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Die meisten Bündner pendeln im Kanton

Die Schweiz ist ein Land der Pendler – dies belegt auch die neuste Mobilitätsstatistik des Bundes. Und wie steht es mit den Bündnern? Sind sie Stubenhocker oder Nestflüchter?

Südostschweiz
Samstag, 31. Mai 2014, 02:00 Uhr

Von Pierina Hassler

Chur. – Sabina wohnt in Disentis. Jeden Morgen fährt sie mit der Rhä- tischen Bahn (RhB) nach Chur zur Arbeit. Am Abend dasselbe in umge-kehrter Richtung, heim nach Disentis. Sabina ist täglich rund zweieinhalb Stunden unterwegs. «Ich habe einen guten Job in einem Treuhandbüro, der Aufwand lohnt sich», sagt sie. Peter ist Verkäufer und wohnt in Thusis. Auch er steigt jeden Morgen in die RhB Richtung Chur und fährt jeden Abend heimwärts. Peter kommt auf eine Pendlerzeit von gut einer Stunde. «Ich würde zwar lieber in Thusis arbeiten», sagt er, aber: «Müssen macht mögen.» Irene ist Coiffeuse, wohnt in Landquart und frisiert in Chur. Landquart–Chur retour sind es gerade mal 16 Bahn-Minuten. Trotzdem sagt Irene: «Ich könnte gut auf das Pendeln verzichten.»

Für die Statistiker des Bundes gelten als Pendler «Erwerbstätige, die einen fixen Arbeitsort ausserhalb ihres Wohngebäudes haben». Im Jahr 2012 waren das rund 3,7 Millionen. Der Durchschnittspendler braucht 30 Minuten für die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstelle. «Verglichen mit dem Jahr 2000 entspricht das einer Zunahme von sieben Minuten», heisst es in der Statistik «Pendlermobilität in der Schweiz 2012». Personen mit höherer Bildung oder Universitätsabschluss pendeln mit 17,1 Kilometern 64 Prozent weiter als Leute mit niedriger Berufsbildung. Und das Auto steht bei den Pendlern hoch im Kurs: Mehr als jeder Zweite steigt ins Auto, um zur Arbeit zu gelangen. 16 Prozent der Pendler benutzen die Bahn.

St. Gallen und Zürich

So wie Sabina und Peter geht es vielen Bündnerinnen und Bündnern. Laut Studie haben 2012 insgesamt 86 844 Personen gependelt. Davon 79 181 innerhalb des Kantons. 7663 Personen fahren in andere Kantone («Wegpendler» genannt) zur Arbeit. Aus anderen Kantonen («Zupendler») kommen 9587 Personen in den Kanton Graubünden zur Arbeit. Das sind 1924 Personen mehr als Bündner, die in andere Kantone pendeln.

«Die Wegpendler gehen am ehesten in die Kantone St. Gallen, Zürich und Tessin», sagt Daniel Bohnenblust vom Bundesamt für Statistik. In Zahlen: 2790 Personen fahren in den Kanton St. Gallen, 1470 Personen in den Kanton Zürich und genau gleich viele ins Tessin. «Die Zupendler kommen vor allem aus den Kantonen St. Gallen und Zürich», so Bohnenblust. In Zahlen: 3960 St. Galler und 1690 Zürcher kommen jeden Arbeitstag nach Graubünden.

Wenige Wegpendler

Durch die Grösse, die verkehrstechnischen Gegebenheiten und die Grenzlage von Graubünden habe es relativ wenig Wegpendler, sagt Bohnenblust. «Ähnlich wie in den Kantonen Wallis und Tessin.» So kommt es, dass nur knapp neun Prozent der in Graubünden wohnhaften Pendler in einem anderen Kanton arbeiten. Im schweizerischen Mittel sind es über 19 Prozent. Die Bündner Erwerbstätigen sind also weder klare Stubenhocker noch wirkliche Nestflüchter: Sie sind beweglich, aber das Nest Graubünden ist so gross, dass es für die meisten Platz hat.

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