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«Die Schauspielerei ist mein Leben»

Von November bis Februar spielt sie im Familienstück «Heidi» am St. Galler Stadttheater die Hauptrolle. Wendy Güntensperger weiss aber, dass die Schauspielerei ein harter Beruf ist, in dem man nie genau weiss, wie es weitergeht.

Südostschweiz
Samstag, 06. Oktober 2012, 02:00 Uhr

Von Markus Timo Rüegg

Rapperswil-Jona. – «Ich heisse nur Heidi, und sonst nichts.» Unter diesem Titel kommt am 24. November das wohl bekannteste Werk der Schweizer Literatur auf die Bühne: «Heidi» von Johanna Spyri. Für die Hauptrolle des Heidis engagierte das St. Galler Stadttheater die Rapperswilerin Wendy Michelle Güntensperger. Die Bühnenfassung von Wolf-Dietrich Sprenger erfährt eine behutsame Modernisierung, welche die Geschichte ernst nimmt, den Humor aber nicht zu kurz kommen lässt.

«Regisseur Wolf-Dietrich Sprenger suchte für das Stück noch die passende Heidi. Meine Stimm- und Sprachdozentin schlug mich vor. Ich liess Sprenger eine Szene zukommen. Diese gefiel ihm und ich erhielt den Vertrag», fasst Wendy Güntensperger die Entstehung dieses Engagements zusammen. Auf die Rolle freut sie sich riesig, geprobt wird denn auch schon seit Wochen, damit an der Premiere Ende November alles passt. Für die junge Rapperswiler Schauspielerin ist es die erste grosse Rolle überhaupt, die sie in ihrer jungen Karriere erhält.

Träume verfolgen

Wendy wuchs zusammen mit drei älteren Geschwistern mitten im idyllisch gelegenen Weinberg «Höcklistein» bei den Eltern Sonja und Walter auf. «Ohne Nachbarn, dafür mit viel Natur, zwei Wäldern, einem kleinen Wasserfall und einer Höhle», sagt sie. Langweilig sei es ihr mit Nico, Mara, und Dennis nie geworden, zumal sie die Jüngste im Güntensperger-Kinderbunde war. «Von Geburt an war ich von impulsiven und kreativen Menschen umgeben. Ich lernte schon früh, mich durchzusetzen und meine Träume zu verfolgen.»

Zusammen mit ihrer besten Freundin Andrea unternahm sie alles. «So viel, dass uns ihre Eltern den Kontakt verbieten wollten, weil sie dachten, wir würden sonst keine anderen Leute mehr kennenlernen…» Einige Jahre war Wendy in der Pfadi, turnte in der Jugi mit und probierte viele Instrumente aus, von denen ihr aber keines für längere Zeit zusagte.

«Leider gab es an den Volksschulen keine Kurse für Theater und Schauspiel. Sonst hätte ich die belegt», deutet sie ihren beruflichen Werdegang an. Tatsächlich absolvierte sie gleich nach der Sekundarschule während drei Jahren die European Film Actor School (EFAS) in Zürich, die sie gestern Freitag erfolgreich abschloss.

100 x Heidi gehört

«Dass ich nun gleich eine Hauptrolle am Stadttheater St. Gallen bekam, ist ein Glück. Ich mag Rollenspiele. Einer Figur ein Gesicht zu verleihen, ist herausfordernd und spannend. Es setzt Sensibilität und Einfühlungsvermögen voraus. Die Schwierigkeit besteht darin, sich dem total hinzugeben. Emotionen kommen nur dann gut rüber, wenn die ‘Betriebstemperatur’ beim Überbringer stimmt. Das ist ein steter Lernprozess in diesem Beruf.»

Film- und Theaterproduktionen: Wo liegen für die ambitionierte Schauspielerin denn die markanten Unterschiede? «Im Gegensatz zum Film muss man beim Theater mit der Sprache auch die hinterste Reihe erreichen. Dazu spricht man etwas unnatürlicher. Auch Handlungen werden etwas übertrieben dargestellt, wogegen beim Film technisch klein und fein gearbeitet wird. Ich mag beide Varianten sehr.»

Und was mag sie an der Heidi- Rolle? «In meiner Kindheit habe ich die «Heidi»-Kassette mindestens 100- mal gehört. Ich bin mit ihr sozusagen aufgewachsen. Die Geschichte ist wunderschön und spannend. Heidi kennt man weltweit. Es ist traumhaft, dass ich diese Rolle nun spielen kann!»

Als Nächstes würde Güntensperger gerne einen Teenager um die 15 spielen, weil sie noch genau wisse, wie sie damals gefühlt habe. «Ich würde den Leuten gerne zeigen, dass man auch mit 15 wichtiges Gedankengut besitzt, ernst genommen werden will und nicht einfach nur pubertiert.»

Die Heidi-Rolle geht für sie im nächsten Februar zu Ende. Sie hofft auf weitere Engagements in Theater oder Film. «Die Schauspielerei ist mein Leben. Ohne sie wird es schwer.»

Geburtsdatum: 21. September 1993

Sternzeichen: Jungfrau

Aszendent: Unbekannt

Wohnort: Rapperswil-Jona

Heimatort: Eschenbach

Zivilstand: Ledig

Hobbys: Freunde treffen, Gesang

Lieblingsgetränk: Kaffee, Schorle

Lieblingsessen: Beilagen mit Saucen

Stärke: Einfühlsam und ehrlich

Schwäche: Leicht zu verunsichern

Meine Musik: Reggae, Rock, Indie

Mein Lebensmotto: Man darf den Fehler nicht machen, Angst zu haben, Fehler zu machen

Mein Auto: Hybrid oder Elektro

Meine Filme: Chungking Express, Reservoir Dogs, Into the Wild

Meine Abneigungen: Gewalt, Ungerechtigkeit, Kaugummis

Mein Outfit: Meine leichten und superbequemen Buggy-Hosen

Bestes Buch: Mein Name ist Eugen

Schauspieler: Robert De Niro

Schauspielerin: Ingrid Bergman

Regisseure: Kubrick, Tarantino

Traum: Etwas auf dieser Welt zum Guten verändern zu können

Albtraum: Todesfall in der Familie

Lieblingszahl: 6

Lieblingsfarbe: Grün und Schwarz

Da bin ich gerne: Bei meinem Freund und bei Freunden

Wunschreiseziel: Budapest oder Amsterdam, und wenn ich genügend Geld habe eine Reise nach Amerika

Rapperswil-Jona. – Auf der Suche nach neuen Eindrücken würde Wendy Güntensperger am liebsten um die ganze Welt reisen, um deren Einmaligkeit zu verinnerlichen. «Ich bin extrem neu- und wissensbegierig, gebe mich nie mit der erstbesten Antwort zufrieden und mache dabei auch nicht vor meinen Idealen halt. Ungerechtigkeiten kann ich nicht ausstehen, und das Wohl von Mensch und Tier liegt mir am Herzen», charakterisiert sie einen Teil ihres Wesens. Im nächsten Wunschgespräch folgt Rekrut Marius Mahler aus Rapperswil-Jona. (mtr)

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