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«Jeder Handgriff muss sitzen, sonst bist du verloren»

Rettungssanitäter «Das ist der schönste Beruf und ganz und gar nicht – wie die Leute denken – traurig und stressig», sagt Michael Walz, Rettungssanitäter am Luzerner Kantonsspital Luzern.

Südostschweiz
24.05.14 - 02:00 Uhr

Er war schon auf über 20?000 Einsätzen dabei. «Der Beruf ist dynamisch und abwechslungsreich», erklärt der 45-Jährige. Vernetztes Denken und auch in schwierigen Situationen Ruhe bewahren seien zentrale Kompetenzen, über die man als Rettungssanitäter verfügen muss, sagt er weiter. Dennoch: Ist die Arbeit wirklich nicht Hektik pur?

Bis 30 km/h zu schnell erlaubt

«Nein, alle Abläufe sind konditioniert.» Jeder Arbeitsschritt werde immer wieder trainiert, deshalb komme bei ihnen kein Stress auf. «Jeder Handgriff muss sitzen, tut er das nicht, bist du verloren», sagt Walz. Die Rettungssanitäter können fast im Schlaf die Medikamente aus der richtigen Schublade nehmen. Bei den vielen Schubfächern sicher keine einfache Angelegenheit. Diese Arbeitsvorgänge werden bereits in der Ausbildung immer wieder geübt, denn es handelt sich um standardisierte Prozesse. Eine geregelte Aufgabe ist es auch, das Ambulanzfahrzeug nach dem Einsatz mit dem nötigen Material zu bestücken. «Dies wird immer gleich nach der Rückkehr getan. Eine Person füllt den Bestand auf, eine Zweitperson kontrolliert», sagt Walz.

Dennoch: Es gibt sicher Situationen, die Stress hervorrufen? «Was Stress auslösen kann, ist die Navigation zum Einsatzort.» Man kenne schliesslich nicht alle Strassen auswendig. Klar, sie hätten bestes Kartenwerk, dennoch sei das Anfahren der Unfallstelle nicht immer einfach, erklärt er. Wo steht das Haus? Wie kommen wir am besten dahin? Diese Fragen gingen einem da durch den Kopf. Zusätzlich könne Hektik durch den Verkehr aufkommen. Autos, die falsch stehen, behindern die zügige Fahrt. Bis zu maximal 30 Kilometer über die vorgeschriebene Tempolimite darf der Rettungswagen fahren.

Müssen Rettungssanitäter eine spezielle Fahrprüfung absolvieren? «Alle, die bei uns hinter dem Steuer sitzen, brauchen die C1-Prüfung.» Die C1-Prü-fung erlaubt das Fahren von Motorfahrzeugen mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 bis zu 7,5 Tonnen.

Ruhe bewahren

Können auch Angehörige oder Patienten selber eine mühsame oder gar hektische Situation hervorrufen? «Viele Menschen, ob Patienten oder Angehörige, sind mit ihrer Situation überfordert. Sie wissen nicht, wie sie handeln sollen – manchmal können sie aufgrund des Krankheitsbildes ihr Handeln auch nicht mehr bewusst steuern.» In solchen Situationen sei es wichtig, dass die Sanitäter das Ganze ruhig angehen und vor allem auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen, so Michael Walz.

Bei jedem Einsatz sind mindestens zwei Sanitäter dabei. Je nach Bedarf und Notfallmeldung auch ein Notarzt. «Wenn beim Sanitätsnotruf 144 ein Anruf eingeht, wird genau nachgefragt. Nennt die Person Stichworte wie ‹bewusstlos› oder ‹Sturz aus drei Metern Höhe› wird ein Notarzt die Sanitäter unterstützen.»

Offene Brüche, viel Blut – gewiss kein schöner Anblick. Wie können solche Erlebnisse verarbeitet werden? «Ich muss sagen, bisher hat mich kein einziger Fall beschäftigt, da habe ich grosses Glück.» In seiner Freizeit ist Michael Walz Hobbykoch und treibt gerne Sport. Freizeitbeschäftigungen braucht es zum Ausgleich, zum Abschalten. Die Teambesprechung nach erfolgter Arbeit trage ebenfalls dazu bei, das Erlebte zu verarbeiten.

Gelegentlich auch Begleiter

In den mehr als 25 Jahren Tätigkeit, die Michael Walz beim Rettungsdienst verbracht hat, erlebte er Momente, die ihm speziell in Erinnerung geblieben sind. Zum Beispiel, wenn er zu einer älteren Person gerufen werde, bei der man wisse, dass sie nicht wieder in ihr trautes Heim zurückkehren, sondern in ein Alters- oder Pflegeheim überwiesen werde. Dann würden sie sich Zeit nehmen, mit der Person Abschied zu nehmen. «Wir machen einen letzten Rundgang durch die Wohnung oder hören mit ihnen nochmals das Lieblingslied. Auch schon hat ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes auf dem Klavier ein Lied gespielt», erzählt er lächelnd. «Diese letzten paar Minuten im eigenen Zuhause mitzugestalten, finde ich extrem schön.»

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

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