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«Ohne Ja zum TAG gibts keine Olympischen Spiele»

Sollten die Stimmberechtigten am 25. November Nein zum Tourismusabgabegesetz sagen, sind die Bündner Olympia-träume gestorben. Davon ist Gewerbedirektor Jürg Michel überzeugt. Er appelliert deshalb an die Solidarität.

Südostschweiz
19.10.12 - 02:00 Uhr

Von Hansruedi Berger

Chur. – Im kommenden März stimmen die Bündner Stimmberechtigten ab, ob St. Moritz und Davos für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022 kandidieren sollen. Damit das Projekt weiterverfolgt wird, ist sowohl eine Zustimmung der Bevölkerung in den beiden Gemeinden als auch im Kanton nötig.

Für den Direktor des Bündner Gewerbeverbandes und Olympia-Befürworter Jürg Michel ist klar, dass die Abstimmung im Kanton nur gewonnen werden kann, wenn sämtliche Tourismuskreise aus allen Regionen hinter dem Projekt stehen. Dies sei jedoch, so glaubt er, zum gegenwärtigen Zeitpunkt keineswegs der Fall. Zwar sei die Olympia-Abstimmung für viele noch in weiter Ferne, so Michel. Doch dies sei ein schwerwiegender Irrtum. Denn die entscheidende Weiche für oder gegen Olympische Spiele in Graubünden werde am 25. November bei der Abstimmung zum Tourismusabgabegesetz (TAG) gestellt.

Ausgerechnet die Ausrichter …

Gegen das TAG haben sich neben der FDP und der SVP vor allem Vertreter aus den beiden grossen Bündner Tourismusdestinationen Davos und St. Moritz stark gemacht. Sollten jedoch ausgerechnet die Ausrichter-Gemeinden das TAG zu Fall bringen, dann sei ein Nein zu Olympia wohl nicht zu vermeiden. Michel weist in diesem Zusammenhang auf die Kreditvorlage für Ski-Weltmeisterschaften 2003 in St. Moritz hin. Ein Ja sei hier erst in einer zweiten Abstimmung zustande gekommen, als es gelungen sei, eine Allianz über alle Regionen zu bilden.

Dass es jetzt, rund einen Monat vor der TAG-Abstimmung, in den Regionen sehr viel Zündstoff gibt, hat Michel am letzten Wochenende bei einem Besuch an der Ilanzer Handels-und Gewerbeausstellung erfahren müssen. Sofort seien seine rund 30 Gesprächspartner auf das TAG zu sprechen gekommen. Doch im gleichen Atemzug hätten sie dann auch noch die Olympia-Abstimmung ins Spiel gebracht. Und deutlich sei zum Ausdruck gebracht worden, dass ein Nein zum TAG Folgen haben dürfte. Und dies, so Michel, nicht nur in der Surselva, sondern auch in anderen Regionen wie beispielsweise in Mittelbünden und im Unterengadin. Für ihn ist denn auch klar: «Ohne Ja zum TAG gibts keine Olympischen Spiele.» Er hofft deshalb, dass vor allem Politiker aus den grossen Destinationen einlenken und aus Solidarität zu den kleinen Tourismusgebieten in den kommenden Wochen sich doch noch für die neue Tourismusfinanzierung einsetzen werden. Denn auch für Davos und St. Moritz sei das TAG durchaus eine gute Lösung.

Caviezel: Verschiedene Geschäfte

Das glaubt auch Tarzisius Caviezel, Präsident des Vereins Olympische Winterspiele Graubünden und ab Januar neuer Landammann in Davos. Man habe mit dem TAG versucht, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Dass damit nicht jeder glücklich sei, sei verständlich. Doch könnten seiner Meinung nach auch die grossen Destinationen mit dem TAG leben.

Allerdings wehrt sich Caviezel vehement, dass die beiden Abstimmungen miteinander vermischt werden. Das seien zwei gänzlich verschiedene Geschäfte. Doch Michel kontert: Natürlich würden dies die Politiker so sehen, «doch die Bevölkerung wird dieser Argumentation nicht folgen».

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