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Sprung ins afrikanische Abenteuer

Nach knapp einem Jahr Vorbereitung ist es so weit: Tanja Eberle fliegt nach Tanzania. Die gelernte Krankenschwester ist zwar in Chur verwurzelt, doch zieht es sie nach Afrika.

Südostschweiz
28.12.11 - 01:00 Uhr

Von Sabine-Claudia Nold

Knapp 20 Jahre lebte und arbeitete Tanja Eberle aus dem Sarganserland in Chur – hier machte sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester, und im Kantonsspital arbeitete sie auf der Neurochirugie. Aber auch in der betreuten Churer Wohngruppe Oberfreifeld und in der Klinik Sankt Pirminsberg in Pfäfers war sie tätig – und im Unterengadin freuten sich die Menschen, wenn sie im Auftrag der Spitex vorbeikam.

Nach siebenjähriger Arbeit als Gründerin eines Projekts in Ungarn, das die Verbesserung der Lebensverhältnisse der ansässigen Bevölkerung durch die Schaffung eines natürlichen Lebensraums zum Ziel hat, zieht es Eberle weiter: an die Ostküste Afrikas, nach Tanzania, ans südliche Ufer des Viktoriasees.

Mit 43 Kilogramm Gepäck

«Im Moment ist ausschliesslich Packen angesagt», verrät Eberle. 43 Kilogramm dürfe sie mitnehmen. «Davon sind 38 Kilogramm bereits gepackt.» Jedes Stück, das in den Koffer kommt, wird abgewogen. «Auf keinen Fall nehme ich etwas mit, das Abfall produziert», betont Eberle. Sicher kämen Fachbücher und ein Moskitonetz mit; Lavendelseife, Myrrheöl, ein Solarthermometer, gute Schuhe, die Flöte mit Noten – und Saatgut. «Zum Glück hatte ein Geschäft in der Bahnhofspassage Saatgut im Verkauf. Im Dezember ist es gar nicht so einfach, welches zu bekommen», meint die Krankenschwester mit einem Augenzwinkern.

Kleider werde sie sich in Afrika besorgen. Wegen der gefürchte- ten Anopheles-Stechmücke, der Überträgerin der Malaria, werde es lange, helle Kleidung sein. «Mein Arzt meinte, ich solle 50 Liter Antibrumm mitnehmen, um mich vor den Mücken zu schützen», meint Eberle mit einem Lächeln, aber mit ernster Stimme. Ernst ist die Lage denn auch in der Region Mwanza, in der Ebele arbeiten wird: Nebst HIV ist Malaria eines der grössten Gesundheitsprobleme der Bevölkerung.

Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Partnerorganisation Mwanza Rural Housing Programme (MRHP), die sich seit über 20 Jahren für die Entwicklung und Förderung von unterprivilegierten Menschen einsetzt, wird Eberle als Gesundheitsfachfrau tätig sein.

«Schlagwortartig lässt sich mein Arbeitsfeld in die Bereiche Hygiene, HIV-Bewusstsein und Ernährung einteilen», erklärt die Krankenschwester. Besonders Kinder litten unter Durchfall, weil die Wasserqualität sehr schlecht sei. «Alles Wasser muss abgekocht werden», betont Eberle. Ausgewogene Ernährung und Gartenbau seien weitere Themen, bei denen sie aber mit einem Agronomen zusammenarbeiten werde.

Tabuthemen ansprechen

Ein wesentlicher Punkt sei die Sensibilisierung im Umgang mit dem Tabuthema HIV und Aidskranke. «Gerade weil ich drei Jahre dort sein werde, wird es hoffentlich möglich sein, ein Vertrauensverhältnis mit den Menschen aufzubauen, das auch das Angehen schwieriger und heikler Themen ermöglicht», hofft Eberle. Aufgrund von Erfahrungen anderer Interteam-Fachleute darf sie aber erwarten, mit offenen Armen aufgenommen zu werden.

Eine bescheidene Bleibe

Ein langer Weg liegt hinter der zierlichen Krankenschwester, die am 3. Januar das Flugzeug besteigen wird: Auswahlverfahren und Vorbereitungskurse dauerten fast ein Jahr. Und die Schulung ist noch nicht zu Ende – die ersten zwei Monate wird Eberle intensiv Swahili lernen, die Landessprache Tanzanias, die nebst Englisch von fast allen Menschen verstanden wird. Erst dann wird es zu ihrer bescheidenen Bleibe auf dem Land gehen: eine Hütte ohne Toilette und ein kleines Stück Garten.

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