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Die Wiederkehr des Teams von 2011

Ob da der Nachhaltigkeitsgedanke eine Rolle gespielt hat? Theoretisch nämlich könnte die SP Graubünden einen grossen Teil des Wahlkampfmaterials von vor vier Jahren gleich noch einmal verwenden.

Südostschweiz
Montag, 02. Februar 2015, 01:00 Uhr

Mit Hanna Bay präsentieren die Bündner Sozialdemorakten nämlich genau eine neue Kandidatin im Rennen um die fünf Bündner Nationalratssitze. Der Rest des Personals ist gleich wie schon vor vier Jahren.

Schon länger klar ist, dass die amtierende SP-Nationalrätin Silva Semadeni erneut antritt, damit die SP nicht wie vor vier Jahren ohne bisheriges Ratsmitglied in die Wahlen steigen muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie wiedergewählt wird, ist gross – auch wenn sie im Jahr 1999 nach nur einer Legislaturperiode ihren Sessel schon einmal räumen musste. Wiederholen wird sich dieses Szenario im Herbst des laufenden Jahres aber kaum.

Hinter dem Zugpferd Semadeni – sie ist unter anderem Präsidentin von Pro Natura Schweiz – setzt die SP vor allem auf bewährte Namen. Wie vor vier Jahren sind Jon Pult, Hanna Bay, Beatrice Baselgia und Andreas Thöny mit von der Partie. Tatsächlich erreichten sie bei den letzten Wahlen gute Stimmenzahlen. Selbst die erst 23-jährige Hanna Bay, einziger neuer Name auf der Liste, verfügt schon über politische Erfahrung. Sie wurde 2014 zur Grossrats-Stellvertreterin gewählt.

Man kann der SP nun den Vorwurf machen, sie habe einfach die alte Liste aus der Schublade geholt und um den Namen einer jungen Frau ergänzt, weil sich das gut mache. Das griffe aber wohl zu kurz. Immerhin setzt die Partei durchaus auf jene Persönlichkeiten, die in den letzten Jahren auf sich aufmerksam gemacht haben. Und Originalität allein macht eine Wahlliste nicht wirklich besser.

Eigentlich könnten Parteipräsident Pult sowie seine Genossinnen und Genossen in den nächsten Monaten also ruhig schlafen: Die Sitzverteidigung scheint so gut wie sicher. Trotzdem dürfte sich die SP auch in diesem Wahlkampf ins Zeug legen. Auf einen zweiten Sitz – wie man ihn 1995 mit Semadeni neben Andrea Hämmerle holte –wird zwar wohl niemand hoffen. Die Parteistrategen werden aber wohl auch nicht vergessen haben, dass es vor vier Jahren knapp geworden ist für die Sozialdemokratie. Erobert wurde das Mandat damals nur unter gütiger Unterstützung der Grünliberalen.

Das führt zur Gretchenfrage des ganzen Bündner Wahlkampfs: Was passiert mit den Grünliberalen und ihrem Nationalrat Josias F. Gasser? Im Alleingang steht die Partei auf verlorenem Posten, aber auch die SP könnte ein paar zusätzliche Stimmen gut gebrauchen, um den Pulsschlag noch weiter zu senken. Ob sie allerdings wieder mit den Grünliberalen gemeinsame Sache machen, haben die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten noch nicht entschieden.

Dass man sich in der Schaltzentrale der Genossinnen und Genossen mit dem Entscheid nicht leicht tut, ist nachvollziehbar. Zwar gibt es im Umweltbereich gerade mit Gasser zahlreiche Berührungspunkte. Wenns allerdings um andere sozialdemokratische Kernthemen wie die Wirtschaft und staatliche Interventionen geht, prallen bisweilen Welten aufeinander.

Die zweite Frage, die man sich im Zusammenhang mit Spitzenkandidatin Semadeni stellt, lautet: Wie lange wird sie im Falle einer Wiederwahl ihr Amt ausüben? Kommende Woche wird sie 63-jährig, am Ende der nächsten Legislatur wäre sie fast 70. Zwar ist Semadeni engagiert und agil wie eh und je. Ob sie aber Lust hat, weitere vier Jahre in Bern zu politisieren, darf zumindest gefragt werden.

Denkbar ist daher, dass Semadeni mit dem Bisherigen-Bonus erfolgreich durch die Wahlen kommt und danach noch zwei Jahre im Nationalrat politisiert. Beerbt werden könnte sie im Fall eines vorzeitigen Rücktritts allenfalls von Parteipräsident Pult, der dann Anfang 30 wäre (siehe Interview).

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