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Sanierung Kloster St. Avgin

Arth Grosse internationale Anerkennung für die Arther Klostersanierung: Elena Jakob und ihr Team werden für ihr Projekt ausgezeichnet.

Südostschweiz
Samstag, 04. Oktober 2014, 02:00 Uhr

Projektnad. Das ehemalige Arther Kapuzinerkloster St. Zeno wird seit 1996 als geistiges und kulturelles Zent­rum der syrisch-orthodoxen Gemeinschaft Schweiz und Österreich genutzt. Das Kloster St. Avgin (aramäisch für St. Eugen, wie es seit der Übergabe heisst) ist ein Begegnungsort für die Gemeinschaft. Im Kloster wohnen ständig zwei bis drei syrisch-orthodoxe Mönche, zwei Nonnen und der Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien. Das Kloster ist auch ein Ort der Bildung: Jugendliche aus ganz Europa werden über die Ferienzeit unter anderem in der aramäischen Sprache und Liturgie unterrichtet, und Erwachsene aus aller Welt tauschen sich in Weiterbildungen und Seminaren aus.

Stark baufälliges Gebäude

Die 1682 erbauten Klostermauern waren dringend sanierungsbedürftig, doch die notwendige Sanierung überstieg die eigenen Möglichkeiten des Klosters bei Weitem. Es brauchte das Engagement anderer an der Erhaltung der Klosteranlage interessierter Persönlichkeiten. So erhielt die Antioch-Stiftung vor sieben Jahren die nötige Unterstützung eines Projektteams rund um alt Kantonsrätin und Architektin Elena Jakob.

Dritte Etappe fast gescheitert

In einer ersten Etappe wurden Sofortmassnahmen wie Isolierung und Ausbau des Dachstocks, Sanierung der Kellerräume und Ersatz der Fenster vorgenommen. Die zweite Etappe galt der umfassenden Gebäudesanierung: Die ganze Haustechnik sowie das gesamte Obergeschoss wurden im denkmalpflegerischen Sinn saniert, der Kreuzgang wurde wegen Feuchtigkeits- und Entwässerungsproblemen ebenfalls saniert.

Die dritte Etappe stand auf wackligen Beinen: Nur schwer konnten die nötigen finanziellen Mittel aufgebracht werden. Dank dem Einsatz des Projektteams wurde aber auch diese Hürde genommen, und so wurde in diesem Frühjahr der Selbstversorger-Garten fertiggestellt und im Juli dann auch noch die Klostermauer saniert. Am 2. November kann das Projekt abgeschlossen und an die Eigentümerin übergeben werden.

Nadine Annen

Im Rahmen eines Weltkongresses fand die Preisverleihung des Achievement Awards diese Woche in Rotterdam statt. Das Projekt «Sanierung Kloster St. Avgin» war in der Kategorie Gemeinwohl/Umweltprojekte nominiert. Die nominierten Projekte mussten unter anderem mit Idee, Umsetzung/Organisation, Finanzierung und Erfolg überzeugen.

Hans Knöpfel, Delegierter und ehemaliger Vorgesetzter der Projektleiterin Elena Jakob, hat die Wettbewerbsverantwortlichen auf die Sanierung des Arther Klosters aufmerksam gemacht: «Nachdem die Organisatoren Broschüren und Schlussbericht des Projekts gesehen hatten, wurde ich angefragt, eine offizielle Bewerbung einzureichen», erinnert sich Jakob.

Grosse Wertschätzung

Am Dienstagabend durfte Jakob in Rotterdam den Golden Award entgegennehmen: «Damit hätte ich nie gerechnet», meint Jakob. Es sei sowohl eine schöne Anerkennung für das Kloster und die Stiftung als auch eine Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit des ganzen Projektteams, freut sich die Gesamtprojektleiterin.

Was die Jury überzeugt hat, kann Jakob nicht genau sagen, sie mutmasst aber, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit, der organisatorische Aufbau und die selbst bewältigte Finanzierung in die positive Bewertung eingeflossen seien. Da es sich um die Pflege von Kulturerbe handle und die Sanierung einer ganzen Gemeinschaft zugutekomme, erfülle das Projekt die Hauptanforderung der Kategorie, die Projekte auszeichnet, die dem Allgemeinwohl oder der Umwelt dienen.

Was Jakob ausserdem besonders freut, ist, dass sich das kleine Projekt gegen Milliardenprojekte durchsetzen konnte und international Anerkennung findet: «Die Jury sieht die Arbeit hinter so einem Projekt», meint Jakob. «Die Idee, wie man etwas aufbaut, entwickelt, dranbleibt und die Leute motiviert, ist bei einem 6,5-Millionen-Projekt genau gleich wie bei einem 70-Millionen-Projekt», erklärt sie. Ausserdem mussten sie die 6,5 Millionen von null an selber organisieren: «Für die Finanzierung mussten wir besonders hart kämpfen. Bei grösseren Projekten steht eine Firma oder gar der Staat dahinter, und man hat ein bestimmtes Grundbudget», erläutert Jakob die grosse Herausforderung, die sie im Gegensatz zu vielen internationalen Konkurrenz-Projekten zu bewältigen hatte.

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