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Nägeli, Zug, Briegel, Duisburg, Schaan und andere Episoden

Die 100-jährige Geschichte des FC Glarus ist von einem Mann besonders geprägt worden: Fritz «Ypsch» Hösli. Sein umtriebiges Wesen sorgte für den Aufschwung und für viele Anekdoten.

Südostschweiz
31.05.12 - 02:00 Uhr

Von Ruedi Gubser

Fussball. – Die Geschichte des FC Glarus weist viele Kapitel auf. Erfolgreiche und weniger erfolgreiche, leuchtende und düstere. FCG-Spieler wie Fritz Künzli, René Botteron, Paul Fischli, Ernst Schmid, Remo Pesenti (Captain des FC Schaffhausen), die den Weg nach oben geschafft haben, oder U17-Weltmeister André Caetano, der mit der Schweizer Nationalmannschaft bereits als Junior einen grossen Erfolg feiern durfte und mit Aarau jüngst beinahe in die höchste Schweizer Liga aufgestiegen wäre, ist ein Kapitel, die NLB-Zeit ein anderes. Und diese NLB-Zeit ist eng mit einem Mann verknüpft, ohne diesen die Glarner nie in die zweithöchste Schweizer Liga aufgestiegen wären. Fritz «Ypsch» Hösli.

Mit flotten Sprüchen und Herzblut

Der vor zwei Jahren verstorbene «Ypsch» Hösli hat einiges bewegt beim FC Glarus. Wobei bewegt die sanfte Bezeichnung für alles über den Haufen geworfen ist. Kein Stein blieb auf dem anderen, nachdem Hösli 1985 das Präsidium des Stadtklubs übernommen hatte. Ambitioniert führte er den Verein, wie ein Patron thronte er über dem FCG. Mit «Ypsch» Hösli und Wolfgang Frank als Trainer gings aufwärts mit dem Landklub. Der Durchmarsch von der 2. Liga in die Nationalliga B forderte aber auch seinen Preis. So erzählte «Ypsch» einmal, und er erzählte gerne, vorwiegend in seinem Restaurant «Waage», am liebsten oben am Stammtisch, dass Wolfgang Frank nach dem Aufstieg nur unter der Bedingung in Glarus blieb, für die NLB-Meisterschaft einen Top-Goalgetter zu erhalten. Und was tat «Ypsch» Hösli? Er fuhr zum sich in Konkurs befindenden MSV Duisburg, blätterte 35000 Franken auf den Tisch und nahm Georg Zug mit ins Glarnerland.

Das Herzblut, mit dem «Ypsch» den FC Glarus führte, hatte für den «Mann mit Alleinunterhaltungswert» jedoch weitreichende Konsequenzen. Das jährliche Budget des NLB-Klubs von rund 600000 Franken konnte nie gedeckt werden. Hösli musste dauernd selbst Geld einschiessen. Während seiner zehnjährigen Präsidialzeit butterte er etwa 1,5 Millionen Franken in den Verein. Zudem dürfte 1989 die Verpflichtung des zweifachen WM-Finalisten mit Deutschland, Hans-Peter Briegel, als Spielertrainer des FCG nicht billig gewesen sein. Mit dem Unternehmen «FCG in der NLB» übernahm sich der «Fritz-Dampf-in-allen-Gassen» jedoch, und er schlitterte privat in die Pleite. Sein teures Hobby sei dabei aber nicht «matchentscheidend» gewesen, sagte Hösli einmal. Dank einer Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft konnten seine Frau und er das Restaurant «Waage» weiterbetreiben.

Besondere Motivationsspritze

Wer kannte «Ypsch» Hösli nicht? Oder: Wen kannte «Ypsch» Hösli nicht? Seine Kontakte in der halben Welt waren so berühmt wie legendär. Sie waren auch essenziell. Sonst hätte es mit dem Engagement von Hans-Peter Briegel wohl kaum geklappt. «Ypsch» Hösli hatte selbst Fussball gespielt, beim FC Glarus sogar zusammen mit Fritz Künzli, später in der NLB bei Bellinzona. 1995 trat «Ypsch» Hösli als Präsident des FC Glarus zurück, konnte das «Organisieren» aber nicht lassen. Als dem Verein Ende der Neunzigerjahre der Abstieg in die 3. Liga drohte, griff er nochmals ein. Für den Ligaerhalt waren die Glarner in der letzten Meisterschaftsrunde auf einen Sieg des im gesicherten Mittelfeld platzierten FC Schaan angewiesen. Als die Liechtensteiner zur Pause 0:2 im Rückstand lagen, griff «Ypsch» Hösli zu einem speziellen Motivationstrick und versprach ihnen bei einem Sieg 1000 Franken in die Mannschaftskasse. Schaan siegte 4:2, Glarus rettete sich, und «Ypsch» Hösli trug eine weitere Episode zur Vereinsgeschichte bei.

Der Besuch von Edy Nägeli

Legendär in der Historie des FC Glarus ist auch der Transfer von Fritz Künzli zum FC Zürich. 1964 erhielten Künzlis in Ennetbühls Besuch eines Herrn vom Grasshopper-Club Zürich. Dieser traf Vater Künzli im Schlachthaus an und erkundigte sich, ob er Fritz Künzli kenne. «Sicher schon. Das ist mein Sohn.» Und der Herr trug Vater Künzli auf, Fritz doch zu sagen, dass er ins Restaurant «Krone» gegenüber kommen solle. Er warte dort auf ihn. Das war aber definitiv die falsche Lokalwahl. Vater Künzli jagte den feinen Herrn aus Zürich wie einen Hund aus dem Schlachthaus. Einige Tage später erschien FCZ-Präsident Edy Nägeli persönlich im Restaurant «Sonne» und damit im richtigen Restaurant. Als Nägeli Vater Künzli nach dem besten Wein im Keller fragte, war der Handel und somit der Wechsel von Fritz Künzli zum FC Zürich perfekt. Die rasche Einigung dürfte nicht bloss am Wein gelegen haben. Nägeli war die Verpflichtung Künzlis immerhin noch 5000 Franken Wert gewesen.

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