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Frauen-Power beim Turf in Maienfeld

Die quirlige Chantal Zollet hat gestern beim Swissturf in Maienfeld in den beiden Querfeldein-Pferderennen auf dem Rossriet vor 10 000 Zuschauern die männliche Konkurrenz düpiert.

Südostschweiz
11.10.10 - 02:00 Uhr
Zeitung

Von Markus Monstein

Pferderennen. – 5400 Meter gespickt mit 34 anspruchsvollen Hindernissen warteten auf die acht Pferde und Reiter, welche gestern um 16.49 Uhr den mit 25 000 Franken dotierten Grossen Preis von Maienfeld in Angriff nahmen. Für rund 10 000 begeisterte Zuschauer war dieses längste, prestigeträchtigste und schwierigste Querfeldeinrennen der Schweiz der Schlusspunkt eines Pferdesport-Festes mit Kaiserwetter auf der Maienfelder Naturrennbahn Rossriet.Der Wettumsatz fiel mit 156 789 Franken sehr gut aus – das bedeutet Saisonrekord auf Schweizer Bahnen. Die OK-Crew rund um den abtretenden Präsident Michael Stocker darf hoch zufrieden sein mit dem Renntag. Auch Bahnchef Alfons Zindel dürfte ein grosser Stein vom Herzen gefallen sein, hatte es doch einen erheblichen Mehraufwand gebraucht, um die Bahn nach dem Bündner-Glarner Kantonalfest vom Sommer auf dem Rossriet wieder in renntauglichen Zustand zu bringen.

Enorm schnell gelaufenes Rennen

Wie erwartet übernahm der Frontrunner Negus des Mottes mit dem deutschen Top-Hindernisjockey Dirk Fuhrmann, der zuvor das Jagdrennen gewonnen hatte, im Hauptereignis sofort die Spitze. In zügigem Tempo absolvierten die acht Paare die erste Phase des Rennens. Quel Beau Mec und Notez Le liessen den Favoriten nie entscheidend davonziehen, während Chantal Zollet mit Lyskoya zu Beginn überhaupt froh war, den Anschluss ans Feld nicht zu verlieren. Als es in die letzte Diagonale ging tauchte die einzige Frau mit der einzigen Stute im Feld dann aber plötzlich an dritter Stelle auf.Negus des Mottes musste nach dem viertletzten Sprung den Neuling Notez Le an die Spitze lassen, Chantal Zollet liess Lyskoya hinter den beiden galoppieren und wartete noch mit ihrem Angriff. Dieser erfolgte dann aber nach dem letzten Sprung – und wie! Im Stile einer Sprinterin löste sich die siebenjährige dunkelbraune Stute von ihren letzten beiden Gegnern. Überlegen mit sieben Längen Vorsprung kam sie als Siegerin ins Ziel, mit einer frenetisch beklatschten und schon weit vor dem Ziel jubelnden Chantal Zollet. Notez Le hielt den Ehrenplatz vor dem Favoriten Negus des Mottes.Die Siegerzeit von sieben Minuten und 44 Sekunden war die schnellste seit langem in diesem Marathon-Rennen, eine halbe Minute schneller als die leider verhinderte Vorjahresiegerin Avalon vor einem Jahr.

Die Krönung für Chantal Zollet

Nur wenige Frauen trauen sich über Hindernisse in den Rennsattel zu stei-gen. Die gebürtige Chantal Zollet, die mit Germanski als 24:1-Aussenseiterin bereits das kleinere Cross gewonnen hatte, ist eine davon. Die sympathische Bernerin, die mit einer Grösse von lediglich 160 Zentimetern für den Rennreiter-Beruf geradezu prädestiniert ist, hat in der Szene seit Jahren für frischen Wind gesorgt. «Das ist einer meiner emotionalsten Erfolge überhaupt», strahlte die quirlige Siegerin, die vor zwei Jahren in diesem Rennen mit Erdeni triumphiert hatte.«Lyskoya und Erdeni sind sich ähnlich, beide haben einen starken Endspurt», zog Zollet einen Vergleich, «doch wenn die beiden aufeinander treffen würden, wäre Erdeni der Bessere.» Nun, die beiden Cross-Cracks laufen nie gegeneinander, denn Erdeni hat seine Rennkarriere beendet und geniesst seinen Lebensabend beim Besitzer-Ehepaar Schmid. Erdeni hatte vor zwei Jahren übrigens exakt mit demselben Vorsprung von sieben Längen gewonnen. Doch Lyskoya war nun acht Sekunden schneller.«Eigentlich reisst sie mir zu Beginn des Rennens ja sonst jeweils fast die Arme aus», lachte Chantal Zollet, «diesmal hatte ich jedoch Mühe, überhaupt den Anschluss zu halten. Erst in der Schlussphase hatte ich wieder Gas.» Lyskoya soll nun am kommenden Sonntag nochmals in Maienfeld antreten, Ende Oktober dann in Frauenfeld. Möglicherweise sind dies die letzten beiden Rennen, eine Zukunft als Zuchtstute ist angedacht.

Zwei Bündner Siege

Gleich zwei Volltreffer gab es für Bündner Besitzer gestern auf dem Rossriet. Zunächst liess Luberon die Engadiner Scuderia del Clan jubeln, indem er mit dem neuen Amateur-Weltmeister Florent Guy im Sattel seinen sieben Gegnern von der Spitze aus nicht den Hauch einer Chance liess. Trainer Philipp Schärer hatte eine halbe Stunde zuvor bereits das Hürdenrennen für Dreijährige mit La Colina gewonnen.Für den zweiten Bündner Sieg sorgte im Stutenrennen My Mary, die der Churer Hanspeter Stüssy selbst ge-züchtet hat. Mit Jan Raja setzte sie sich nach starkem Kampf durch und erzielte ihren vierten Saisonerfolg. Trainer Miro Weiss war mit drei Tages-siegen gestern der erfolgreichste Ak-teur auf dem Rossriet. Shuffle Champ für den Stall Corviglia sowie Hairball für den Stall SVH mussten nur einen Gegner vor sich dulden.

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