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«Schuhlöffel» statt «Shitstorm»

105 Vorschläge, ein Sieger: Die Radio-Rumantsch- Hörer kürten gestern «arsuc» (Schuhlöffel) zum romanischen Wort des Jahres.

Südostschweiz
Donnerstag, 13. Dezember 2012, 01:00 Uhr Streiflicht

Von Sabrina Bundi

Waren es in den letzten Jahren vor allem niedliche Wörter wie «gnochergnar» (kuscheln) oder «tgutglar» (herumalbern), die zum romanischen Wort des Jahres gekürt wurden, schaffte es heuer die Bezeichnung für einen alltäglichen Gebrauchsgegenstand zum Sieg.

Der «Schuhlöffel» gehört für viele Romanen – wie «Lift», «Bohrmaschine» oder «aber» – in die Kategorie «auf Deutsch gängiger». Vielleicht wird sich der «arsuc» mit der Wahl zum romanischen Wort des Jahres wieder im aktiven Wortschatz der Romanen manifestieren können.

Eine vierköpfige Jury bestehend aus Marga Secchi (Dicziunari Rumantsch Grischun), Silvana Derungs (Uniun per la litteratura Rumantscha), Guadench Dazzi (RTR) und Daniel Telli (Lia Rumantscha) liess – von insgesamt 105 Vorschlägen – ausserdem die Wortneuschöpfungen «Tschappategn» (Griff) und «Nadalisar» (verweihnachtlichen) in das Rennen ziehen. Den Schlussentscheid fällten die Radiohörer per Telefonvoting.

Den ganzen Tag romanisch

Radio Rumantsch nutzte mit der Fahndung nach dem beliebtesten, grässlichsten oder interessantesten Wort zudem die Gelegenheit, einen musikalisch vollkommen romanischen Tag zu schaffen. Von morgens 6 Uhr, bis abends 22 Uhr verliess (mit einzelnen wenigen Ausnahmen), kein einziges nicht-romanisches Lied die Sendezentrale.

Und ja, es gibt durchaus genügend romanische Musik, um 16 Stunden zu füllen. Es gäbe sogar noch viel mehr, denn Chormusik wurde gestern keine gespielt. «Wir haben uns mehr auf einzelne Künstler konzentriert, die sonst nicht in unserem täglichen Musikprofil zu hören sind», erklärt Projektleiter René Spescha.

Neben dem gängigen Programm zeugten auch Sondersendungen zum Thema «Musik und Wort» von der Kreativität der romanischen Sprache. Flurin Caviezel beispielsweise erhielt zu jeder vollen Stunde die Aufgabe, ein romanisches Lied wie zum Beispiel «da cumpignia» der Furbaz, neu zu erfinden. Nicht ganz so einfach war es, den Rap-Song «Siemis» der Liricas Analas umzumodeln. Kurzerhand kam ihm Roman Flepp von den Liricas persönlich zu Hilfe und übernahm den Rap-Part. Doch Flepp war nicht zufälligerweise im RTR-Stadthaus-Labyrinth unterwegs, sondern setzte sich zusammen mit dem Engadiner Autor Göri Klainguti ans Mikrofon, um über gesprochene und geschriebene Geschichten zu plaudern.

Weitere Diskussionspaare bildeten Men Steiner und Eva Riedi. Alexi Nay und Benedetto Vigne.

Die Diskussionen können auf www.rtr.ch noch einmal gehört werden.

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