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«María de Buenos Aires» wirft bereits ihre Schatten voraus

Ende Mai feiert in Chur Astor Piazzollas Tango-Oper Premiere. Längst sind die Proben im Gange. Die «Südostschweiz» hat einen ersten Blick auf die Vorarbeiten geworfen.

Südostschweiz
Sonntag, 08. April 2012, 02:00 Uhr

Von Carsten Michels

Chur. – «Sehr gut, Aida», sagt Oliver Dähler und drückt die Pausentaste des CD-Players. «Wenn du zu José hinübergehst, spielt sich alles in deiner Mimik ab – mehr musst du nicht tun.» Dähler blickt auf die Uhr. «Lasst uns kurz eine Pause machen.» Aida Albert nickt. Sie könne einen Kaffee vertragen, sagt die Sängerin lächelnd. Ihr Kollege José Manzanero streckt sich.

Die Bandoneon-Klänge, die dieser Tage den Saal des Churer Kirchgemeindehauses Comander erfüllen, sind die Vorboten von «María de Buenos Aires». Ende Mai wird die Inszenierung der Tango-Oper von Astor Piazzolla im Theater Chur Premiere feiern. Wegen Platzmangel im Theater dient der Comander-Gemeindesaal zurzeit als Probenbühne.

Wechselvolle Geschichte des Tangos

Für die Umsetzung des Projekts, eine Koproduktion des Theaters Chur mit dem Verein «Chur tanzt», wurde mit Dähler kein Unbekannter gewonnen. Der Choreograf zog bereits in diversen «Chur tanzt»-Produktionen die Fäden: Bei «Horizonte» (2011) oblag ihm das Lichtkonzept, bei «Lupf dini Schua» (2010) hatte er die Gesamtleitung, für «Grand Hotel Vaslav» (2009) schuf er die Choreografie.

Schon 2008, bei «El viaje», wo Dähler als künstlerischer Leiter wirkte, beschäftigte sich der Berner Tanzmeister in Chur mit der Welt des Tangos. Mit «María de Buenos Aires» dringt er nun sozusagen in deren Zentrum vor. Piazzollas anspielungsreiche, surrealistisch angehauchte «Operita» zeichnet die wechselvolle Geschichte des Tangos nach – vom Chanson in den argentinischen Spelunken zum Modetanz in den Nobelrestaurants Europas, vom nostalgischen Barmusikgeplänkel zum aufregend modernen Tango Nuevo, den Piazzolla in den Fünfzigerjahren selbst kreierte. «María de Buenos Aires», 1967/68 nach einem Libretto von Horacio Ferrer entstanden, war in Argentien nicht unumstritten. Den Tango-Puristen war die ungewöhnliche Formenvielfalt der Nummernoper viel zu innovativ. In der Tat mischte Piazzolla Tradition mit Jazz, Barockes mit zeitgenössischen Spieltechniken.

In Chur wird «María de Buenos Aires» von einem Tango-Orchester begleitet, in dem der schweizerisch-argentinische Bandoneonist Michael Zisman den Ton angibt. Neben den Sängern Aida Albert und José Manzanero sowie einem Profi-Tangotanzpaar arbeitet Choreograf Dähler mit Laientänzern, die allesamt das Alter von 50 Jahren überschritten haben. «Mich hat die Arbeit mit dieser Altersgruppe schon lange einmal gereizt», sagt Dähler. Die Lebenserfahrung der Mitwirkenden entspreche dem Stück auf spezielle Weise. «Da sieht man vieles, was mit 20-jährigen Tänzern kaum hinzukriegen ist.» Ausgewählt hat Dähler die reife Tanzkompagnie mittels eines Castings im Dezember. Von den 40 Bewerbern hat der Choreograf ein gutes Dutzend für die Produktion verpflichtet – fast ausschliesslich Bündner.

Zusammenspiel aus Licht und Gaze

Zwischen der Einzelprobe von Albert und Manzenero und der Gruppenprobe mit den Laientänzern am Abend wird der Comander-Saal am späten Nachmittag plötzlich zur Theaterwerkstätte umfunktioniert. Eloisa Avila und Chantal Wuhrmann prä-sentieren den Beteiligten das Modell ihres Bühnenbilds. Im Schlepptau der beiden: Dramaturgin Ann-Marie Arioli und Hannes Fopp, der technische Leiter des Theaters. Die Aufgabe, einen wandlungsfähigen Raum zu entwerfen, der den Mitwirkenden genügend Bewegungsfreiheit garantiert, haben die Bühnenbildnerinnen geschickt gelöst: mit Gazestoffbahnen, die – je nach Beleuchtung – Räume öffnen oder schliessen.

«María de Buenos Aires». Premiere: Mittwoch, 30. Mai, 20 Uhr, Theater Chur.

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