×

Felix im Glück

«Ich bin angekommen»: Felix Giger aus Surrein ist auf die kanarische Insel La Palma ausgewandert. Andreas Joos und Maria Cadruvi haben «den Glücklichen» zwei Wochen lang mit der Kamera begleitet.

Südostschweiz
Samstag, 19. März 2011, 01:00 Uhr Streiflicht

Von Sabrina Bundi

Eine paradiesische Vorstellung: Leben auf einer kanarischen Vulkaninsel; eine rund 2500 Quadratmeter grosse Finca; ein immergrüner Garten, in dem die süssesten Früchte gedeihen und die schönsten Blumen blühen. Felix Giger, der ehemalige Chefredaktor des «Dicziunari rumantsch grischun» (DRG), hat sich mit 64 Jahren entschieden, diesen Traum zu leben. Hat Giger tatsächlich sein Glück auf der Trauminsel gefunden? Und was bedeutet Glück überhaupt für den Auswanderer? Andreas Joos und Maria Cadruvi ist es gelungen, ganz besondere Momente des Rätoromanen, Philosophen, Gelehrten und Menschen Giger zu registrieren. Das Resultat: der rund 30-minütige Dokumentarfilm «Jeu sun arrivaus» (Ich bin angekommen).

Was ist Glück?

Felix und Vatya Giger leben seit über einem Jahr auf La Palma. Die Finca haben sie bereits vor 15 Jahren gekauft, von einem alten Mann, der schon lange sein Land verkaufen wollte: «Es kommt mir aber so vor, als hätte er auf uns gewartet», schwärmt Giger. Die Traumlandschaft ist nur ein Beweggrund, der sein Herz vor Glück höher schlagen lässt. Er nennt auch andere Momente, die unentbehrlich sind, um das Gefühl zu erleben, am richtigen Ort im Leben angekommen zu sein. Dazu gehören etwa zwischenmenschliche Beziehungen. Im nahe gelegenen Zentrum Tijarafe haben Felix und Vatya Giger viele Freunde gefunden. «In meinem Heimatdorf habe ich mich oft fremder gefühlt», erläutert der Auswanderer. Interessanterweise habe er hier sofort einen Draht zu den Einwohnern gefunden: «Vielleicht liegt das auch ein wenig an der Sprache, denn hier muss ich viel mehr auf die Sprache achten, und ich habe tatsächlich gemerkt, dass ich einfach mehr zuhören muss.» Für die Filmemacherin Cadruvi ist diese Szene eine Schlüsselstelle des Films: «In Tijarafe kann Giger ohne den Rucksack des intellektuellen Romanen leben, er ist befreit von jeglichen Rollenzuweisungen.»

Um glücklich zu sein, braucht Giger ausserdem die Natur. In den kanarischen Kiefernwäldern oder in seinem Garten kann Giger sein Lebensmotto verwirklichen: «Mein Name Felix bedeutet der Glückliche, und ich denke immer wieder, mache aus deinem Namen eine Realität.» Auch Bescheidenheit und Dankbarkeit seien wichtige Elemente für eine harmonische Glückseligkeit: «Man muss glücklich sein mit dem, was man hat, und zwar an jedem einzelnen Tag, nicht früher und nicht später.»

Nicht immer nur Sonnenschein

Im Wald von Zarza, einem für den Wahl-Inselbewohner magisch spirituellen Ort, erinnert sich Giger oft an den Tod seines Sohnes im Jahr 2009. Er starb im Alter von 32 Jahren an einem Tumor. Die Trauer gehöre jedoch zum Leben und bilde keinen Gegensatz zur Freude. Er müsse nur aufpassen, dass er nicht in die Falle des Selbstmitleids gerate. «Trauer und Freude schliessen sich aber nicht aus, wie auch das Rot des Regenbogens nicht das Gelb oder Blau übertüncht.» Auch Joos und Cadruvi haben Giger als glücklichen Menschen wahrgenommen, der sie auch nicht wenige Male zum Staunen gebracht hat. So liessen sich beispielsweise fast keine Bücher in Gigers Wohnung finden, und das bei einem Mann, der Bücher geliebt und sogar geschrieben hat. «Jetzt habe er gerade keine Lust zu schreiben.» Der Film wird mehrmals auf SF1 und SF info ausgestrahlt.

Sendedaten: Sonntag, 20. März, 17.25 auf SF1; Mittwoch, 23. März, 8.30 Uhr und 13.30 Uhr auf SF info; Donnerstag, 24. März, 10.55 auf SF info; Samstag, 26. März, um 17.10 auf SF1; Sonntag, 27. März, um 7 Uhr auf TSR 1 und um 7.30 Uhr auf RSI LA 1.

Kommentar schreiben

Kommentar senden