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«Luca ist sehr korrekt – das kann auch ein Nachteil sein»

Luca Cunti ist heute einer der besten Schweizer Eishockeystürmer. Bis der 24-jährige Zürcher so weit kam, ging er manchen Umweg. Es begann alles auf der KEK in Küsnacht, wie Vater Mario vor Ort erzählt: «Aber mit Eiskunstlauf.»

Südostschweiz
Mittwoch, 29. Januar 2014, 01:00 Uhr

Von Kristian Kapp

Eishockey. – Als Mario Cunti auf der KEK, der Kunsteisbahn Küsnacht, eintrifft, deutet nichts darauf hin, dass es sich um die Heimstätte des Eishockeyklubs GCK Lions handelt. Auf der Aussenanlage üben junge Eiskunstläuferinnen ihre Figuren, Tore und Pucks sind keine zu sehen. Das weckt auch bei Cunti Erinnerungen. Vor rund 20 Jahren wohnte der Gipser aus Erlenbach noch selbst in Küsnacht, unweit der KEK. Und er brachte mit Ehefrau Madleine seinen Sohn Luca zum deutschen Eiskunstlauftrainer Bodo Bockenauer, der bereits die drei Jahre ältere Schwester Jessica unterrichtete. «Dort rutschte er ihr dann hinterher», erzählt Mario Cunti schmunzelnd. Und als Luca sie bald eingeholt hatte, war für den Vater klar: «Es ist Zeit für einen Hockeystock.»

Plötzlich war der Sohn besser

Heute ist Luca Cunti ZSC-Stürmer, für viele Beobachter ist er einer der besten Spieler der Liga. Sein wichtigster Förderer im Eishockey sei sein Vater, sagt Luca. Er habe ihm am Anfang alles beigebracht. Zumindest bis Luca zwölf Jahre alt gewesen sei, ergänzt Mario Cunti und lacht: «Denn dann kam der Moment, als plötzlich ich das Nachsehen hatte.» Mario selbst spielte in seinem Heimatort Arosa ebenfalls Eishockey, doch der Bruder des ehemaligen Nationalspielers Pietro Cunti brach die Karriere früh im Teenageralter ab. Die Lehre hatte Vorrang.

Diese Gedanken prägten auch Lucas Erziehung. «Wir waren da etwas von der alten Schule», sagt Mario Cunti. «Wir wollten nicht, dass es für Luca nur Eishockey gibt.» Darum ging der talentierte Sohn mit 18 nach Minnesota in die USA, um Universitäts-Eishockey spielen und Psychologie studieren zu können.

Doch Lucas Nordamerika-Abenteuer wurde zur Odyssee. Weil er aus formellen Gründen in Minnesota nur studieren, aber nicht spielen durfte, führte ihn sein Weg zunächst nach Chicago und dann nach Rimouski in die Juniorenligen der USA und Kanadas. Dazwischen kamen sein NHL-Draft durch Tampa Bay und Vertragspoker seines nordamerikanischen Spieleragenten, die schliesslich die Trennung zwischen Klub und Spieler zur Folge hatten. Alles endete mit der Rückkehr Luca Cuntis in die Schweiz nach zwei Jahren und der Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber.

Es waren auch für die Eltern keine einfachen Jahre. Mario Cunti erinnert sich: «Hier in der Schweiz hiess es, Luca sei ein ‘Schwieriger’. Doch das war er nie gewesen!» Er habe oft eine Ohnmacht verspürt: «Wenn du solche Sachen liest, wenn dein Sohn schikaniert wird, dann gehst du die Wände hoch.» Vielleicht habe Lucas Wesen ihm hin und wieder Probleme bereitet, glaubt der Vater: «Luca ist ein sehr korrekter Mensch. Er nervt sich auch über Unfairness gegenüber anderen und bleibt dann nicht immer ruhig. Das kann auch ein Nachteil sein.»

Der Dank an Schenk und Hartley

Vieles, was damals über seinen Sohn geschrieben wurde, sei nicht richtig, sagt Mario Cunti. Darüber reden mag er nicht mehr: «Das ist jetzt alles Vergangenheit.» Umso mehr freue ihn, welch gute Wende alles genommen habe. Doch dann wird auch der Vater nachdenklich und fragt: «Was wäre ohne die Schenks passiert? Und wo wäre Luca, wenn vor zwei Jahren nicht Bob Hartley zum ZSC gekommen wäre? Oft hängt es von sehr wenigen Leuten ab, ob etwas gut oder schlecht herauskommt.» Christof Schenk war der Erstliga-Trainer in Dübendorf, der dem 17-jährigen Luca Cunti einen Platz offerierte, als er beim Farmteam der ZSC Lions keine Perspektiven mehr sah, dessen Vater Simon Schenk bot ihm als Sportchef die zweite Chance bei GCK vier Jahre später – und der Kanadier Hartley läutete das Happy End ein, indem er ihn zum ZSC promovierte. Seither jagen sich die Höhepunkte: Meistertitel, WM-Silber und nun die Olympiateilnahme. Von den ersten Rutschversuchen auf der KEK in Küsnacht nach Sotschi – Mario Cunti wird auch auf diesem Teil von Lucas Reise dabei sein: «Wir wollten zunächst nicht nach Russland, doch es war Lucas Wunsch. Und den erfüllen wir ihm natürlich.»

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