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Romanisch lernen ist beliebt

Die romanische Sprache stösst auf grosses Interesse. Die Intensiv-Kurse für Romanisch-Interessierte, die letzte Woche in Sta. Maria statt- fanden, waren ausgebucht.

Südostschweiz
11.10.10 - 02:00 Uhr
Zeitung

Von Jürgen Pfister

Sta. Maria. – «Allegra, co vaja, a revair» – in der Schule in Sta. Maria in der Val Müstair hallt Romanisch durch die Gänge. Die Schülerinnen und Schüler haben Ferien, für einmal sind es Erwachsene, die mal wieder die Schulbank drücken und Vokabeln büffeln. Die verschiedenen Intensiv-Kurse sind ausgebucht, 50 Teilnehmer wagen sich an die romanische Sprache – mehr oder weniger elegant. Manchmal hapert es an der Aussprache, dann fehlen wieder Vokabeln und die Ausnahmen von den Ausnahmen in der Grammatik bringen so einige zum Schwitzen.

«Eine melodische Sprache»

Die Kursteilnehmer kommen aus dem Unterland, aus Deutschland, aus dem Engadin. Nur wenige brauchen die Sprachkenntnisse beruflich, die Mehrheit setzt sich aus Spass mit der fremden Sprache auseinander. «Sie ist melodisch, und ich wollte sie schon immer mal lernen», meint Roga. Jetzt, nach ihrer Pensionierung, hat sie Zeit dazu und sitzt mit sieben anderen in der Anfänger-Klasse von Diana Vital.Mit modernen Unterrichtsmethoden und noch mehr Geduld korrigiert Diana Fehler. Sie hat Verständnis, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt. «Das Romanische ist nicht einfach.» Brigitte muss ihr wohl oder übel recht geben. Sie, die Italienisch und Französisch versteht, kann sich manches aus diesen Sprachen erschliessen – doch reden ist wieder eine andere Sache. Es ist die Sprachmelodie, die den Briten John manchmal fast zur Verzweiflung treibt. Doch auch er kämpft sich tapfer durch die Stunden.

Mehr als «Folklore»

Es ist ein intensives Programm. Vormittags von Viertel nach neun bis zwölf Uhr und nachmittags noch einmal zweieinhalb Stunden. Da ist Abwechslung im Programm eine willkommene Ablenkung. Mal kann man sich einer von der Biosfera kostenlos angebotenen Wanderung entlang des Rom anschliessen, und ein Romanisch-Abend in der Kulturburg in Fuldera steht ebenso auf dem Programm wie eine Führung durch das kleinste Spital der Schweiz in Sta. Maria.Mario Pult von der Lia Rumantscha, die diese Kurse anbietet, ist überwältigt von der Resonanz. «Noch nie hatten wir so viele Anmeldungen», freut er sich über die grosse Zahl an Teilnehmern. Dies zeige, dass die romanische Sprache mehr sei als «Folklore», als was sie unlängst von Andreas Wieland, CEO der Bonaduzer Hamilton AG, bezeichnet worden sei. Die Sprache hat Tradition – eine Tatsache, über die sich alle Kursteilnehmer einig sind.

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