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San Bernardino ist bis auf Weiteres kein Skiort mehr

San Bernardino blickt in eine ungewisse touristische Zukunft. Potenzielle Investoren sind abgesprungen, und der Neubau der Bergbahnanlagen rückt in weite Ferne. Als Folge davon bleibt das Skigebiet die zweite Saison in Folge geschlossen.

Südostschweiz
Freitag, 22. November 2013, 01:00 Uhr

Von Stefan Bisculm

San Bernardino. – Im letzten Winter brachen die Übernachtungszahlen in San Bernardino um rund die Hälfte ein. Schuld daran waren die veralteten Skianlagen, die aufgrund unterlassener Sanierungsarbeiten zum Stillstand kamen. An dieser Ausgangslage hat sich über den Sommer nichts verändert. «Die Skilifte bleiben definitiv auch in der kommenden Wintersaison geschlossen», sagt Gemeindepräsident Christian de Tann. Und wie stehen die Chancen für eine Wiedereröffnung in der nächsten Saison? «Dazu kann ich nichts sagen.»

100 Millionen wären nötig

San Bernardino ist – oder vielmehr war – aufgrund seiner Lage vor allem bei Tessinern ein beliebter Wintersportort. Trotzdem ist das Dorf seit den Neunzigerjahren aufgrund fehlender Investitionen ein touristisches Sorgenkind. Die Verantwortlichen vor Ort haben die Zeichen der Zeit erkannt. Zusammen mit dem Amt für Wirtschaft und Tourismus hat die Gemeinde Mesocco einen touristischen Masterplan ausgearbeitet. Investitionen zwischen 80 und 100 Millionen Franken wären demnach nötig, um den Tourismusort San Bernardino wieder wachzuküssen.

Die Gemeinde hatte bereits eine Investorengruppe an der Angel. Diese ist jedoch schon wieder abgesprungen, wie Giorgio Cereghetti, Kanzlist der Gemeinde Mesocco, sagt. Gemeinde, Bürgergemeinde und Investoren wurden sich über verschiedene Modalitäten nicht einig. Wie die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete, herrschte Unklarheit darüber, wie viel Land die Bürger- und die politische Gemeinde zur Verfügung stellen sollte. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative war ebenfalls ein Dämpfer. Schliesslich wären über die Hälfte der tausend zusätzlichen Betten in Zweitwohnungen gestanden. Diese hätten das Grossprojekt wesentlich mitfinanziert.

Gemeinde zögert mit dem Kauf

Weil der touristische Masterplan mangels Investoren also vorerst ein Papiertiger bleibt, zögert auch die Gemeinde mit dem Kauf der stillstehenden Skiliftanlagen. Die Besitzerfamilie Ghezzi aus dem Tessin würde die Anlagen, deren Wert auf rund sechs Millionen Franken geschätzt wird, eigentlich gerne verkaufen. Um sie im kommenden Winter in Betrieb zu nehmen, wäre eine kurzfristige Sanierung für rund eine halbe Million Franken nötig gewesen. Ein schlechtes Geschäft. Denn die Anlagen sind so marode, dass sie in den kommenden Jahren ohnehin rundum erneuert werden müssen – für insgesamt 30 bis 40 Millionen Franken.

Besitzerfamilie Ghezzi wehrt sich

Obwohl es die Familie Ghezzi war, welche die Skianlagen verlottern liess, will diese nicht die Verantwortung für den zweiten Winter ohne Skisport in San Bernardino übernehmen. In einer ausführlichen Medienmitteilung schreibt die Familie Ghezzi, sie habe seit den Achtzigerjahren alle Investitionen in die Skianlage ohne Zuschüsse seitens der Gemeinde oder des Kantons getätigt. Wie die Besitzerfamilie weiter ausführt, wäre sie auch zu einer Inbetriebnahme der Anlagen für die nächste und übernächste Saison bereit gewesen, vorausgesetzt, die Gemeinde hätte einen Teil des Defizits beglichen. Doch die Verhandlungen im Sommer dauerten zu lange und das Zeitfenster für eine kurzfristige Sanierung ging wieder zu. Für Cereghetti ist dies bei der aktuellen Ausgangslage aber kein grosser Verlust. «Es hat keinen grossen Wert, kosmetische Verbesserungen vorzunehmen. Wir sollten das Geld lieber sparen und etwas Neues bauen.»

Bis dahin können Wintertouristen in San Bernardino immerhin auf die Langlaufloipen, die Kunsteisbahn, die Schlittelpiste und den Kinderskilift im Dorf ausweichen. Die Grossen müssen halt per Shuttle-Bus nach Splügen zum Skifahren.

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