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Sanierung Prau la Selva mit oder ohne Eishalle?

Das 30 Jahre alte Sport- zentrum Prau la Selva in Flims soll saniert werden: Der Flimser Gemeindevorstand muss nun entscheiden, welche Variante er dem Volk zur Urnenabstimmung vorlegen will – mit oder ohne Eishalle.

Südostschweiz
Mittwoch, 27. März 2013, 01:00 Uhr Flims

Von Sabrina Bundi

Die Eissportvereine möchten ihr Eis ganzjährig unter dem Dach der Sporthalle Prau la Selva in Flims behalten, die Touristiker wollen aus Prau la Selva ein innovatives Familiensportzentrum mit neuen Sport-attraktionen für Biker und Kletterer schaffen. Am Montagabend wurde den Flimsern an einer Infoveranstaltung das Sanierungsprojekt zum ersten Mal vorgestellt – in zwei Varianten, mit oder ohne bereits bestehender Eishalle (siehe Kasten links). Das Volk wird aber nicht an der Urne zwischen diesen beiden Varianten wählen können, denn zuerst sind die sieben Mitglieder des Gemeindevorstands am Zug. Sie wägen momentan in einer zweitägigen Klausur Finanzierung und Durchführung der Projekte ab und beschliessen dann, über welche Variante die Stimmbürgerschaft abstimmen soll.

Innovation versus Tradition

An der von rund 400 Personen besuchten Informationsveranstaltung haben in sehr ausgewogener Weise die Pro- und Kontra-Stimmen ihre Meinung kundgetan. Gemeinderat Reto Durisch fasst zusammen: «Die wirtschaftlichen Argumente für eine Neuausrichtung sind bei den Anwesenden sehr gut angekommen. Auch die Einzigartigkeit des Projekts hat viele überzeugt. Andererseits gab es auch emotionale Einwände der Eissportverbände, die wir ernst nehmen müssen.» Für die Interessensgemeinschaft Prau la Selva Grund genug, um für den Erhalt der Kunsteisbahn einzustehen. Deren Vertreter Hans Peter Meiler erklärt: «Wir müssen Prau la Selva unbedingt mehr aktivieren, aber nur mit Beibehaltung der Eishalle.» Meiler setzt auf Tradition: «Eishockey wird seit über 100 Jahren gespielt, das Biken in einer Halle wäre nur ein vorübergehender Trend, wie beispielsweise Tennis.» Würden die Aussenanlagen saniert, könnte Prau la Selva durchaus mehr Leben eingehaucht werden. Wobei es jetzt schon lebendig sei, wie Meiler weiter ausführt: «Im Sommer führen wir beispielsweise Eislaufcamps durch mit Gästen aus aller Welt. Diese bringen etwa 18 000 Logiernächte innerhalb von sechs Wochen nach Flims.»

Trotzdem: Das Kunsteis ist defizitär. Die Gemeinde Flims schreibt mit der jetzigen Halle jährlich ein Defizit von 250 000 Franken. Die Betriebs- und Energiekosten sind im Vergleich mit der geringen Belegung zu hoch. Die Vorteile der Innovation präsentierte am Montag das Projektteam zur Neuausrichtung. Dieses hat sich zur Vorbereitung mit Studien zum Sportverhalten der Schweizer beschäftigt: Biken steht an oberster Stelle. Neben der Stärkung des Sommertourismus durch eine Vielfalt an (selbsttragenden) Sportangeboten für jedes Alter «soll den Gästen vor allem eine attraktive Schlechtwetteralternative geboten werden», sagt Marc Woodtli von der Weisse Arena Gruppe. Ein weiterer Grund für eine Neuausrichtung ist ausserdem, dass sämtliche Leichtathletik-Angebote in der jetzigen Halle in einem unbrauchbaren Zustand sind.

Etwa gleich teuer

Kostentechnisch gesehen scheinen auf den ersten Blick beide Renovationsvorhaben etwa gleich teuer. Die Neuausrichtung würde 14,8 Millionen Franken kosten, die Sanierung der bestehenden Halle 13,2 Millionen. Wie Woodtli erklärt, sind die grössten Investitionen in beiden Fällen bei der 30 Jahre alten Halle auszurichten. «Wenn die Halle zum Familienzentrum umgebaut wird, braucht es beispielsweise eine gescheite Wärmedämmung, die auch dem Energiegesetz entspricht.» Sollte die Eishalle eine Eishalle bleiben, müsse zwar nicht neu isoliert werden, allerdings müsse dann die ganze Eisanlage inklusive Kältetechnik und Kältesystem, Lüftungstechnik, Garderobe und Restaurant ersetzt und ausgebessert werden. «Ausserdem wird immer noch Ammoniak als Kühlmittel benutzt, und das muss dringend ausgetauscht werden.» Diese Zahlen will die Interessensgemeinschaft noch einmal genau unter die Lupe nehmen, Meiler ist nämlich der Ansicht: «Die Halle ist immer noch in einem sehr guten Zustand und muss in den nächsten fünf bis acht Jahren nicht saniert werden.»

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