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Sieber: «Ich mache die anderen Sachen»

Drei Spieler des HC Davos befinden sich momentan auf der Lenzerheide im Trainingscamp der U20-Nationalmannschaft. Stürmer Lukas Sieber ist der Jüngste. Der Rheintaler hofft dennoch, den letzten Cut vor der WM zu überstehen.

Südostschweiz
Donnerstag, 13. Dezember 2012, 01:00 Uhr

Von Kristian Kapp

Eishockey. – Lukas Sieber war letzte Saison der «Shooting-Star» des HC Davos. Mit dem damals 17-jährigen jungen Rheintaler aus Widnau hatte nun niemand gerechnet, er selbst wohl mit eingerechnet. Sieber übersprang die Juniorenstufe und durfte von den Novizen direkt ins NLA-Team nachrücken. Und dort blieb er, inklusive Spengler Cup und Play-offs, bis Saisonende. Es war die bislang schönste Zeit in der noch jungen Karriere Siebers. Doch er weiss, dass die letzte Saison für ihn nicht einfach «normal» war: «Ich profitierte von dem grossen Verletzungspech im NLA-Team, also von einer Ausnahmesituation», sagt Sieber. Er habe schon vor dem Ende der letzten Saison gewusst, dass er die nächste bei den HCD-Junioren beginnen würde.

Verschiedene Aufgaben

Und so fand sich Sieber in einer neuen Rolle wieder – in einer für sein Alter eigentlich normalen, nach den Erlebnissen der letzten Saison aber dennoch ungewohnten Rolle: «Ich musste bei den Junioren eine Leaderrolle übernehmen.» Trainer René Müller sei sehr fordernd, davon habe er aber auch profitiert, sagt Sieber. Viele würden nur die harte Seite seines Trainers sehen, es gebe aber auch jene, die für Aussenstehende verborgen bleibe: «Er redet auch viel mit uns, kommt auf uns zu.» Zu den Führungsaufgaben gehört auch das Meistern von Spielsituationen, in denen Sieber in der NLA noch nicht zum Zuge kommt: Powerplay und Boxplay.

Als vor drei Wochen die Verletzungsmisere beim HC Davos erneut zu gross wurde, fand sich Sieber plötzlich bei den Profis wieder. Die Aufgaben von Headcoach Arno Del Curto waren andere: «Tempo machen, forechecken, Pucks in den Ecken ausgraben. Die Sachen, die meine Stärken sind», sagt Sieber. Er sei da nicht der Spieler, der den Match reissen und die Tore schiessen müsse. Dass ihm dies in den letzten sechs Spielen aber dennoch gleich zweimal gelang, freute ihn: «Es ist schön, wenn einmal ein Puck ins Tor geht und ich auch so dem Team helfen kann.» Mit Flügelstürmer Sven Ryser und Center Sandro Rizzi bildete er eine Weile lang eine richtig gute «Energielinie», die durch die Verletzung des HCD-Captains jäh auseinandergerissen wurde. Sieber: «Das war wirklich schade. Wir taten, was wir mussten: forechecken. Der Rest kam automatisch. Und mit einem Center wie Rizzi neben dir hast du auch keine Defensivsorgen.» Sieber geniesst die Zeit im NLA-Team, er weiss aber auch, dass sie erneut temporär ist: «Wenn die Verletzten zurückkommen, werde ich wieder bei den Junioren spielen.»

Cut schaffen – oder «Trostprogramm»

Zuvor will Sieber aber seine Feuertaufe an einer U20-WM geben. Mit der höchsten Juniorenauswahl des Landes bestritt er im November bereits ein Turnier in Kanada, jetzt hofft er auf mehr. «Es wird aber eng», weiss er. Im Trainingslager auf der Lenzerheide seien viele gute Stürmer. «Es sind vor allem viele gute Techniker und Skorer. Das bin ich beides nicht. Ich mache die anderen Sachen.» Immerhin: U20-Nationaltrainer Colin Muller lobte ihn nach dem Turnier in Nova Scotia für sein Tempo und seine Spielintensität. Doch ob das reicht? Erst nächsten Mittwoch, wenn das Team nach Ufa in Russland fliegt und der letzte Cut Tatsache ist, wird Sieber wissen, ob er dabei ist oder nicht.

Für den 18-jährigen Gymnasiasten an der Sportmittelschule Davos steht bei einer Nichtteilnahme in Ufa das «Trostprogramm» ansonsten bereits fest: Der Spengler Cup 2012 könnte dank des Lockout der bestbesetzte aller Zeiten werden. Sieber geht zwar nicht davon aus, erneut zum Turnierkader des HC Davos zu gehören: «Aber mit all den Stars wäre es bereits cool, als Zuschauer dabei zu sein.»

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