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Mayer: Der verlorene Sohn kehrt zu Weihnachten heim

Erstmals seit sieben Jahren hat Robert Mayer Weihnachten wieder mit seiner Familie gefeiert – in Fläsch. Morgen wird der Goalie der Hamilton Bulldogs am Spengler Cup das Tor von Genf-Servette gegen ZSKA Moskau hüten.

Südostschweiz
Freitag, 27. Dezember 2013, 01:00 Uhr

Von Hansruedi Camenisch

Eishockey. – «Es ist schon speziell und ein wunderschönes Erlebnis, dass ich erstmals seit sieben Jahren Weihnachten bei meiner Familie und ein paar Wintertage in der Schweiz verbringen kann, auch wenn es im Flachland keinen Schnee hat», sagt Robert Mayer, seine Augen strahlen. 2007 war er als 17-Jähriger nach Saint John, die älteste Stadt Kanadas, ausgezogen, um die Eishockeywelt zu erobern. Seither hat er nur im Sommer jeweils zwei Wochen Ferien in der Schweiz verbracht.

Riesen-Fan von Thomas Liesch

Mayer geniesst die kurze Zeit im Kreis seiner Familie in Fläsch, aber auch das Wiedersehen mit Kollegen aus seiner Bubenzeit im Raum Chur. Am 9. April 1989 im tschechischen Havirov, rund 20 Autominuten vom aktuellen Spengler-Cup-Teilnehmer Vitkovice geboren, kam er als Vierjähriger mit seiner Familie nach Haldenstein. Ein ganz spezielles Erlebnis machte ihn zum grossen EHC-Chur-Fan und zum Goalie. «Ich war sechs oder sieben Jahre alt», erzählt Mayer. «Von der Tribüne aus beobachtete ich das Training des EHC Chur, der damals in der Nationalliga B spielte. Als sich die Spieler fürs Mannschaftsfoto bereit machten, rief mich der damalige Goalie Thomas Liesch aufs Eis. Er setzte mich auf seine Schoner; seither bin ich auf jenem Teambild verewigt.» Aber noch mehr. «Von jenem Moment an wollte ich als riesiger Liesch-Fan jeden Match des EHC sehen – und selber auch Torhüter werden», fährt Mayer fort. Er fieberte bei den Churer Heimspielen mit und spielte selber im Nachwuchs.

Als 14-Jähriger wechselte Mayer in die Nachwuchsabteilung zu Kloten. 2007 kam er gegen Basel zu einem Kurzeinsatz in der NLA. Wegweisender waren im selben Frühling seine Einsätze für die Schweiz an der U18-Junioren-WM. Beim folgenden CHL-Import-Draft wurde er von den Saint John Sea Dogs aus der kanadischen Juniorenliga an dritter Gesamtposition ausgewählt, worauf er nach Kanada wechselte. Mayers Aufstieg hielt rasant an. Zu Beginn der folgenden Saison lud Montreal ihn ins NHL-Trainingscamp ein, und am 24. September 2008 unterzeichnete er einen dreijährigen Einstiegsvertrag bei den Canadiens.

«Ich habe noch all meine Zähne»

Mittlerweile bestreitet Mayer seine fünfte Saison bei den Hamilton Bulldogs, dem Farmteam von Montreal, in der American Hockey League (AHL). «Ich stehe vor dem letzten Schritt in die NHL», sagt er. Sieben Mal sass Mayer bereits bei den Canadiens auf der Ersatzbank. Sein Fokus bleibt auf der NHL. «Ich verbessere mich jeden Tag», stellt Mayer fest. Täglich trainiert er mit Vincent Riendeau, der früher als Goalie auch ein kurzes Gastspiel bei Lugano gab, auf dem Eis. Dazu gesellen sich eineinhalb Stunden im Kraftraum. Riendeau sei ein ganz harter Franco-Kanadier, «ein wirklich harter ‘Hund’», bemerkt Mayer. Für sein Ziel NHL arbeitet der Schweizer jeden Tag von 8 bis 15 Uhr an sich, wenn nicht gerade eines der 76 Qualifikationsspiele auf dem Programm steht.

Auf der Goalie-Position fühlt sich Mayer wohl. Diese Aufgabe sei sowohl körperlich wie mental sehr herausfordernd, bemerkt er. Er widerspricht dem Klischee, dass Eishockey-Torhüter, die sich von harten Gummipucks bombardieren lassen, etwas verrückt sein müssen. «Unsere Schoner federn auch die härtesten Schüsse ab», kontert er und meint lachend: «Im Gegensatz zu vielen Feldspielern habe ich noch all meine Zähne.»

Schnellschuss mit dem EHC Biel

Mit 24 sei er noch immer jung. Bis 26 wolle er sich für die NHL Zeit geben, sagt Mayer. Im letzten Frühling sah es anders aus. Da unterzeichnete er einen Vertrag beim EHC Biel. Diese Panikaktion machte er jedoch bald wieder rückgängig. «Mein Vertrag in der Organisation der Canadiens war am Auslaufen, ich erhielt bei Hamilton nicht so viele Spiele, wie ich es mir vorstellte, und ich hatte in Nordamerika keinen Agenten. Gleichzeitig besetzten in der Schweiz immer mehr Klubs ihre Goalie-Positionen. Da unterzeichnete ich bei Biel», so Mayer. Doch es kam anders. Kaum hatte er bei Biel unterschrieben, wollte Montreals GM den Schweizer unbedingt behalten. Hamiltons anderer Goalie wurde weggetradet. Und als sich Montreals Stammkeeper Carey Price in den Play-offs verletzte, holten die Canadiens Mayer ins Fanionteam auf die Ersatzbank. «Aus Bieler Sicht wars unglücklich, doch mit Blick auf meine NHL-Ziele musste ich so handeln», bemerkt der Goalie. Und Montreal zeigte seine Wertschätzung im neuen 2-Jahre-Vertrag. Mit 120 000 US-Dollar Jahresgehalt bei Hamilton zählt Mayer zu den bestverdienenden AHL-Goalies; in der NHL erhielte er bei Montreal 625 000 US-Dollar.

«Spengler Cup ist ein geiles Turnier»

Fast wie die Jungfrau zum Kind kam Mayer zum Spengler-Cup-Aufgebot. «An diesem Turnier zu spielen, war für mich immer ein Traum», sagt der Torhüter. Schon als kleiner Bub habe er die Spengler-Cup-Spiele am Fernsehen verfolgt. Später habe er diverse Partien in Davos im Stadion besucht. «Es ist so ein geiles Turnier; da wollte ich auch einmal selber auf dem Eis mitspielen.» In einem Gespräch mit Riendeau ermunterte Hamiltons Goalie-Trainer den Schweizer zu einer Spengler-Cup-Teilnahme, weil es eine sehr gute Erfahrung werde. Bei Servettes Trainer Chris McSorley stiess Mayer danach auf offene Ohren. Der Genfer Coach plant den ersten Einsatz seines AHL-Gastes am Spengler Cup morgen Nachmittag gleich gegen das grosse ZSKA Moskau. Wohl nicht ganze ohne Hintergedanken will McSorley Mayer genau beobachten. Servettes Nummer-1-Goalie Tobias Stephan wird Ende Saison zum EV Zug wechseln. Mayer betont jedoch, dass er seinen laufenden Vertrag mit Montreal einhalten und sich noch bis 2015 Zeit geben wolle, um den Sprung in die NHL zu schaffen.

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