, der in der Operita die Rolle des Sängers übernimmt. «Ich kenne die Zismans schon viele Jahre», erzählt er in einer kurzen Probenpause und schwärmt von deren grossem Können. Er selbst habe die Rolle des Sängers schon vor vielen Jahren in Buenos Aires gesungen, erzählt er weiter und macht sich umgehend für den zweiten Probeteil bereit.

Aber nicht nur die Musiker machen sich bereit, auch die neun Tänzerinnen und fünf Tänzer gehen auf ihre Positionen. «Exzellent», lobt Dähler deren Einsatz. Die Laientänzer, alle 50 und älter, sind denn auch die heimlichen Stars der Aufführung. Mit ihrer Lebenserfahrung und ihrer Ausdrucksfähigkeit geben sie der Operita-Aufführung eine ganz besondere Note.

Premiere heute Mittwoch um 20 Uhr im Theater Chur. Weitere Vorstellungen am 1./2. und 3. Juni, jeweils um 20 Uhr im Theater Chur.

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