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«Um halb sechs hätte man vor dem Gewitter warnen sollen»

Ein Festzelt sei nicht für Windböen um die 100 Stundenkilometer gebaut, sagt Felix Baum vom Wetterdienst Meteonews. Und er kritisiert die späte Warnung durch Meteo Schweiz.

Südostschweiz
Samstag, 22. Juni 2013, 02:00 Uhr

Mit Felix Baum sprach Daniel Fuchs

Herr Baum, 76 Verletzte, darunter zwei schwer verletzte Personen, so die Bilanz. War die Heftigkeit vorhersehbar, mit der das Gewitter am Donnerstagabend über das Gelände des Eidgenössischen Turnfests gefegt ist?

Felix Baum: Kaum, denn die Vorwarnzeit war zu kurz. Es grenzt an ein Wunder, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist.

Schaut man sich Bilder und Videos an, kann man sich ungefähr vorstellen, mit welcher Wucht der Sturm das Gelände traf. Welche Spitzengeschwindigkeiten erreichten die Böen?

Wir gehen von Geschwindigkeiten um die 100 Stundenkilometer aus. Die aufgezeichneten Windstärken der Messstationen am Jurasüdfuss lassen in etwa auf diese Windstärke schliessen. Dazu muss man wissen, dass die Zerstörungskraft nicht stetig mit der Windgeschwindigkeit steigt.

Sondern?

Die Energie steigt exponentiell: die zunehmende Windgeschwindigkeit im Quadrat.

Augenzeugen berichten über Menschen, die durch die Luft geschleudert wurden, weil sie Zelte zu halten versuchten.

Da hat ein Mensch keine Chance. Ich gehe davon aus, dass ein Festzelt in etwa Windgeschwindigkeiten um die 60 bis 70 Stundenkilometern standhalten kann. Bei einem solchen Sturm bieten Zelte aber viel zu viel Angriffsfläche.

Das Turnfest wurde bereits zum zweiten Mal verwüstet. Ist Biel bekannt dafür, besonders oft von Sturmböen getroffen zu werden?

Bei der Eröffnungsfeier des Turnfests handelte es sich um Joran, einen altbekannten Fallwind von den Jurahöhen. Joran ist regelmässiger Gast am Jurasüdfuss, also auch in Biel. Er ist aber sehr unberechenbar: Moderat bietet Joran Seglern auf dem Bielersee beste Segeltörns. Er kann aber auch mit unglaublicher Kraft über Biel und den See fegen. Beim gestrigen Ereignis handelte es sich jedoch nicht um Joran, sondern um eine besonders heftige Gewitterzelle, die überall auftreten kann und deren Weg sich nicht genau vorhersagen lässt.

«Ein Mensch hat keine Chance»

Um halb sechs hätten die Meteorologen von Meteo Schweiz die Warnstufe nicht angehoben, sagt

Biel. – Beim Gewittersturm am Turnfest wurden nach ersten Erkenntnissen der Polizei insgesamt 76 Personen verletzt. Ein Mann und eine Frau schwer.

39 Personen seien von den Rettungskräften mit Ambulanzen in umliegende Spitäler gebracht worden. Weitere Verletzte seien selbstständig in Kliniken gegangen. Zeitweise hätten sich so bis zu 76 Personen in Spitälern befunden, schrieb die Berner Kantonspolizei in ihrer Mitteilung von gestern Nachmittag. Zu jenem Zeitpunkt waren demnach noch 15 Personen in fünf Spitälern in Pflege.

Die Kantonspolizei Bern hat nach eigenen Angaben Ermittlungen aufgenommen, um «die genauen Umstände der Ereignisse zu klären». So werde ge

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