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«Über sieben Brücken musst du geh’n …»

Der Churer Ingenieur Jürg Conzett und sein Büro haben bei Flims einen Wasserweg gebaut. Sieben Brücken gilt es zu überschreiten. Der «Trutg dil Flem» wird am Samstag eröffnet.

Südostschweiz
Donnerstag, 20. Juni 2013, 02:00 Uhr Streiflicht
«Über sieben Brücken musst du geh’n …»

Von Aline Tannò

Zwar nicht gerade sieben wie in Peter Mafays Jahrhundertlied, aber doch fünf Jahre dauerte die Arbeit am Flimser Wasserweg. «Es war eine traumhafte Aufgabe», berichtete der Churer Ingenieur Jürg Conzett, der mit dem Büro Conzett Bronzini Gartmann den Weg und die sieben Brücken konstruiert hat.

Initiator des «Trutg dil Flem» war Guido Casty, der sich bereits für die Aussichtsplattform «Mauersegler» eingesetzt hat. «Beide Projekte greifen nur minimal in die Landschaft ein, ermöglichen aber einen neuen Blick auf die Umgebung.» So auch die Brücken: Jene am Pilzfelsen erlaubt einen atemberaubenden Tiefblick auf den tosenden Fluss, der durch das enge Flussbett schlägt, während die Verweilbrücke die Sicht ins gewaltige Bergpanorama freigibt.

Der Flem führt durch das Gebiet, in dem sich vor 10 000 Jahren der gigantische Flimser Bergsturz ereignet hat. Teilweise führt der Fluss durch die Trümmer des Bergsturzes, teilweise über den nackten Felsen, der unter der Sturzmasse liegt. «Diese ganz verschiedenen Topografien wollten wir durch den Weg erlebbar machen», erklärte Conzett an der gestrigen Medienkonferenz.

Sommertourismus fördern

Das Konzept jeder Brücke ist situativ gewählt, eingepasst in die jeweiligen Bedingungen. Eine besondere Herausforderung war die Brücke am Pilzfelsen. «Der Schiefer bricht immer mal wieder ab. Die Brücke ist deshalb in Beton gegossen, damit sie diese Veränderungen unbeschadet übersteht.» Eine Besonderheit ist auch die oberste Brücke. Sie kann nicht immer begangen werden, denn im Sommer wird sie durch das Schmelzwasser überströmt. «Die haben wir so geplant, dass sie auch mal geputzt wird», scherzte Conzett, als er sich ins Wasser stellte.

Die Kosten des «Trutg dil Flem» betrugen laut Gemeindepräsident Adrian Steiger rund 700 000 Franken, der jährliche Unterhalt dürfte 50 000 bis 100 000 Franken betragen.

Mit dieser Investition erhofft sich die Gemeinde eine weitere Zielgruppe für den Sommertourismus zu gewinnen. Für die Bekanntheit des Wegs, der am Samstag eingeweiht wird, sollen das bibliophile Buch «Trutg dil Flem» von Wilfried Dechau und die Website www.trutg-dil-flem.ch sorgen. Zudem ist eine Ausstellung im Gelben Haus für den Winter angedacht.

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