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Von einem, der auszog, um anzukommen

Der umtriebige Adrian Hirt aus Tschiertschen produziert Bündnerfleisch nach einem alten Familienrezept. Bis es so weit war, hat er die Welt bereist und wichtige Erfahrungen gesammelt.

Südostschweiz
Sonntag, 19. Oktober 2014, 02:00 Uhr

Adrian Hirt aus Tschiertschen produziert Bündnerfleisch nach dem Rezept von seinem Neni

Von Astrid Hüni

Australien, Jamaika, Kanada, London, Tschiertschen. Das ist nicht die Routen- beschreibung für eine abwechslungsreiche Erlebnisreise, nein, vielmehr sind es die beruflichen Stationen, die Adrian Hirt in seinem Leben schon abgeklappert hat. Der 30-Jährige ist vor wenigen Tagen mit seinem Unternehmen Alpenhirt auf den Markt gegangen. Alpenhirt stellt Bündnerfleisch her. Jungunternehmer Hirt trug sich schon seit einigen Jahren mit dem Gedanken, eine eigene Firma zu gründen und hochwertige Lebensmittel herzustellen: «Für Luxusgüter geben wir viel Geld aus, aber beim Essen wird gespart, wo es nur geht.»

<strong>Seine berufliche Laufbahn</strong> begann Hirt mit der Ausbildung zum Chemie- laboranten im kantonalen Labor für Lebensmittelkontrolle und Tiergesundheit in Chur. Danach hat er drei Jahre auf dem erlernten Beruf in der Pharmaindustrie gearbeitet. «Ich habe aber schon sehr früh gemerkt, dass dies nicht meine Welt ist», erklärt Hirt. Eine professionelle Laufbahnberatung habe ihm dann weitergeholfen und ihn zum Studium des Lebensmitteltechnologen an die Hochschule in Wädenswil geführt.

Während des Studiums zog es den jungen Mann aus dem Schanfigg aber noch weiter, hinaus in die weite Welt. Erste Station auf der Reise war Australien. «Da habe ich zum ersten Mal einen etwas anderen Eindruck vom Leben bekommen», erzählt der junge Mann. Und es war auch jene Zeit, in der die Entscheidung fiel, einen neuen Weg einzuschlagen. «Am anderen Ende der Welt merkte ich, wie wertvoll meine Heimat, meine Traditionen und das Bündnerfleisch von meinem Neni sind.» Damals in Australien habe er sich entschie- den, die traditionelle Art, Bündnerfleisch herzustellen, wie es ihn sein Neni schon seit Kindesbeinen an gelehrt hat, weiterzuführen.

<strong>Nach der Zeit in Australien</strong> ging es für Hirt weiter nach Kanada. Dort hat er auf einer grossen Rinderfarm gearbeitet und komplett andere Eindrücke eines bäuerlichen Alltags bekommen. «In Kanada war alles etwas grösser, die Herden, die Weiden und auch die Distanzen», sagt Hirt. Aber es sei auch eine unglaublich tolle Zeit gewesen, «ich habe reiten gelernt, ebenso wie ein Lasso zielgenau zu werfen». Der Jungunternehmer lacht heute herzhaft, wenn er an seine ganzen Reisejahre zurückdenkt. Erst mal auf den Geschmack gekommen, war das Reisefieber noch lange nicht abgeklungen. «Ich wollte weiter reisen und im Ausland berufliche Erfahrungen sammeln», erklärt Hirt. Er habe einfach an sämtliche Schweizer Botschaften in einem englischsprachigen Land eine E-Mail geschickt mit seinem Anliegen, im Ausland arbeiten zu wollen und so Erfahrungen zu sammeln. Schliesslich kam umgehend eine Antwort von der Schweizer Botschaft in Kingston, Jamaika, zurück. Darin hiess es, es gebe auf der Karibikinsel eine Metzgerei, die von einem Schweizer geführt werde, dort könne Hirt sich melden. «Und wie wenn es ein Wink mit dem Zaunpfahl gewesen wäre, hiess die Metzgerei Arosa», erzählt Hirt und lacht herzhaft.

<strong>Und so kam es,</strong> dass sich der Bündner für zweieinhalb Monate unter karibischer Sonne Erfahrungen erarbeitete. «Es war eine meiner erlebnisreichsten, wichtigsten, aber auch härtesten Erfahrungen bis dahin», so Hirt, «aber ich möchte die Zeit auf gar keinen Fall missen.» Mit so viel erlerntem Wissen, Erfahrungen und auch Plänen machte sich Hirt danach an die Planung seiner eigenen Firma Alpenhirt. Und diesen Schritt habe er noch keinen Moment bereut. «Ich habe noch nie so viel Spass an dem gehabt, was ich mache, wie heute.» Diese Euphorie gibt ihm die Kraft, auch lange, anstrengende Arbeitstage locker wegzustecken. Aber auch den Mut, neue Wege einzuschlagen.

<strong>Die Zutaten für</strong> das Alpenhirt-Bündnerfleisch sind einfach: regionales Fleisch, Bündner Luft und die geheime Gewürzmischung von Hirts Urneni. Und nicht zu vergessen Rotwein. Welcher genau es ist, ist aber ebenfalls ein gut gehütetes Geheimnis. Gemeinsam mit einer Lohnfleischtrocknerei können die wertvollen Fleischstücke danach in Ruhe reifen und ihr volles Aroma entwickeln. Auf Zusätze wie Pökelsalz verzichtet Hirt ganz bewusst. «Diese natürliche Art der Herstellung hat in unserer Familie immer funktioniert und war und ist Garantie für ein hochwertiges Produkt.»

Auch wenn der Neni heute nicht mehr selber Bündnerfleisch macht, so ist er doch unheimlich stolz auf den Enkel, der die Familientradition weiterträgt. «Denn ich bin überzeugt, dass es auch unsere Aufgabe ist, diese alten Traditionen in der Lebensmittelherstellung weiterzutragen und am Leben zu erhalten», sagt Hirt.

<strong>Dass er damit auch Erfolg</strong> hat, zeigt eine Einladung, die Hirt kürzlich nach London zum Schweizer Spitzenkoch Anton Mosimann geführt hat. Dem hochdekorierten Koch durfte Hirt «sein» Bündnerfleisch vorstellen, und er löste grosse Begeisterung bei Mosimann und seiner Küchenbrigade aus. «Es war ein unglaubliches Erlebnis», erzählt der Jungunternehmer. Dabei hat alles mit einem einfachen Mail von Tschiertschen nach London angefangen, in welchem Hirt Mosimann anfragte, ob er Interesse haben könnte. «Und sein Interresse war so gross, dass Mosimann anrief, um ein Treffen in seinem gleichnamigen Restaurant abzumachen.» Für den umtriebigen jungen Mann eine Aufforderung, die man ihm nicht zweimal machen musste. Und das Lob des Grandseigneurs der Schweizer Köche kommt für Hirt einem Ritterschlag der Queen gleich.

<strong>Die Erfolgsgeschichte</strong> geht auch in der Bündner Heimat für Hirt weiter. Er ist im Final der drei besten Bündner Jungunternehmen gelandet. Dort könnte er am 28. Oktober am Jungunternehmerforum zum Bündner Jungunternehmer 2014 gekürt werden.

Weitere Informationen und der Bündnerfleisch-Online-Shop unter www.alpenhirt.ch

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