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«Subventionen funktionieren wie Drogen»

«Subventionen funktionieren wie Drogen»

Der Verband Schweizer Medien stellt sich in einem neuen Buch gegen eine direkte Presseförderung durch den Bund. Helfen lassen wollen sich die Verleger nur indirekt.

Südostschweiz
17.06.14 - 02:00 Uhr

Von Dennis Bühler

Zürich. – Das Titelbild des Buches ziert ein Stapel Zeitungen, akkurat verschnürt und bereit für den Abtransport. Die Zeitungen wirken ungelesen, als kämen sie frisch aus der Druckerpresse – und dienen so als (unfreiwilliges?) Symbolbild für den Zustand der hiesigen Medienlandschaft: Seit der digitalen Revolution kurz vor der Jahrtausendwende hat sich die Mediennutzung stark verändert, immer grössere Teile der Bevölkerung informieren sich online statt auf Papier. Und vor allem: Gratis statt gegen Bezahlung. Die Auflagen der Zeitungen sind dementsprechend gesunken, mit ihnen die Anzeigenerlöse.

Von linker politischer Seite ist deshalb der Vorschlag laut geworden, die Medien vermehrt finanziell zu unterstützen. Der damalige Schaffhauser SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr forderte vor knapp einem Jahr direkte Subventionen für die Presse, wie sie bisher via Billag TV- und Radiostationen erhalten. Subventioniert werden sollten aber nicht alle Medien, sondern bloss jene Verlage, die keine publizistischen Gratisprodukte anbieten. Damit wolle die SP die «Unkultur der Gratismedien bekämpfen», wie Fehr sagte. Womit er, auf einen schwammigen Qualitätsbegriff abstellend, deutlich machte, dass die Vorschläge politisch motiviert waren.

Die Schweizer Verleger weisen das Ansinnen, Medien staatlich zu subventionieren, denn auch entschieden zurück, wie sie gestern in Zürich sagten. In einer Kunstgalerie stellte der Verband Schweizer Medien ein Buch vor, das «Standortbestimmung und medienpolitisches Manifest» in einem sein soll, wie die Direktorin Verena Vonarburg sagte. Eine freie Presse mit starken Medienhäusern brauche gute Rahmenbedingungen, sagte sie. «Subventionen aber machen träge und sind kontraproduktiv: Sie stärken die Medien nicht, sie disziplinieren sie.»

Der Presserat tanzt aus der Reihe

Im Buch findet Vonarburg noch deutlichere Worte: «Subventionen, das zeigt die Landwirtschaft, funktionieren wie Drogen. Einmal angefixt, kommt man nicht mehr los von ihnen.» Positiv bewertet wird hingegen die indirekte Presseförderung: Die verbilligte Postzustellung müsse beibehalten werden, fordert Vonarburg, und in Zukunft sollten auch E-Paper-Abos von einem tieferen Mehrwertsteueransatz profitieren. Für «ihre Rolle als Brückenbauerin zwischen den Sprachregionen» sei die Nachrichtenagentur SDA stärker zu unterstützen. Gefördert werden sollte ferner die Aus- und Weiterbildung von Medienschaffenden.

Das gemäss Hanspeter Lebrument, Präsident Schweizer Medien (und Verleger der «Südostschweiz»), erste gemeinsame Buch, das die Verleger in ihrer über 100-jährigen Geschichte herausgeben, gliedert sich in drei Teile. Im ersten Drittel äussern sich acht Persönlichkeiten aus der Branche zu medienpolitischen Fragen, darunter der Medienrechtler Urs Saxer, der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister und der Presserats-Präsident Dominique von Burg. Letzterer ist der einzige, der von der Verbandslinie abweicht und direkte Medienförderung nicht verteufelt: Von Burg propagiert die Schaffung eines Medienfonds, mit dessen Hilfe sich Redaktionen wieder vermehrt Artikel von freien Journalisten mit hoher Fachkompetenz leisten könnten, und die Zahlung von Einzelbeträgen an umfangreiche Recherchen.

Im zweiten Teil des Buches stellen zwölf Chefredaktoren und eine Chefredaktorin ihre jeweilige Zeitung oder Zeitschrift vor, im dritten Abschnitt werden Statistiken und Grafiken zur Schweizer Medienlandschaft präsentiert.

Unklar bleibt die Zielgruppe

Das Buch liefert zwar einen lesenswerten Überblick über Themen, die die Branche bewegen. Neue Erkenntnisse aber sind kaum zu finden. Unklar ist ferner die Zielgruppe: Richtet sich das Buch an ein breites Publikum, an Journalisten oder in erster Linie an Politiker der parlamentarischen Medienkommision, die bald über die Frage der Presseförderung zu entscheiden haben?

Fredy Greuter, Norbert Neininger (Hrsg.): «Medien und Öffentlichkeit – zwischen Symbiose und Ablehnung». NZZ Libro. 208 Seiten. 32 Franken.

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