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Nach Erfolg streben sie nicht auf Teufel komm raus

Die Band Taste of Tears gehört zu den Pionieren der Bündner Metal-Szene. Im Sommer veröffentlichen die vier Churer ihr Debütalbum «Once Human».

Südostschweiz
Montag, 02. Mai 2011, 02:00 Uhr

Von Valerio Gerstlauer

Chur. – Seine treusten Jünger rekrutiert der Beelzebub mit Vorliebe in der Heavy-Metal-Szene – auf dieses Vorurteil stossen die schwarzgewandeten Mähnenträger bei weiten Teilen der Bevölkerung. Denn Metal-Musik wird gemeinhin mit satanischen Versen, Paganismus und düsteren Machenschaften gleichgesetzt. Allerdings hat sich das Genre diesen Ruf auch selbst zuzuschreiben. Schon die Metal-Pioniere von Black Sabbath zelebrierten in ihren Texten unverhohlen alles Diabolische, und die Black-Metal-Bewegung, die auf dem Höhepunkt ihres Wahns Kirchen abfackelte, zementierte das Bild einer gitarrenschwingenden Höllenbrut vollends.

Hier gelte es aber zu differenzieren, finden die vier Musiker der Churer Death-Metal-Band Taste of Tears. Bei annähernd allen Bands, die sich mit satanischen Symbolen schmückten, gehöre das lediglich zum Image, erklärt Schlagzeuger und Sänger Marcus Seebach, mit 34 Jahren das älteste Bandmitglied. «Ich sehe das vielmehr als Ausdruck eines rebellischen Verhaltens.» Vor allem die skandinavischen Anhänger des Black Metal hätten sich Anfang der Neunzigerjahre einen extremen Ruf zulegen wollen – heute sei das nicht mehr aktuell.

Keine Lust zu predigen

Auf «Image-Pflege» à la Black Metal haben Taste of Tears seit ihrer Gründung vor 13 Jahren nie zurückgegriffen. «Auch Politik und Religion klammern wir in unseren Texten kategorisch aus», sagt Seebach. Dagegen kämen aktuelle Themen kritisch zur Sprache. Indes betont Leadsänger Ivan Strimer: «Würden wir in unseren Texten predigen, täten wir das Gleiche wie die Politiker und die Religionen – deshalb verzichten wir darauf.» Die Frage sei wohl eher, ob die Texte überhaupt verstanden würden, wirft Bassist Gion Alig lachend ein. Death Metal zeichnet sich nämlich neben dem schnellen Rhythmus mittels Doublebass-Technik vor allem durch eine Art des gutturalen Gesangs aus, die wohl am ehesten als Knurren oder Grunzen beschrieben werden kann. Für den Zuhörer bleiben dadurch mitunter ganze Textpassagen im Dunkeln.

Das Gewicht legen Taste of Tears ohnehin auf die Musik, und die hat sich im Laufe der Bandgeschichte ziemlich gewandelt. Melodiösen Death Metal spielten Seebach, Alig, Gitarrist Duri Camenisch und das 2004 ausgeschiedene Gründungsmitglied Daniel Patzen in der Anfangszeit. Einfach gestrickte Musik sei das gewesen, urteilt Seebach rückblickend. Im Kanton war die Band damals mit Metal-Musik noch fast allein auf weiter Flur. Man blickte auf Aggressive Fear aus Ilanz – viel mehr gab es nicht, um sich an lokalem Schaffen zu orientieren. Die Bündner Metal-Szene von damals sei mit der heutigen nicht zu vergleichen, findet Seebach. Seit dem Jahr 2000 seien laufend neue Bands entstanden, und man müsse nicht mehr bis nach Flums und Liechtenstein fahren, um Konzerte zu besuchen.

Mit dem Weggang von Patzen fanden Taste of Tears zu einem komplexeren Stil, dessen Grundlage zwar immer noch der Death Metal ist, der aber alle möglichen Einflüsse aufnimmt. Black Metal, Rock, Jazz und Klassik zählen die vier Churer zu den musikalischen Elementen, die man heute in ihren Liedern findet. Zu dieser Offenheit trägt vor allem Camenisch bei. Er beabsichtigt, im Herbst die Jazz-Schule in Winterthur zu besuchen. Es sei gut möglich, dass sein Aufenthalt in Winterthur die Musik der Band verändern werde, sagt Camenisch. «Metal ist gutmütig, man kann vieles miteinbeziehen.» Und die Band wolle sich schliesslich nicht auf eine Richtung festlegen.

CD von Tommy Vetterli abgemischt

Wie Taste of Tears momentan klingen, kann man sich ab August auf CD anhören. Dann erscheint das Debüt-Album «Once Human», auf dem acht Songs vereint sein werden. Diese entstanden allesamt im Laufe der vergangenen fünf Jahre, seit dem Zeitpunkt, als Sänger Strimer zur Band stiess. Aufgenommen wurde im eigenen, semiprofessionellen Studio in Chur, danach kümmerte sich Tommy Vetterli, ehemaliges Mitglied bei den Bands Coroner und Kreator, um das Abmischen.

Zurzeit bewerben sich Taste of Tears bei verschiedenen Labels im angelsächsischen Raum. Sollte die Suche erfolglos verlaufen, wäre das allerdings für die Fans nicht weiter schlimm. Die Churer sind fest entschlossen, ihr Opus auf den Markt zu bringen – notfalls komplett in Eigenregie.

In der Reihe «Bands in Graubünden» werden in loser Folge junge Musiker und Musikerinnen aus dem Kanton vorgestellt.

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