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Vanessa Kasper – ehrgeizig, athletisch und mental stark

Vanessa Kasper hat in diesem Frühjahr als einzige Ostschweizer Skirennfahrerin den Sprung ins C-Kader von Swiss-Ski geschafft. Ihr bisheriger Trainer Fritz Züger attestiert der 17-Jährigen aus Celerina mehr als «nur» grosses Talent.

Südostschweiz
Donnerstag, 08. Mai 2014, 02:00 Uhr

Von Jürg Sigel

Ski alpin. – Im Frühjahr 2013 war die Enttäuschung gross. Für Vanessa Kasper brach damals eine Welt zusammen. Sie hatte es knapp nicht ins C-Kader von Swiss-Ski geschafft. Dass sie sich als einzige Nicht-Swiss-Ski-Athletin die Teilnahme an den European Youth Olympic, der Jugend-Olympiade, erkämpft hatte, an dieser im Riesenslalom Fünfte und bei den Juniorinnen «Riesen»-Vize-Schweizer-Meisterin wurde, genügte nicht.

Deswegen unterkriegen liess sich das Skitalent vom SC Alpina St. Moritz allerdings nicht. Ein Jahr später und nach gewonnenem Riesenslalom-Gold an den Junioren-Schweizer-Meisterschaften sowie Rang 3 hinter den Weltcup-erprobten Jasmina Suter und Wendy Holdener bei den älteren Jahrgängen (Overallwertung) klappte es. Als einzige Athletin aus der Ostschweiz wurde Kasper, 17 Jahre jung, in diesem Frühling ins C-Kader berufen.

15 Paar Ski verbraucht

35 FIS- und ein Europacuprennen hat Kasper im Winter 2013/14 neben den Schweizer Meisterschaften bestritten. Zehn Podestplätze fuhr sie heraus, 15 Paar Ski verbrauchte sie, «in 40 verschiedenen Hotels habe ich übernachtet», sagt das Skitalent aus Celerina. «Parallel dazu absolviere ich die fünfte Klasse am Sportgymansium in Davos.» Bis jetzt gehörte Kasper dem Nationalen Leistungszentrum Ost an. «Bei uns war sie behütet, jetzt wird die Belastung bei gesamtschweizerischen Zusammenzügen grösser. Die nächste Stufe wird für Vanessa hart», sagt Fritz Züger. Der Bündner, der im Weltcup als Trainer mit diversen Athleten grosse Erfolge feiern konnte, trainierte Kasper bisher. Sie ist nicht die erste Athletin, die er in höhere Sphären katapultierte. Züger kennt Kasper gut genug, um sie beurteilen zu können. «Sie ist athletisch und mental stark, ehrgeizig und seriös», sagt Züger. «Sie verfügt zweifellos über das Talent, um es vor allem in ihrer Paradedisziplin, dem Riesenslalom, einmal ganz nach vorne zu schaffen.»

Nach oben geschafft hatte es früher Vanessas Vater Curdin Kasper. Er war Trainer von Langläufer Andi Grünenfelder, als dieser am 27. Februar 1988 im kanadischen Canmore in einem packenden Wettkampf über 50 Kilometer hinter Svan Gunde und Maurilio de Zolt Olympia-Bronze gewann. Der damals 28-jährige Grünenfelder holte an diesem Tag als erster Schweizer eine Langlaufmedaille bei den Männern seit den legendären Olympischen Spielen 1972 in Sapporo (Japan).

Nicht auf Vaters Spuren

Obwohl Ex-Nationalcoach Curdin Kasper seinem Sport treu geblieben ist und seit 1990 die exklusive Langlaufschule Celerina führt, wählte Tochter Vanessa den alpinen Skirennsport. Und steht sie gerade nicht im Schnee auf Ski, spielt sie Tennis, reitet, fährt Wasserski oder klettert. Vor allem auf dem Rücken von Pferden fühlt sie sich wohl.

Doch eine grosse Karriere machen kann sie auf den Skipisten. Vorerst wird sie noch nicht gross im Rampenlicht stehen. Vanessa Kasper, die unter anderen Lindsey Vonn und Bode Miller als ihre Vorbilder nennt, wird weiterhin FIS-Rennen bestreiten und versuchen, im Europacup Fuss zu fassen. Aber im alpinen Skirennsport kann man ganz schnell weiter oben eine Startgelegenheit erhalten. Vor allem, wenn man nicht nur Talent, sondern auch den nötigen Ehrgeiz mitbringt. Vanessa Kasper hat beides.

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