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Unsichtbar, aber unverzichtbar: Ammanns Mann fürs Mentale

Niemand kennt den Sportler Simon Ammann besser als Hanspeter Gubelmann. Seit 15 Jahren ist er so etwas wie der rote Faden in der Karriere des Ausnahmekönners.

Südostschweiz
Donnerstag, 06. Februar 2014, 01:00 Uhr

Von Rainer Sommerhalder

Skispringen. ? Hanspeter Gubelmann wundert sich. Er sitzt mit Athleten und Trainern in einem Teammeeting vor dem Saisonstart. Skisprung-Chef Berni Sch?dler referiert und pr?sentiert am Bildschirm eine grafische Darstellung der Organisation rund um die Springer, allen voran den doppelten Doppel-Olympiasieger Simon Ammann. Im Zentrum befinden sich die Sportler, darum herum gruppiert sind ? mehr oder weniger nahe beim Zentrum, mehr oder weniger gewichtig ? Trainer, Betreuer, Material, Familie, Mediziner und Skiverband. Nur einer fehlt in der Grafik: Hanspeter Gubelmann.

Erst ganz am Schluss, als es auf dem Bildschirm scheinbar keinen Platz mehr f?r neue Namen hat, blendet Sch?dler einen grossen, gelben Kreis ein, der alles ?berlagert, mit Ber?hrungspunkten zu s?mtlichen Bereichen. Er symbolisiert den Sportpsychologen Gubelmann. Viele Menschen wechselten in den letzten 15 Jahren rund ums Schweizer Skisprungteam, zwei blieben treu an ihrem Platz: Simon Ammann als Garant f?r sportlichen Erfolg, Hanspeter Gubelmann in seiner Rolle als Berater, Beobachter oder Beurteilender ? ?berall dort, wo ein mentaler Aspekt wirksam wird.

Schattenmann oder Schutzschild

?Weiss Simon Ammann eigentlich, was er dir zu verdanken hat??, wurde Gubelmann j?ngst von jemandem gefragt, der es einsch?tzen kann. Der Sportpsychologe darf sich dessen sicher sein. An die grosse Glocke h?ngen will er seinen Verdienst um die Ausnahmekarriere des Toggenburger Skispringers allerdings nicht. Das w?re nicht seine Aufgabe, das w?re nicht sein Stil.

Hanspeter Gubelmann ist kaum sichtbar. Der Erfolg und die grosse B?hne geh?ren den Athleten. Nur in Ausnahmesituationen dr?ngt er sich vor, quasi als Schutzschild, der in H?hen wie in Tiefen relativiert. Das war so 2002 in Salt Lake City, als der damals 20-j?hrige Ammann in einer Woche weltber?hmt wurde und alle etwas von ihm wollten. Das war so in den vier Jahren danach, als Ammanns Karriere Schr?glage erlitt, er an der Best?tigung des grossartigen Erfolges zu scheitern drohte. ?Damals ging es darum, dass sich jemand vor den Athleten stellt und einen Teil der Fragen und der Kritik auff?ngt. Wir hatten intern die Strategie besprochen, dass neben den Sportlern auch der Trainer aus der Schusslinie genommen werden soll. Deshalb trat ich h?ufig vor die Medien?, sagt Gubelmann r?ckblickend.

Auch in st?rmischen Zeiten

F?r ihn selber war die Zeit nach Ammanns erstem Doppelolympiasieg aufregend und kr?ftezehrend zugleich. Als Sportpsychologe ging es darum, das innere Feuer und die ?berzeugung bei Ammann am lodern zu halten. ?Leistung und Zufriedenheit sind die entscheidenden Komponenten, wie sich die Karriere eines Athleten entwickelt?, sagt Gubelmann und verweist darauf, dass Ammann die Leidenschaft f?rs Skispringen auch in schlechten Zeiten nie verloren hat. Und er sagt, dass er wohl einer der wenigen war, welche in dieser st?rmischen Zeit den Nerv und die Geduld gehabt h?tten, ?immer wieder mit dem Athleten zusammenzusitzen und immer wieder diesen Weg zu skizzieren?. Weil sich im Skispringen kein Schweizer Team f?r Sotschi qualifiziert hat und das Betreuerkontingent der Skispringer entsprechend kleiner ist, wird Hanspeter Gubelmann nicht an die russische Schwarzmeer-K?ste reisen. Der Sportpsychologe verfolgt die Wettk?mpfe entspannt vor dem Fernseher, denn er weiss: Simon Ammann hat dann l?ngst auf Autopilot umgestellt.

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