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«Ein Image, das perfekt zu Graubünden passt»

Abschalten in jahrhundertealten Gebäuden – die Stiftung Ferien im Baudenkmal verbindet Denkmalpflege und Tourismus. In Graubünden werden derzeit vier, bald fünf historisch wertvolle Häuser an Gäste vermietet. Das BT stellt diese Bauzeugen in einer Serie vor.

Südostschweiz
Dienstag, 12. Juli 2011, 02:00 Uhr Ferien im Baudenkmal

Von Giannina Leonie Widmer

In einem ursprünglich erhaltenen Engadinerhaus gemütlich am Ofen sitzen, bei den Walsern zuhinterst im Safiental ausspannen oder in einem alten Puschlaver Steinhaus die Seele baumeln lassen. Wer weitab vom lauten Urlaubsrummel, fern von überfüllten Stränden und vollgestopften Sightseeing-Bussen einmal richtig Kräfte tanken und die Welt vergessen will, der plant Ferien im Baudenkmal.

Möglich machts die Stiftung Ferien im Baudenkmal, die 2005 anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums des Schweizerischen Heimatschutzes gegründet wurde. Als zukunftsweisendes Projekt, das, wie die Entwicklung zeigt, tatsächlich Wachstumspotenzial birgt und das auf nationale Anerkennung stösst: 2010 wurde die Stiftung für den Milestone nominiert, jenem Preis, den die Hotelrevue, das Bundesamt für Wirtschaft (Seco) und der Schweizerische Tourismusverband an Projekte vergibt, die in der Schweizer Tourismuslandschaft als besonders innovativ gelten.

Wer buchen will, der buche jetzt!

Die Grundidee besteht darin, Denkmalpflege und Tourismus miteinander zu verbinden. Historisch wertvolle Bauzeugen, die vom Zerfall bedroht sind, werden denkmalgerecht renoviert und an Feriengäste vermietet. Damit ist auf einen Schlag zweierlei gewonnen: Die Baudenkmäler erhalten eine Zukunft und die Gäste erleben einen unvergesslichen Aufenthalt in altehrwürdigen, geschichsträchtigen Mauern.

Eines der beiden Häuser, die 2008, nach sanfter Renovation, als erste von der Schweizerischen Stiftung «Ferien im Baudenkmal» vermietet werden konnten, ist das «Nüw Hus» in Innercamana im Safiental. Seither sind zehn weitere Gebäude dazugekommen, heute werden schweizweit 16 Wohnungen in zwölf Häusern vermietet. Und die Nachfrage ist gross, wie die Zahlen belegen. «Wir konnten jedes Jahr eine Verdoppelung der Buchungen verzeichnen», freut sich die Geschäftsführerin der Stiftung, Monika Suter. «Damit liegen wir über unseren Erwartungen.» Ein Blick in den elektronischen Belegungsplan zeigt zudem, dass einige der Baudenkmäler bis in den Herbst 2012 hinein schon ausgebucht sind.

Für Natur- und Kulturliebhaber

Absoluter Renner unter den aussergewöhnlichen «Ferienresorts» ist nach Regula Murbach, Leiterin Administration der Stiftung, die «Blumen- halde» in Uerikon, ein Zürcher Riegelhaus mit direktem Seeanstoss. «Aber auch das ‘Steinhaus’ in Brusio, das nur sommers bewohnt werden kann, ist sehr gefragt und jeweils voll ausgelastet.» Grundsätzlich möchte die Stiftung mit ihrem Angebot nach und nach die ganze Schweiz abdecken. Graubünden bilde aber ganz klar einen Schwerpunkt, bestätigt Suter: «Vom Image her passt das Konzept perfekt zu Graubünden. Die Verbindung von Architektur und Natur ist auf den Bergkanton wie zugeschnitten.» Es seien denn auch vor allem naturverbundene und kulturinteressierte Leute, oft aus grafischen Berufen, die sich für«Ferien im Baudenkmal» begeisterten. «Zuerst waren wir skeptisch, ob der Feriengast in sanft renovierten, vornehmlich mit Holz geheizten Häusern überhaupt Urlaub machen will», erzählt Suter. Es hat sich gezeigt, dass gerade dieser Luxus der Schlichtheit gesucht wird.

Engadiner, Walser, Bürger …

Von diesem sanften Tourismus können die Randregionen nur profitieren. «Die Häuser werden belebt und die Betten sind immerhin lauwarm», lacht Suter. In Valendas trägt die Stiftung durch die Übernahme des «Türalihus» gar zur Sicherung des historischen Dorfkerns bei. Für die Innenrenovation des Patrizierhauses steht laut Suter allerdings noch über eine Million Franken aus. «Als Stiftung mit einem Minimalstartkapital von 100 000 Franken sind wir stets auf der Suche nach grosszügigen Spendern», gibt sie zu bedenken. Angesichts der beschränkten finanziellen Ressourcen gehören die meisten der Ferienhäuser übrigens Privaten und werden durch die Stiftung bloss vermietet.

Ferien im Baudenkmal bietet seinen Gästen die verschiedensten Gebäudetypen, was offenbar sehr geschätzt wird. «Es gibt Leute, die wollen möglichst viele davon ausprobieren», weiss Murbach. «Gewisse Häuser, etwa das ‘Nüw Hus’, haben umgekehrt ihre Liebhaber, die immer wieder kommen.» In Graubünden vermittelt die Stiftung bereits den Engadiner-, den Walser- und den Puschlavertyp, dazu, wenn alles klappt, bald ein Bürgerhaus.

Welches sind die Besonderheiten dieser Bauzeugen und wer verbringt heuer seine Sommerferien darin? Das BT macht sich auf den Weg, an den alten Stein- und Holztüren anzuklopfen.

In der BT-Serie «Ferien im Baudenkmal» werden folgende Projekte vorgestellt: «Nüw Hus» und «Unteres Turrahus» im Safiental, «Engadinerhaus» in Scuol, «Steinhaus» in Brusio und «Türalihus» in Valendas.

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