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«Einige Fragen im Leben bleiben ungeklärt»

Roger Rychen ist gelernter Landwirt und blickt mit seinen 21 Jahren bereits auf eine bewegte Schwingerkarriere und ein bewegtes Leben zurück. Mit seiner Kreuzgriff-Lätz-Kombination will er an diesem Wochenende weit kommen.

Südostschweiz
Freitag, 30. August 2013, 02:00 Uhr

Von Juliane Krappe

Schwingen. – Vor einer riesigen Kulisse wird am Wochenende in Burgdorf auch Schönschwinger Roger Rychen an den Start gehen. Aufgeregt ist er dennoch nicht, geben ihm seine beiden Schwingerkameraden Peter Horner und Ruedi Luchsinger doch den Rückhalt und die Kraft, auch schwierige und bewegende Situationen zu überstehen. «Schwingen ist auch in meinem Leben mit das Wichtigste, denn dahinter stehen vor allem die Kameraden, und ich kann abschalten.» Sein Ziel: Kränze und einfach dabei bleiben.

Kollegen seit dem ersten Kranz

Als einziger im Glarner Bunde gehört der 1,90 Meter grosse Roger Rychen nicht dem Schwingklub Glarus an, sondern dem Schwingklub Niederurnen. Rychen stand im Alter von 14 Jahren im Sägemehlring. Heute zählen zu seinen Besitztümern bereits 20 Glocken und 7 Kränze. «Früher war es mit den Klubs noch anders, heute ist es ein Miteinander», wirft Rychens Schwingerkollege und guter Freund Peter Horner schnell in die Gesprächsrunde. Eine Runde, bei der man merkt, wie gut sich die Schwinger untereinander kennen. Immer wieder blickt Rychen bei Fragen zu Horner und bittet ihn um Mithilfe bei den Antworten. Seit dem ersten Kranz im Mai 2011 sind Rychen und Horner trotz unterschiedlicher Schwingklubs füreinander da und teilen Freude, Leid und Hoffnungen.

Nicht in allem sind sich Rychen und Horner einig. So gibt Rychen als einen seiner schönsten Momente im Schwingerleben nicht den Tag des ersten Kranzgewinnes an, sondern den Tag, an dem er im Schlussgang des Klöntalerschwingets 2013 gegen Horner antreten durfte. «Gegen Kollegen anzutreten, deren Griffe man in- und auswendig kennt, ist für mich aber nicht gerade ein schöner Moment», kontert Horner, der seinem Gegenüber den Sieg wohl fast mehr gegönnt hätte als sich selbst – Uneinigkeit, die bei den beiden eher selten herrscht. Beim schönsten Moment im Privatleben von Roger Rychen – dem Kennenlernen seiner Freundin – herrscht dann wiederum Zustimmung.

Eine Sekunde der Unachtsamkeit

Einen Moment länger als die anderen beiden braucht der eher zurückhaltende Roger Rychen schon, um mehr über sich und sein Leben zu erzählen. Ein Leben, das in jungen Jahren schon den einen oder anderen Schicksalsschlag durchlaufen musste. So warf 2011 eine Sekunde der Unachtsamkeit das Leben des damals 19-Jährigen aus den Fugen und ihn aus der Fahrbahn. Nach vier Überschlägen mit seinem VW Golf kommt Rychens Wagen wieder auf den Rädern zum Stillstand. Totalschaden. Glücklicherweise war er allein unterwegs. «Ziemlich auf den Tag genau ein Jahr später hast du dafür deinen dritten Kranz gewonnen», muntert Horner den «Zwangsvelofahrer» sogleich wieder auf.

Wenn sich Schwinger öffnen

Auf die Frage nach seinen Geschwistern antwortet Roger Rychen mit traurigem Blick. «Ich habe zwei ältere Brüder, doch leider hat sich der Älteste dieses Jahr das Leben genommen.» Wiederum ein harter Schicksalsschlag für ihn. Horner und Rychen schauen sich vertraut an, während auch dieser Lebensabschnitt offen gelegt wird und er Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt gibt. «Abschalten.» Das ist eins der Dinge, die Roger Rychen mit dem Schwingen verbindet. Kameradschaft ist das, was alle drei unabhängig voneinander sagen.

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