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Eine Idee aus dem Zivilschutz leuchtet bis nach Deutschland

Die Firma Esave AG erobert von Chur aus das Ausland: In deutschen Städten hat das Kleinunternehmen bereits Fuss gefasst: mit Strassenlampen, die aktiv mitdenken und so Strom sparen. Entstanden ist die Idee im Zivilschutz.

Südostschweiz
Samstag, 10. November 2012, 01:00 Uhr

Von Olivier Berger

Chur. – Die Idee des Zivilschutzes ist das natürlich nicht. Und doch wurde vor gut drei Jahren just dort eine Geschäftsidee geboren, die inzwischen auch potenzielle Partner und Kunden bis in deutschen Grossstädten interessiert. «Ich habe meinem Kollegen Hanno Baumgartner während unserer Zivilschutz-Zeit eine Strassenlaterne auf den Tisch gelegt und ihn gefragt, ob man so etwas auch dimmen kann», erzählt Rico Kramer, CEO der Esave AG in Chur.

Baumgartner, der Elektroingenieur, winkte zunächst ab, nahm die Strassenleuchte aber doch einmal mit nach Hause. Kurz darauf präsentiert er seinem staunenden Kollegen eine Steuerung, mit welcher Strassenlampen kabellos heller und dunkler eingestellt werden konnten. «Der Prototyp hatte allerdings einen Haken», erzählt Kramer. «Er war noch viel zu gross, was uns auch die Lampenhersteller gesagt haben, denen wir unser Produkt vorgestellt haben.»

Immer so viel Licht wie nötig

Inzwischen haben Kramer und Baumgartner mit Daniel Jörimann einen weiteren guten Bekannten mit ins Boot geholt, und die Probleme mit der Grösse ihrer Steuerungen sind längst gelöst. Dafür können die Strassenleuchten aus Chur inzwischen ein paar Dinge mehr als sich nur auf Kommando abdunkeln. «Unsere Leuchten denken gewissermassen mit», erklärt Kramer. Konkret lässt sich mit den Produkten von Esave überall genau so viel Licht erzeugen wie gerade notwendig ist. «An der unteren Bahnhofstrasse in Chur beispielsweise fahren wir das Licht ab einer gewissen Uhrzeit zurück.» Die Uhrzeit wiederum ist an Wochentagen und am Wochenende unterschiedlich. «Am Wochenende lassen wir es um den Bahnhof länger hell, weil dann auch zu später Stunde noch mehr Publikumsverkehr herrscht.» Die Esave-Leuchten lassen sich praktisch minütlich umschalten.

Bedarfsgerechte Helligkeit ist nur eine Eigenschaft des Esave-Konzepts. «Alle Leuchten einer ganzen Stadt lassen sich von einem Ort aus steuern», erklärt Kramer und demonstriert die Technik am Tablet-Computer. «Das hat den Vorteil, dass man nicht mehr auf jeden Lampenmast einzeln steigen muss, wenn man beispielsweise für das Stadtfest etwas verändern will.»

Verbunden sind die einzelnen Leuchten nicht nur mit der zentralen Steuerung, sondern auch untereinander. «Dadurch ‘merkt’ eine Lampe in einer Reihe, wenn sich ein Fussgänger nähert», erklärt Kramer. Das mache es möglich, jede Lampe einer Reihe rechtzeitig heller zu schalten und danach wieder abzudunkeln, wenn der Passant ausser Reichweite sei. Möglich mache es eine Funkverbindung zwischen den Lampen. «Die Lampen ‘funken’ sich quasi weiter, dass jemand vorbeigekommen ist.»

Auf Erfolgskurs bis Deutschland

Was sich nach einer netten Spielerei für Technik-Fans anhört, hat einen handfesten Nutzen – auch über die einfachere Steuerung, welche eine Vielzahl teurer Serviceeinsätze unnötig macht, hinaus. «Wir sparen 80 Prozent Strom», betont Kramer. «Und zwar im Vergleich mit herkömmlichen LED-Leuchten ohne Steuerung.» Solche Möglichkeiten haben inzwischen nicht nur die Hersteller von Strassenlampen auf das Churer Unternehmen aufmerksam gemacht: Einige Städte testen die Technologie aus Chur seit geraumer Zeit mit grossem Erfolg.

Allerdings hatte Esave bisher im Ausland fast die besseren Karten als in der Schweiz. In Leipzig, Villingen-Schweningen und weiteren deutschen Städten wird bereits nach Bündner Art geleuchtet, und auch mit Berlin laufen Verhandlungen. In ihrer Heimatstadt Chur haben die Esave-Macher bisher die Anlage an der neu gestalteten Bahnhofstrasse in Betrieb nehmen können. Eine Testanlage steht in Haldenstein. «Eine Umfrage im Ort hat gezeigt, dass kaum jemand einen Unterschied zur bisherigen Strassenbeleuchtung bemerkt hat, von einer Komforteinbusse spricht ohnehin niemand», erklärt Kramer. Weitere Esave-Steuerungen stehen ausserdem in Würenlos, Trogen und Sargans.

Ihre Produkte entwickelt die Esave AG laufend weiter. «Inzwischen haben wir ein eigenes Leuchtmittel für Strassenlampen entwickelt, das nicht blendet», verrät Kramer. Nach wie vor stammen die Produkte der jungen Unternehmung fast ausschliesslich aus Chur und Umgebung. «Wir lassen nicht in Fernost produzieren, sondern von kleinen Firmen in unserer Nähe.»

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