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Geldwäscher aus Moldawien war als Investor willkommen

Ein Moldawier mit Aufenthaltsgenehmigung in Graubünden hat Schwarzgeld im Wert von 200 Millionen Franken gewaschen. In den Fall involviert sind Firmen eines Churer Unternehmers.

Südostschweiz
Dienstag, 29. Juli 2014, 02:00 Uhr

Von Ueli Handschin

Brigels/Chur/Zürich. – Die Aufenthaltsgenehmigung war dem knapp 38-jährigen Geldwäscher von den Bündner Behörden vor vier Jahren erteilt worden. Verhaftet wurde der Geschäftsmann Mitte Dezember 2012. Vor drei Wochen stand er nach 570 Tagen Untersuchungshaft vor dem Zürcher Bezirksgericht («Südostschweiz» vom 10. Juli).

Da der Moldawier keine der eingeklagten Tatbestände bestritt, urteilte das Gericht im abgekürzten Verfahren. Er wurde im Hauptpunkt wegen qualifizierter Geldwäscherei schuldig gesprochen. Die Deliktsumme bezifferte der Staatsanwalt auf rund 200 Millionen Franken.

Ausschaffung verfügt

Das Gericht verhängte drei Jahre Gefängnis, wovon die Hälfte bedingt. Dazu kam eine Geldstrafe von 1,5 Millionen Franken. Da der Mann schon mehr als anderthalb Jahre hinter Gittern gesessen hatte, wurde er auf freien Fuss gesetzt und das Migrationsamt beauftragt, ihn auszuschaffen. Zu seiner Aufenthaltsgenehmigung ist der Moldawier dank eines fiktiven Arbeitsvertrags mit der Graubündner Moor- und Kräutermanufactur AG in Brigels gekommen. Zum Schein sei in Brigels auch eine Wohnung gemietet worden. Dort gelebt habe der Beschuldigte jedoch nie.

Waren die Bündner Behörden arglos oder gar blauäugig, als sie die Aufenthaltsbewilligung erteilten? Laut Paul Schwendener kann davon keine Rede sein. Bei Gesuchen von Personen aus Drittstaaten werde stets genau hingeschaut, sagte der Leiter des kantonalen Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) der «Südostschweiz».

Der inzwischen Verurteilte habe sich damals als Investor um die Bewilligung bemüht, erklärte Schwendener. Sein Businessplan sei plausibel gewesen. Produkte der Graubündner Moor- und Kräutermanufactur AG sollten auf dem osteuropäischen Markt vertrieben werden. 30 neue Arbeitsplätze wurden in Aussicht gestellt, was laut Schwendener bei der Beurteilung derartiger Gesuche von Personen aus Drittstaaten – die also nicht aus EU- oder Efta-Staaten stammen – in der Regel stark gewichtet wird.

Vier Ämter beteiligt

Neben dem Kiga hatten drei weitere Ämter mit dem Gesuch zu tun. Auch das kantonale Amt für Wirtschaft und Tourismus (AWT) begutachtete das Geschäftsvorhaben, und grünes Licht für die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung brauchte es zudem vom Bundesamt für Migration (BFG). Erst nach dessen Ja konnte das kantonale Amt für Migration und Zivilrecht (AMZ) die Aufenthaltsbewilligung ausstellen, wie dessen stellvertretender Leiter Markus Haltiner erläuterte. Die Genehmigung wurde Mitte 2012 um ein weiteres Jahr verlängert und dem Moldawier nach dessen Inhaftierung rückwirkend wieder entzogen.

Jörg Löser ist Präsident des Verwaltungsrates der Graubündner Moor- und Kräutermanufactur AG. Die «Südostschweiz» hat ihn um eine Stellungnahme gebeten. Der deutsche Unternehmer mit Wohn- und Geschäftssitz in Chur verweigerte eine Stellungnahme zu den bekannt gewordenen Verstrickungen seiner Firma in diesen Fall von Geldwäscherei. Er behauptete, darüber sei ganz falsch berichtet worden und kündigte an, seine Anwälte würden sich bei der «Südostschweiz» melden.

Keine Untersuchung

Wir hätten den Churer Unternehmer, der derzeit Mandate in 15 Firmen mit Sitz in der Schweiz hält, insbesondere zur Rolle der Swiss Alpine Secure AG mit Sitz in Zürich befragen wollen. Denn Löser ist seit 2010 einziges Mitglied des Verwaltungsrates dieser AG. Deren Zweck ist laut Handelsregister «internationale Unternehmensberatung in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzierungslösungen». Über dieses Unternehmen ist fast die Hälfte des gewaschenen Geldes geflossen. Rund 100 Millionen Dollar in 15 Monaten. Die Verstrickungen der Graubündner Moor- und Kräutermanufactur AG und der Alpine Secure AG in diesen Fall von Geldwäscherei sind bei der Staatsanwaltschaft Graubünden bisher nicht zur Sprache gekommen, wie deren Sprecher Maurus Eckert erklärte. Gegen Löser laufe keine Verfahren,

Vielleicht ein und derselbe

Auch nicht im Visier der Behörden steht ein Russe, der gleichzeitig mit Löser 2008 in den Verwaltungsrat der Moor- und Kräutermanufactur AG eingetreten und heute alleiniges Mitglied des Führungsgremiums neben Löser ist.

Dieser Russe trägt den gleichen Vornamen wie der Moldawier, und die Nachnamen der beiden sind recht ähnlich. Aktenkundig ist, dass der Verurteilte im Besitz gefälschter Pässe aus Russland, Rumänien und Moldawien gewesen war. Möglich, dass es sich beim Russen und beim Moldawier um ein und dieselbe Person handeln könnte.

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Das ist doch längst bekannt, dass durch den Zerfall des "Sozialismus" in den neunziger-Jahren sich so mancher aus diesen Ländern - einschliesslich der DDR - auch auf dort nicht legale Weise "zu Geld gekommen ist". Und das musste möglichst bald "reingewaschen" werden. Und da war die Schweiz die ideale Plattform, denn wenn da Geld "gerochen" wird, ist alles möglich.