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Vertrauen ist Kontrolle

Kennen Sie die obskuren Theorien über die Bilderberger, 9/11 oder Chemtrails? Vielleicht haben Verschwörungstheoretiker zu viel Krimis gelesen. Sie unterstellen doch tatsächlich ehrenwerten Menschen, Organisationen und Regierungen geheime, illegitime, ja bösartige Motive.

Südostschweiz
Sonntag, 21. August 2011, 02:00 Uhr Eva Roselt

Und behaupten auch noch, es ginge ihnen nur darum, nichtöffentliches und somit intransparentes Handeln verschiedenster Vereine zu entschlüsseln und offenzulegen. Ganz schön misstrauisch, diese Leute! Wo bleibt denn da das Vertrauen? So etwas führt in die Paranoia.

Wir sind uns doch sicher einig: Es gibt in unserer freien Gesellschaft keine geheimen Verschwörungen, schon gar nicht auf hoher Ebene in Wirtschaft oder Politik. Die finden wir ganz woanders: Zum Beispiel bei Osama Bin und seinen Mannen. Die haben sich nämlich gegen den Westen verschworen. Oder bei den chinesischen Triaden. Die morden und erpressen weltweit für ihren Profit. Aber bei uns? Nein doch! Okay, vielleicht die Mafia, Opus Dei oder die CIA. Oder gibts die nur in Romanen und Filmen?

Ich gebe zu, das ist nur die halbe Wahrheit. Denn so eine Verschwörung ist kein Hokuspokus. Schwuppdiwupp, schon ist sie da. Hier mobben ein paar Kollegen einen unliebsamen Mitarbeiter, da grenzt eine Dorfgemeinschaft Neuzuzügler systematisch aus. Es passiert überall, wo Menschen andere Menschen beherrschen wollen. Schon wenn wir uns zusammenrotten, um die Atomkraftwerke endlich loszuwerden, bilden wir eine verschworene Gemeinschaft. Solch schändliches Treiben muss natürlich verhindert werden. Denn erfolgreiche und ich betone erfolgreiche AKW-Gegner wären eine echte Bedrohung für unser Wirtschaftswachstum, die Atomlobby und die unterstützende Politik. Seien wir also froh, dass kaum noch über Fukushima oder Mühleberg informiert wird, und danken wir den Staatsapparaten, die uns nicht nur vor Kartellen, Insiderdeals, Lobbyismus, Korruption und Amtsmissbrauch schützen, sondern besonders effektiv auch vor uns selbst.

So unterhält beispielsweise das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport kostspielige Nachrichtendienste mit Buchstaben wie NDB, MND, MPAD oder ÜPF. Ja sogar einen Club de Berne gibt es, oder auch nicht. Was die dort tun? Spionieren, kontrollieren, aufklären. Ganz schön misstrauisch, diese Leute! Wo bleibt denn da das Vertrauen? Nun, auch ihnen sei ihre Paranoia gegönnt.

Eva Roselt arbeitet als freischaffende Auto- rin und Regisseurin für Film und Theater und lebt im Klettgau und in Tamins.

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