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Die Zürcher Bestsellerautorin Eva Zeltner wird 80

Eva Zeltners Ratgeber wie «Mut zur Erziehung» und «Halt die Schnauze, Mutter!» sind Bestseller sowie weit über die Landesgrenzen bekannt und geschätzt. Heute feiert die Zürcher Jugendpsychologin ihren 80. Geburtstag.

Südostschweiz
Samstag, 26. November 2011, 01:00 Uhr

Von Irene Widmer (sda)

Zürich. – Die abgedroschene Floskel «in die Wiege gelegt» sei im Zusammenhang mit Zeltners Beruf für einmal erlaubt: Sie wuchs als Heimleiterkind in einem für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Institut für schwer erziehbare Buben auf. Ihr erster Prosaband «Stellmesser und Siebenschläfer» – eine Art subjektives Sachbuch – handelte auch von ihren Erfahrungen mit schwierigen Jugendlichen.

Trotz ihrem praktisch lebenslänglichen Umgang mit Erziehungsproblemen – sie wirkte über 30 Jahre als Lehrerin und Heilpädagogin – war Zeltner als Sachbuchautorin eine Spätberufene: Als das erste Buch erschien, war sie schon fast 60 Jahre alt.

Erst dank dem Studium der Psychologie, Jugendpsychopathologie und Neuropsychologie sei sie fähig gewesen, Bücher zu schreiben, sagte Zeltner einmal. Immatrikuliert hat sie sich mit 53, nachdem ihr im Traum die Einsicht gekommen war, dass es die letzte Möglichkeit war, noch etwas Neues zu beginnen.

Vom sanften Durchgreifen

In ihrem zweiten Sachbuch «Kinder schlagen zurück» nahm Zeltner 1993 als eine der ersten das Thema Jugendgewalt auf. Ihr drittes, «Mut zur Erziehung» – ein heute noch gültiges Plädoyer gegen «Wankelpädagogik» –, brachte ihr mit über 20 000 verkauften Exemplaren den Durchbruch.

In «Weder Macho noch Muttersöhnchen» warnte sie vor den Gefahren strikt geschlechterbezogener Erziehung und in «Generationen-Mix» vor dem durch den Jugendwahn Erwachsener ausgelösten Verschwinden der Altershierarchie. Obwohl diese Bücher vor über 13 Jahren erschienen, sind die darin geschilderten Probleme immer noch virulent.

Auch Grosseltern haben Vorteile

In ihrem Buch «Hurra, wir sind Ompas» preist Zeltner die wachsenden Vorteile von Grosseltern, die besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zum Tragen kommen. Der Auslöser für das in diesem Jahr erschienene Werk war eine Bemerkung ihrer vierjährigen Enkelin: «Du bist alt und ich bin frisch.» Das habe sie ins Grübeln gebracht. Allerdings fühle sie sich trotz ihrer Jahrringe jung geblieben, schrieb sie.

Wie nur wenige wissen, hat Zeltner, bevor sie Sachbücher schrieb, unter ihrem Ehenamen Eva-Maria Tobler-Zeltner Gedichte verfasst, wie beispielsweise «ein schritt vor mitternacht», das im Jahr 1988 erschien. Liedtexte von ihr stehen in schweizerischen und deutschen Gesangsbüchern. Einige von ihnen hat ihr Mann, der Theologe und Jugendbuchautor Robert Tobler, vertont. Die beiden sind seit 49 Jahren verheiratet, haben zwei Söhne und zwei Enkelinnen und leben in Zürich und Berlin. Sie seien immer noch verliebt, verrät Zeltner über ihre Ehe. Nach einer längeren Phase der Trennung hätten sie regelmässig bei der Wiederbegegnung Herzflattern.

Eva Zeltner: «Hurra, wir sind Ompas!». Zytglogge. 120 Seiten. 25 Franken.

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