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Für eilige Bahnfahrer ein Basistunnel

Für eilige Bahnfahrer ein Basistunnel

Ein Basistunnel von Dieni nach Andermatt würde die Fahrzeit von Disentis nach Andermatt um 30 Minuten reduzieren. Gemäss Projekt würde der Glacier Express aber weiterhin über die Bergstrecke verkehren. Teuer und ohne grossen Nutzen, sagt die Regierung.

Südostschweiz
vor 8 Jahren in

Von Christian Buxhofer

Der Kanton Uri mit dem touristisch bedeutend werdenden Andermatt und der Kanton Graubünden sind verkehrstechnisch über die Bahnstrecke der Matterhorn Gotthard Bahn und über den Oberalppass durch die Kantonsstrasse miteinander verbunden. Während der Pass in den Wintermonaten gesperrt ist, handelt es sich bei der Bahnlinie Disentis–Sedrun–Andermatt um eine ganzjährig betriebene Verbindung. Allerdings sind die Kapazitäten auf diesem Streckenabschnitt des Glacier Express beschränkt, und aus Sicherheitsgründen gibt es im Winter immer wieder Betriebs- unterbrüche, sodass beispielsweise Gäste des Glacier Express über Zürich ins Wallis transportiert werden müssen. Die Kantone Graubünden und Uri sind deshalb an einer Verbesserung der ganzjährigen Bahnverbindung interessiert. Die Zweckmässigkeitsstudie für einen Basistunnel Andermatt–Sedrun wurde deshalb von beiden Kantonen gemeinsam in Auftrag gegeben.

Viele Vorteile

Die Ziele des Vorhabens liegen auf der Hand: höhere Kapazitäten, weil längere Züge möglich sind, eine Verdichtung des Fahrplans (zusätzliche Züge), kürzere Reisezeiten und Erhöhung der (Winter-)Sicherheit. Geprüft wurde nicht nur ein Basistunnel von Dieni (Gemeinde Tujetsch) nach Andermatt, sondern auch eine Optimierung der bestehenden Bahnverbindung mit allfälliger neuer beziehungsweise angepasster Streckenführung. In der Machbarkeitsstudie wurden beide Varianten aus volkswirtschaftlicher Sicht als «nicht empfehlenswert» eingestuft. Wenn schon, dann sollten sich die Verantwortlichen aber für die «Tunnel- lösung unter Beibehaltung der Bergstrecke» entscheiden. Diese Variante sei aus regionalwirtschaftlicher Sicht leicht im Vorteil.

Kernelement der Projektidee ist ein zwölf Kilometer langer Basistunnel unter dem Oberalppass zwischen Andermatt und Dieni. Die Bergstrecke wird weiterbetrieben, dort werden aber nur noch diejenigen Massnahmen ausgeführt, welche Bestandteil des Strategischen Entwicklungsprogramms Bahninfrastruktur des Bundes sind. In den Bahnhöfen Andermatt und Dieni ist zudem eine Erhöhung der Autoverladefrequenzen vorgesehen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 567 Millionen Franken.

Grössere Nachfrage

Das Betriebskonzept sieht auf der Strecke Disentis – Sedrun – Andermatt einen Mix aus Regional-, Glacier-Express- und Autoverladezügen vor. Durch den Tunnel reduziert sich die Fahrzeit Andermatt – Disentis um 30 auf 39 Minuten. Sämtliche Glacier-Express-Züge oder allfällige Zusatzzüge für Wintersportler könnten weiterhin über die Bergstrecke verkehren. Die Entflechtung der unterschiedlichen Zugstypen würde auch zu weniger Konflikten um verfügbare Trassen sowie zu einer Erhöhung des Reisekomforts führen, heisst es in der Studie. Gerechnet wird mit einer markanten Nachfragezunahme: Die Zahl der Passagiere würde von heute 240 000 auf rund 320 000 pro Jahr steigen. Ein Tunnel könnte auch die Wirkung einer durchgehenden Skigebietsverbindung verstärken, heisst es im Bericht weiter. Andermatt würde für die obere Surselva in Pendlerdistanz rücken, wodurch sich für Arbeitskräfte neue Perspektiven ergeben würden. Auch der Tagestourismus dürfte durch das neue Angebot zunehmen.

Diesem Mehrwert stehen aber auch höhere Kosten beim Bahnbetrieb gegenüber. Die zusätzlichen Unterhaltskosten für die Infrastruktur werden in der Projektstudie mit zehn Millionen Franken pro Jahr beziffert. Das Betriebsergebnis der Transportunternehmen würde sich unter dem Strich um zwei Millionen Franken pro Jahr verbessern, da der Tunnel unter anderem auch eine Effizienzsteigerung für die Züge mit sich bringt. Doch die jährlichen Folgekosten für die Bahn würden dann immer noch acht Millionen Franken betragen.

Bitteres Gesamturteil

Das Gesamturteil der Regierung fällt für die betroffene Region bitter aus. Sie hat das Projekt «Tunnel Andermatt – Sedrun» dem Topf C zugeordnet. Bei den C-Projekten handelt es sich um sehr teure Vorhaben, die dem Kanton und den betroffenen Regionen nur einen bescheidenen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen. Eine weitere Vertiefung durch den Kanton sei deshalb nicht vorgesehen, formuliert die Regierung das definitive Nein mit diplomatischen Worten.

Die Bündner Regierung hat alle konkreten Ideen für neue Verkehrsverbindungen in Graubünden unter die Lupe nehmen lassen. Das «Bündner Tagblatt» stellt in einer Serie alle Projekte inklusive der vom Bau-, Verkehrs- und Forstdepartement Graubünden bei Ernst Basler und Partner, Zürich, in Auftrag gegebenen Bewertung der Projekte vor. Heute erscheint der sechste Teil.

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