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Vögtli: «Romanisch ist die einzige Sprache, die ich spüre»

Roland Vögtli ist Cha da Fö. Er gehört aber auch zur neu gegründeten Rockband Nau. Ob sanfte oder härtere Töne – gesungen wird stets auf Romanisch.

Südostschweiz
Sonntag, 25. März 2012, 01:00 Uhr

Von Fadrina Hofmann

Scuol/Chur. – Im Kinderzimmer aufzuwachen und als Erstes die morgendlichen Sonnenstrahlen durch das Fenster zu betrachten, an solchen Sachen kann sich Roland Vögtli erfreuen. Kürzlich war er ein paar Tage bei seiner Familie in Scuol und genoss diese friedliche Stimmung.

Friedliche Stimmung? Das klingt nicht gerade nach einem harten Rocker. Dabei ist Vögtli ein Rocker durch und durch. «Ich habe beide Seiten in mir, die sanfte und die kraftvolle», meint er. Das widerspiegelt sich auch in seiner Musik. Zum einen ist Vögtli Cha da Fö (Romanisch für Küche) und macht als Solokünstler «Küchenmusik», wie er selber sagt. Es handelt sich dabei um akustische, ruhige, ja beinahe zerbrechliche Musik, inspiriert von Folk und Blues. «Cha da Fö ist mein Baby, das mache ich für mein Ego», sagt er. Mit dieser «einfachen und ehrlichen» Musik möchte er zeigen, dass er nicht «nur» ein Rocker ist, obwohl er in Graubünden bisher vor allem als Gitarrist und Sänger der Rockband Andarojo bekannt war.

Andarojo gibt es seit einem Jahr nicht mehr. An ihre Stelle trat Nau – eine neue Rockband mit Mitgliedern, die alle in der einen oder anderen Form bereits bei Andarojo mitspielten. Nau ist alles andere als zerbrechlich. «Energetisch» nennt Vögtli diese Musik. Es ist purer Rock mit viel Synthesizer. Nau, das sind Roland Vögtli (Gesang und Bass), Johi Rauber (Gesang und Synthesizer), Patrick Capaul (Gitarre) und Thierry Schenk (Schlagzeug). Drei Bündner und ein Berner machen Powermusik, richtig «felsigen Rock» aus den Bergen. «Musica da testosteron», sagt Vögtli.

Verstärkung durch Produzent Kurt Ebelhäuser

Dabei legen die Musiker von Nau grossen Wert darauf, modernen Rock zu produzieren. «Wir holen uns die Inspiration aus 50 Jahren Rockmusik und machen daraus etwas, das Musik von heute ist», erklärt Vögtli. Die Lieder sollen frisch tönen, der Stil unverkennbar sein, so das Ziel der Band. «Wir wollen neue Farbe in die Rockszene Graubündens bringen», so Vögtli. Verstärkung dafür haben sich die vier Vollblutmusiker vom Produzenten Kurt Ebelhäuser vom Tonstudio 45 im westdeutschen Koblenz geholt. Der Produzent ist als Gitarrist der Band Blackmail ein Kenner der Rockszene. Er hat laut Vögtli den «Sound» von Nau regelrecht zerrissen und mit der Band wieder anders zusammengebaut. Nach zwei Wochen stand das erste Album von Nau – elf brandneue Stücke. Anfang dieses Monats fand in Chur die Plattentaufe statt.

Vögtli singt nur auf Romanisch – ob als Sänger von Nau oder als Cha da Fö. «Romanisch ist die einzige Sprache, die ich auch spüre. Das ist meine Muttersprache, alles andere bin ich nicht», begründet er diesen Entscheid. Auf Vallader singt er vom Alltag. Er singt darüber, nie den Kopf hängen zu lassen, stets wieder aufzustehen. Die Musik sei für ihn ein Ventil für Gefühle, zum Beispiel für das Heimweh, das ihn als Engadiner immer wieder überkomme. Dabei nimmt Vögtli kein Blatt vor den Mund, will authentisch sein und «die Melodie mit den richtigen Wörtern füllen». Mit Liedern Geschichten erzählen, das will Vögtli.

Bei Nau bastelt die ganze Band an den Liedern herum, bis sie reif sind. Bei Cha da Fö ist Vögtli frei, seine eigenen Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. «Wenn der Sänger es schafft, das Publikum zu berühren, dann ist dies das Grösste», meint er. Romanisch muss das Publikum dabei gar nicht können. Die Kombination von Stimme, Sound und Emotion, das mache eine Atmosphäre aus, so Vögtli.

Als Musikredaktor bei Radio Rumantsch geniesst Vögtli das Privileg, seine Leidenschaft auch im Beruf ausleben zu können. Abends und am Wochenende spielt er selber, schreibt Texte, organisiert Konzerte. Letzteres würde der Musiker gerne an einen Profi abgeben. «Einen Booker finden, bei einer Agentur unterkommen, das ist das nächste Ziel», sagt Vögtli.

Erste Erfolge auf nationaler Ebene

Nau hatten bisher erst zwei Probeauftritte, einen am Open Air Sper l’En bei Scuol im vergangenen Sommer und einen am letztjährigen Churer Fest. «Jetzt möchten wir in der Schweiz bekannter werden», verrät Vögtli. Den ersten Erfolg auf nationaler Ebene konnte Nau beim M4Music Contest verbuchen, dem Festival von Migros-Kulturprozent. Von 700 Bands kamen die Bündner unter die ersten zehn.

Auch als Cha da Fö hat Vögtli Erfolg. Anfang des Monats kam sein Lied «Cunfin» als neues Top Pop Rumantsch von Radio Rumantsch raus. Sein nächstes Ziel als Solokünstler ist klar: ein Album.

In der Reihe «Bands in Graubünden» werden in loser Folge junge Musiker und Musikerinnen aus dem Kanton vorgestellt.

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